Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. Seite 535

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227698--44655-3266947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5Z5 heraus; leicht ließ er sich finden und ward nicht nur ein Mittelpunkt für E. J.-Geld, er übernahm auch die Commission für E.J.-Erde, und obenbesagter Prospekt sollte derselben auf die Beine helfen. Herr Gutmacher war vermöge seines guten Willens, sowie in Folge seiner Neigung zur Geheimlehre, ganz der Mann, um das Beste zusammenzutragen, was zu Gunsten der E. J.-Erde sich finden ließ, und insofern ist sein Prospekt von besonderem Interesse in dieser Frage. Allein wie dürftig ist die Ausbeute! Wahrlich, sie wäre inhaltlich nicht des Niederschreibens werth, drohte von dieser Seite nicht die Ueberhandnahme des heidnischen Aberglaubens wie es von der entgegengesetzten Seite mit dem Judisferentismus geschah. — Nur zu Gunsten der goldenen Mittelstraße, der echten Religion, welche allein berufen ist, vor diesen beiden Extremen zu bewahren, unterziehe ich mich dieser unerquicklichen Wiedergabe nnd Besprechung des Inhalts jenes Blattes. Daß unser Stammvater Abraham, als seine Frau Sarah ihm zu dem in Palästina belegenen Chebron starb, daselbst sich nach einer Grabstätte umsah und sie auch fand; daß sein Enkel Jakob und dessen Sohn Joseph, welche in Egypten lebten, den Wunsch hegten, dereinst dem Familienbegräbniß einverleibt zu werden, giebt den Hauptgrund ab für die Sage, daß es gut ist, in Palästina begraben zu sein. Die Sage rechnet eben mit der Thatsache. Sie kümmert sich nicht um die Wahrscheinlichkeit, nach welcher, wäre Sarah, wie später Rachel, — wo anders gestorben, sie, gleich dieser, wo anders ihre Grabstätte gefunden hätte und ihre Nachkommen eben daselbst begraben zu sein gewünscht hätten. Genug, die Legende bemächtigte sich dieses Umstandes, und gestützt auf die in diesen Aufsätzen bereits erwähnten Berse, welche nicht entfernt die ihnen untergeschobene Bedeutung haben, — schwor sie darauf, daß es von Vortheil sei, in Erez Jisroel begraben zu sein. Betreffs der Beschaffenheit dieses Vortheils, erinnert sich hier so Mancher von uns des Raschi zu th (1. B. Mos. 47, 29.), welcher im Namen des Breschis Rabba darauf hinweist, daß Jakob darum gebeten habe, nicht in Egypten begraben zu werden, weil u. A. die außerhalb Palästina Beerdigten nicht anders wieder auferstehen zu neuem Leben, als daß sie vorher die Schmerzen erfahren, unterirdisch nach Palästina hingeschoben zu werden! — Von diesem eingebildeten Weh bis zu einem gleichfalls eingebildeten Heilmittel desselben, ist natürlich nur ein Schritt, und glücklich fand sich bald ein Jeruschalmitalmud und ein Tanchuma Midrasch, welche beide den außerhalb Palästinas Begrabenen ganz dieselben Vortheile zusicherten, wenn sie sich der E. J.-Erde bedienen. Es fand sich sogar ein Midrasch Telpijot, — Waffenburg — auf dessen 56stes Blatt zu lesen ist: Ich habe gehört, daß, legt man etwas E. J.-Erde auf die Augen, den Nabel und den Geschlechtstheil der Verstorbenen, ist es ganz dasselbe als wären die außerhalb Palästinas Begrabenen in Palästina selbst beerdigt. Auch streue man davon etwas in das Grab oder auf den Boden des Sarges und mische Einiges in des Erdkissen, wo ein solches üblich ist. So steht im Midrasch Telpijot! und dieses genügte, diesem Brauch, sogar in Joreh Deah Titel 363 Eingang zu gewinnen. Der Grätzer Rabbiner fährt fort: Im Jahre 617 (— 1857) gelang es mir Gottlob, nicht nur gewöhnliche jungfräuliche E. J.-Erde, welche auch diesem Zwecke genügt hätte, sondern Erde vom Begräbnisse auf dem Oelb erge, Har hasessim, zu erhalten, über welchen eine Tradition lautet, daß die dort Begrabenen, dereinst zu allererst der Auferstehung sich erfreuen werden. Und das Alles ist — handeln ist nicht — in einer Blechbüchse für Einen Thaler wenigstens zum Besten der Armen Palästinas oder des R, Meier baal Hannees zu erhalten! — (Wie viel eine solche Portion jetzt kosten mag?) Schließlich folgt das Gebet, welches gelegentlich der Benutzung der E. J.-Erde zu verrichten ist und die Erläuterung desselben, welche beide ich wiederzugeben unterlasse, weil deren mystischer Inhalt von dem für das Verständniß desselben nicht von Jugend auf talmudisch zurecht Gedrillten und kabalistisch empfänglich Gemachten ebenso wenig ausgenommen werden würde, als es unmöglich ist, einen krummen Degen in einer geraden Säbelscheide unterzubringen.*) Nachdem mit Vorstehendem Alles, was zu Gunsten der Benutzung der E. J.-Erde zu sagen, als erschöpft anzusehen ist, darf man wohl an unsere gebildeten und frommen Leiter und Führer des Volkes, das mit Recht sich rühmt, der Träger des Monotheismus zu sein, die Bitte richten, daß sie wenigstens bezüglich der in diesen Artikeln gerügten Dinge Gott geben, was Gottes ist, das Beste, worüber wir verfügen, unfern Verstand und unsere Einsicht, und nicht wie bisher ihr Licht unter den Scheffel stellen und unstatthaften Unfug 1) Als Curiosität und zugleich als Beleg für die Bonität der Zahlenwerthe, sei hier des Beiblattes zu obigem desselben Rabbiners erwähnt, welches gewissermaßen die Mitgliedskarte zweier Vereine zu nsu ~"y bildet, bereit jeder Männer und Flauen gegen Eintrittsgelder und jährliche Beiträge ansnimmt. Als Gegenleistung versprechen diese Vereine nach dem Ableben eines Mitgliedes, zu dessen Seelenheil Thora zu lernen und zwar zu nsiä, weil nach einem Jalkut diese Stadt ganz besonders hierfür geeignet ist. — Belegt wird diese Aufstellung mit dem Vers ypn spjri, von Iveilchem ypn gleichen Zahlenwerth mit nDä hat. Armer Jalkut! Du hattest sicherlich keine Ahnung, daß diese Gründer trotzdem sich voibehalten, nach Jerusalem überzusiedeln — und daß obige drei Worte (ohne nee, so wie Du citicst) gleichen Zahlenwerth mit .iTQDiyttys haben! — Corresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.