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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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536 begünstigen durch Verbreitung desselben in ihrer Presse. Mögen sie eingedenk werden, daß die vormaligen „Zeichen und Wunder", mit welchen die Propheten der alten Schule austraten, nicht mehr als die damals zeitgemäße Form waren, dem beschränkten Volke etwas Vernünftiges beizubringen; daß dieser Zauber veraltet und lange her ersetzt ist, von der Vernunft und der Einsicht der lebenden Welt, welche nunmehr sie zu regieren allein berufen sind. Möge ihnen die Wahrheit aufgehen betreffs der Bedeutung des Verses (Maleachi 1, 5.) dahin, daß Gott größer ist über den Horizont so mancher „israelitischen" Auffassung Gottes und dessen, was er gern hat oder nicht. — Thun sie das nicht, unterstellen sie Gott Dinge, die seiner unwürdig sind (2. B. K. Kjt 9.); bezeichnen sie mit „Gott" ein Wesen, das schon um deswillen nicht der jüdische Gott sein kann, weil dieser nach den zeitigen Anschauungen und Begriffen, durchaus größer und höher, herrlicher und feierlicher verstanden werden kann; so sündigen sie schwer gegen das dritte Gebot des Dekalogs, über welches unsre Alten sagen, daß die Welt erzitterte, als es zur Verkündigung gelangte. — Trotz der allgemeinen Tradition, ist es nämlich in sprachlicher Beziehung nachweislich 0 falsch, dieses Gebot in erster Reihe auf das sogenannte Falschschwören zu beziehen.— Dieses ist an anderer Stelle (3. B. Mos. lH 12.) deutlicher verboten. Eine aufmerksame Prüfung aber des Dekalogs ergiebt aus dem Zusammenhänge Folgendes. Das erste Gebot verpflichtet das jüdische Volk, den ‘r,2) als jüdischen Gott anzuerkennen, weil er dasselbe aus 1) Für diesen Ort genüge Folgendes als Begründung: Der Ausdruck OB’ nB'j in der Bedeutung: einen Namen auszusprechen, hat (Ps. 16, 4.) 'P0& by „auf meine Lippen" neben sich. Daß niBP NB'j, falsch schwören nicht bedeutet, beweist Psalm 24,4., wo es heißt: „Wer reiner Hände und lauteren Herzens ist, ttb "iB'S ‘B’SJ NB'j und nicht arglistig schwört. Es erhellt aber eine genügend und maßgebend bessere Beoeutung für diesen Satz, aus Psalm 139, 20. „Uebertragen wird auf Nichtigkeiten Deine Heiligkeit" (nach Ben Esra „Dein Name"). Es wird daher auch hier zu übersetzen sein: Wer nicht überträgt auf Nichtigkeit sein Gotteswesen. Vergl. Ps. 15, 3. und 5. B. Mos. 24, 15. — Corresp. 2) Abbreviatur für den vollen Eigennamen des jüdischen Gottes, welchen ganz niederzuschreiben oder wie er punktirt auszusprechen, hier unzulässig ist, im Gegensatz zn Elohim, welches Wort an einigen Stellen eineCollectivbezeichnung sürGötierallerArt und selbst hochgestellte Menschen ist. —Vergleiche unter vielen andern Stellen Egypten befreite, — Das zweite Gebot verbietet andere ideelle Götter und außerdem materielle Götter und deren Abbildungen. — Das dritte Gebot endlich wendet sich gegen den tollen Einfall, unter dem Namen etwa auch einen ideellen Gott einzuschmuggeln, der aber nicht der jüdische Gott wäre, das allerhöchste Wesen, das zu begreifen die beste Denkkraft nicht vermag und des Versuches, ihn zu erfassen, sich schämend, erlahmt zurücktritt. — Denn das dritte Gebot lautet: Du sollst den Namen '' Deines Gottes nicht auf leere Nichtigkeiten übertragen, denn u. s. w. — (Mit dieser speciellen Erklärung sind wir nicht einverstanden, s. unfern Commentar zum dritten Gebot in unserm Bibelwerke. Redact.) Wer also dem jüdischen Gott mit aus der Rumpelkammer hervokhesuchten Verirrungen finsterer und höchst einseitiger Zeiten, als da sind: E. J.-Erde, R Meier baal Hannees, Challahgeld u. dgl. zu dienen vermeint und sie öffentlich verkündet, der vergeht sich u. A. auch gegen das dritte Gebot. — Den wohl in der Wolle, aber leider unecht gefärbten Ueberfrommen, so sie ob dieser Auseinandersetzung etwa hochmüthig die Nase rümpfen sollten, sei als Dämpfer die Talmudstelle vorgehalten: (.2 ,nu phn) NiDini’ px ,ün Komme ich doch nicht, den Gottesglauben zu schwächen, herabzusetzen und zu schädigen, sondern im Gegentheil ihn zu stärken, zu heben und aufzubeffern! So wie meine Kol Nidre Artikel den doch nur löblichen Zweck verfolgten, dem lüderlichen Gebühren auf dem leidigen Gebiete der Gelübde, Schwüre u. s. w. Einhalt zu thun und es womöglich zu beseitigen: so verfolgen auch diese Artikel die Wiederherstellung der Ehre Gottes, welche seine Freunde und unsre Brüder, den richtigen Fundort verkennend, auf trügerischer Stelle suchen, und demgemäß leider auch das Gegentheil von dem finden, was sie eigentlich erstreben. — „Bedenket Euere Abwege und Euere Unthaten, und entsetzet Euch vor Eueren Bestrebungen für Sünde und Gräuel!" — (Ezechiel 36, 31. und 20, 43.) Julius Hamburger. 3. B. Mos. 24, 15. 16. „Wer seinem Gott „üv6n" flucht, der hat gesündigt; Wer hierbei aber den Namen ,/^"ausspricht. der soll getödtet werden.so er den Namen nennt, ist er des Todes." — Ferner Richter ll, 24. gegen Kmosch und l. Kön. 18, 2>. gegen Baal. Deutschland. Breslau, 15. August. (Privatmitth.) Es ist allgemein bekannt, daß man deutscherseits mit den Fortschritten des Deutschthums, der Anhänglichkeit an das deutsche Reich in Elsaß-Lothringen sehr unzufrieden ist. Selbstverständlich sucht man nach allen Seiten, worin die Ursache dieser traurigen Erscheinung liege. Da muß man sich nun wirklich wundern,

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