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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
Seite 522 (sequence 10)
Language
German
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522' gestellt, rücken insbesondere in den nämlichen Gehaltsclassen mit denselben auf. — Man kann sich denken, daß die ehrenvolle Anstellung des Herrn Dr. Mayer bei uns Israeliten große Freude erregt hat. Derselbe ist der Sohn des sehr geachteten israel. Cantors und Lehrers Mayer in Gießen. AuS Kurheffcn, 8. August. Wie der „K. Z." aus Marburg geschrieben wird, hat der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel vor Kurzem seine Stellung an der dortigen Universitätsbibliothek, an welcher er früher als Hilfsarbeiter thätig gewesen war, aufgegeben, um von jetzt ab seine ganze Zeit seinem Beruf (?!) als Abgeordneter, Redakteur und Agitator zu widmen. Er benutzt übrigens die stille Zeit zu zahlreichen Volksversammlungen und sieht seine Anhänger in bedeutendem Maaße wachsen. (Alles schon dagewesen und wieder vorübergegangen. Ein Fanatiker macht viele Narren.) O esterretch - Ungarn. Wien, 9. Aug. (Privatmitth.) Die Veröffentlichung eines vermeintlichen Gesetzentwurfes über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden in der „Oesterreichischen Wochenschrift" war nur ein Versuch, die sog. tobte Saison durch etwas Interessantes zu unterbrechen. Das konnte aber nur für eine sehr kurze Zeit gelingen, denn der veröffentlichte Entwurf ist nur ein Entwurf zu einem Entwürfe für einen späteren, vielleicht gar nicht erscheinenden Gesetzentwürfe, die Arbeit irgend eines Concipienten, die noch kein weiteres Stadium durchgemacht. Er verdient daher keine besondere Kritik. Ein Correspondeut kann sich in diesen Tagen, bei dem Mangel aller Geschehnisse, nur auf allgemeine Betrachtungen beschränken, und diese bieten sich allerdings im Kaiserstaate vielfach und nicht sehr erfreulich dar. Trotz des nun schon lange währenden parlamentarischen Wesens ist in unserem cisleithanischen Staate noch nichts fertig und Alles hat den Anschein des Provisorischen. Zahlreiche Vorfälle zeigen, daß die Machtsphäre der Staatsrcgierung noch ganz unbestimmt ist, den» wir erfreuen uns Verordnungen, die aufs tiefste in die Verhältnisse der Völker eingreifen und die demnach nur durch verfassungsmäßig zu Stande gekommene Gesetze erfließen sollten. Uni so weniger ist die Machtsphäre der Kammern und selbst im Einzelnen der Gerichte feststehend. Am wenigsten aber haben die Verhältnisse der Nationalitäten und der Cvnfessionen an sich unter einander irgend eine Festigkeit erlangt, und sie schwanken fortwährend nach den augenblicklichen Entschließungen der Regierung hin und her. Dies findet selbst für die Katholiken statt, für welche das Concordat abgeschafft, aber bestimmte Regelung noch nicht gefunden ist. Noch mehr für unsere Glaubensgenossenschaft, deren Gleichstellung zwar im Allgemeinen verfassungsmäßig feststeht, im Einzelnen jedoch oft genug in Frage gezogen wird, und deren Verhältnisse als Religionsgenossenschaft ganz unbestimmt sind. Glücklicher Weise hat hierin das Bestehende noch sein Gewicht, und wenn auf diese Weise der Staat auch nicht vorwärts kommt, die Gesetzgebung ins Stocken geräth, so braucht darum doch die Staatsmaschine ihren Dienst nicht zu versagen, weil sie eben so fortläuft, wie sie bis jetzt gelaufen. Frankreich. Paris, 8. August. (Privatmitth.) Jedermann weiß, daß die Franzosen sich durch die Urbanität und Feinheit ihrer Sprache, durch Eleganz und Geschmack des Ausdrucks, selbst da, wo sie kritisiren und tadeln tvollten, auszeichneten. Seit 1870 ist hierin eine sehr bemerkbare Wandelung vor sich gegangen. Die Leidenschaftlichkeit, die sich der ganzen Nation bemächtigt hat und welcher sich selbst die vernünftigen und besonnenen Geister nicht entziehen können, hat ihre Geschmacksrichtung durchaus verändert. Sie finden nur noch an Hetzartikeln, an Gehässigem und Extravagantem Gefallen und können in ihrer Ausdrucksweise nicht genug Bitterkeit und Grobheit finden. Dies kann man täglich nicht blos gegen andere Nationen, sondern auch untereinander in allen politischen und religiösen Fragen gewahren. Die Gegner auf diesen Gebieten behandeln sich auf's Gröblichste und die Folge davon sind u. A. ein Uebermaß von Duellen in Kreisen, die davon früher nichts gewußt. Einen solchen Ton schlagen denn auch fortwährend die antisemitischen Skribenten an und finden damit ein Publikum. Während in Deutschland sich das antisemitische Geschreibsel so gut wie verloren hat und keine Leser, besonders keine Käufer mehr findet, erscheinen hier noch fortwährend noch dünne und dicke Bücher gegen die Juden. Nirgends aber waren die Behauptungen und Angriffe so ungeheuerlich, so über alles Maaß hinaus, wie in diesen französischen Pamphleten. Sie scheuen vor keiner Verleumdung zurück, selbst wo das Gegenthcil geradezu auf der Hand liegt. Es kommt ihnen der Umstand zustatten, daß verhältnißmäßig die Zahl der französischen Juden so gering ist: es kommt fast auf 600 Franzosen nur ein Bekenner des Judenthums. Hierdurch ist der gehässigen Phantasterei ein großer Spielraum gewährt und die Wirklichkeit tritt der großen Mehrzahl der Leser nicht widerlegend entgegen. Man weiß, daß die Spanier, weil sie niemals einen Protestanten gesehen, sich diesen nicht anders als geschwänzt vorstellten, was ihnen einmal vom Klerus weis gemacht worden. So können diese französischen Antisemiten ihrem Publikum die Juden vormalen wie sie wollen; die Mehrzahl sieht, wenn sie um sich schauen, das Gegentheil, also die Wahrheit, nicht vor sich. Wenn man auch nicht zu fürchten braucht, daß dieses Gebühren irgend welche reale Folgen haben werde, so verbreitet sich dadurch doch ein lästiges

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