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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
Seite 524 (sequence 12)
Language
German
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524 mit Einschluß aller Seelen beläuft sich auf nur 10,909 Personen. Unlängst erst zählte Petersburg an ca. 38,000 Juden. Diese täglich wachsende Zahlverminderung bedarf keines Commentars! Moses Feinkind. Serbien. Belgrad, 3. August. (Privatmitth.) Die unruhigen Verhältnisse Serbiens haben dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Ristic als Bedürfniß nahe gelegt, Verfassungsänderungen vorzuschlagen. Er ernannte zu diesem Zwecke eine Commission von 16 Mitgliedern zur Vorberathung. Zehn Punkte sind es insonders, auf welche die Commission eingehen soll. In dem bisherigen Ustav oder der serbischen Verfassung sind die politischen Rechte der Staatsangehörigen sehr unbestimmt bezeichnet. Man will deßhalb neue sichernde Bestimmungen und Ausdrücke in die Berfassungsurkunde bringen. Hier ist das Moment enthalten, an welchem wir, die serbischen Juden, auf's Höchste interessirt sind. Was bisher über unsere politischen Rechte ausgesprochen worden, steht nicht in der Verfassung selbst, ist vielmehr nur Ministerialinterpretation, die daher völlig ungenau und jeden Tag anderer Auslegung ausgesetzt ist. Wir hoffen, daß die maßgebenden Kreise sich endlich entschließen werden, dem Geiste der Zeit gemäß alle Ausnahmegesetze früherer Zeiten zu beseitigen und dem Berliner Vertrage gemäß die Gleichberechtigung anzuerkennen. Die Sache liegt allerdings noch etwas weit im Felde, denn die Zerrissenheit der Parteien kann die in Aussicht genommene Verfassungsänderung leicht wieder in den Hintergrund drängen. Aber es ist doch nothwendig, daß wir den Gang der Dinge aufmerksam verfolgen, um rechtzeitig durch Vorstellungen nnd Petitionen einzuwirken. Der zweite Punkt betrifft die Schöpfung eines Senats, da man das Einkommensystem als der Ruhe des Staates gefährlich erkannt hat. Dies interessirt uns weniger; wir streben ja nicht nach irgend welchen besonderen Rechten, wir wollen nur an Allein Theil haben, was dem gesammten Volke zusteht. Rumänien. Botnschan, 7. August. (Privatmitth.) Noch ist dem großen Elend, welches unsere Stadt, und insbesondere die jüdischen Einwohner derselben durch die zerstörende Feuersbrunst betroffen, wenig gesteuert worden. Es sind zwar dem Central-Comite Unterstützungen zugeflossen, die sich auf etwa 500000 Frcs. belaufen. Aber die Mitglieder dieses Comitss geben wenig davon her und beabsichtigen vielmehr aus diesen Mitteln die Stadt wieder zu erbauen. Das wäre nun ganz gut, wenn nicht die Noth der Abgebrannten, die Verkümmerung der Familien zu groß wäre, und nicht nachdrücklichste unmittelbare Hilfe erheischte. Es war daher sehr i angemessen vom Baron v. Hirsch, daß er seine Unterstützung unmittelbar vertheilen ließ, wie wir in unserem Berichte (s. vor. Nr.) gemeldet haben. (Auch wir sandten den Betrag unserer kleinen Sammlung an das jüdische Specialcomitö. Redact.) Unser Blick richtet sich zunächst auf die kommende Jahreszeit mit großer Bangniß. Wenn erst der Herbst mit seinen Regengüssen und rauhen Winden eingetreten — was soll dann aus den Tausenden unserer Brüder werden, die schütz- und mittellos sind?! Mögen unsere europäischen Glaubensgenossen sich unsrer kräftiger annehmen, als es bis jetzt geschehen! — Die rumänische Regierung fährt unentwegt in ihrer Gehässigkeit gegen uns fort. Worauf sie gegenwärtig sinnt, ist Folgendes: Der Unterrichisminister hat zu seinem großen Aergerniß aus den Schullisten gewahrt, daß die Schulen, die höheren wie die niederen, der Zahl nach vielmehr von jüdischen Kindern als von christlichen besucht werden, und daß die ersteren durch Intelligenz und Fleiß vor den anderen hervorleuchten. Dies kann nicht länger geduldet werden, da es mit der Zeit kommen könnte, daß die Rumänen ihre Sprache von den Juden erlernen müßten, daß es an christlichen Lehrern fehlen könnte und man zu jüdischen seine Zuflucht nehmen müßte. Er hat bereits denjenigen Schulvorstehern, welche die jüdischen Kinder mit Billigkeit behandeln, Rügen ertheilt. Aber noch mehr. Dem Uebel, daß die Kinder der „Fremden" so vielen Unterricht genössen, soll dadurch abgeholfen werden, daß für die jüdischen Kinder ein sehr hohes Schulgeld gezahlt werden solle, was die Mehrzahl der Eltern aufzubringen nicht vermöchten. Auf diese Weise soll die jüdische Jugend vom Unterrichte ausgeschlossen und der Unwissenheit überlassen werden. In einem Punkte sehen wir diesen Vorgang als eine nicht unverdiente Strafe der rumänischen Juden an. Unter den Umständen, unter welchen sie leben, hätten sie wohl bedacht sein müssen, für ihre Kinder eigene Schulen zu errichten, wo diese zugleich vor den Mißhandlungen ihrer christlichen Kameraden geschützt seien. Dies unterließen sie aber, ja die Schulen, die schon in einer gewissen Blüthe standen, haben sie ohne Unterstützung gelassen und dadurch der Auflösung preisgegeben. Türkei. Constantinopel, 3. Aug. (Privatmitth.) Unter den verschiedenen in spaniolischer Sprache hier und in Smyrna erscheinenden jüdischen Journalen sind auch einige wie „ei National“, „el Sol“, ,1a buena Esperanca“, „el Telegraf“, welche dem Fortschritte huldigen und die Juden in der Türkei mit den neueren Erscheinungen der jüdischen Literatur in Deutschland und Frankreich bekannt machen. Während nun die Juden in Constantinopel und der intelligente Theil der Juden in Smyrna, Adrianöpel und Salonichi diese Journale immer freudig begrüßen, erblicken die Frommen darin

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