Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1887)
- Date
- 1887-08-18
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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520 Unter allen Friedhöfen machen die Judenfriedhöfe den ruhigsten Eindruck. Sie gewähren den Eindruck der Beständigkeit, während der daneben befindliche türkische Friedhof, trotz seiner bunten, glänzenden Farben, seiner Vergoldungen und der schönen Relief-Aufschriften der Marmortafeln, worauf sich die Türken so gut verstehen, den Charakter des Provisorischen trägt. Die Türken, auch die vornehmsten Herren, bezeichnen die Ruhestätten ihrer Todten mit sehr dünnen Marmorplättchen. Wohl setzen die großen Herren, wie zum Beispiel in jenem Friedhofe, welcher sich neben dem jüdischen befindet und wo, wie es scheint, nur höhere Militärs, Beamte und reiche Leute ruhen, ihren Todten doppelte Grabsteine, einen zu Häupten und den zweiten zu Füßen. Trotzdem aber sieht Alles aus, als ob es nur provisorisch da wäre und wenn wir es betrachten, denken wir unwillkürlich daran, daß der nächste Sturm alle diese Marmorplatten Umstürzen muß. Und Alles, was die Türken auf der Balkan-Halbinsel gebaut haben, macht den nämlichen Eindruck. Die holzrippigen Häuser, die auf Pfosten stehenden, sozusagen in der Luft schwebenden Paläste, all dies scheint sagen zu wollen, daß die Türken diese Erde, diese Länder in Wahrheit niemals als ihre Heimath betrachtet haben. Adolf Strauß. %ciKiAVl^W<XC Deutschland. Stuttgart, 3. August. (Privatmitth.) Heute fand im Hotel Degginger die jährliche Versammlung der israelitischen Lehrer und Vorsänger Württembergs statt, zu der sich 24 Kollegen einfanden. Nachdem der Vereinsvorstand, Oberlehrer Lip. Liebmann von hier, die Versammlung begrüßt hatte, erstattete der Kafsirer, Oberlehrer Stern von Eßlingen, den Jahresbericht. Der Verein zählt 55 ordentliche Mitglieder; Unterstützungen wurden gegeben 1800 M. in 8 Posten. Das Vereinsvermögen hat um 1317 M. zugenommen und beträgt jetzt 32083 M. Den Hauptgegenstand der Verhandlung bildete die vom Ausschuß beantragte Revision der Statuten, da die Zunahme des Vermögens eine Erweiterung der Vereinszwecke ermöglicht und wünschenswerth macht. Diese soll sich erstrecken auf: a. Unterstützung der Lehrer in Krankheitsfällen, oder bei Schmälerung ihres Einkommens, besonders im Pensionszustand; b. Unterstützung der Kinder von Lehrern für weitere Fortbildung; c. Unterstützung von Lehramtskandidaten bei besonderer Fortbildung; d. Beiträge behufs Besuch der Konferenz; e. Errichtung einer Vereinsbibliothek; f. Förderung von wissenschaftlichen Vorträgen. Diese Vorschläge fanden bei den verschiedenen Rednern geringe Unterstützung, ebenso der Vorschlag auf Abänderung des Statuts betreffs der Aufnahmefähigkeit. Schließlich wurde der Ausschuß beauftragt, der nächsten Versammlung den Entwurf einer Statutenänderung vorzulegen. Nun folgte die Ausschußwahl. Der bisherige Vorstand, Oberlehrer a. D. Liebmann von hier, der gestern seinen 83. Geburtstag gefeiert hat, lehnte eine Wiederwahl wegen hohen Alters ab, ebenso Oberlehrer a. D. Elsäßer, als Schriftführer. Beide werden zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt und als Ausschußmitglieder wurden gewählt: Stern-Eßlingen (Vorstand), Mezger-Canstatt (Kassirer), Schmal-Ludwigsburg (Schriftführer), Eichberg-Stuttgart, Frank - Weikersheim, Hähnlein- Hall, Straßburger-Buchau. Damit schloß die Versammlung und es fand nun die Jubiläumsfeier des 25jährigen Bestandes des israelitischen Lehrer-Unterstützungs-Vereins statt, wozu sich Mitglieder der königl. israelitischen Oberkirchenbehörde (Oberregierungsrath von Finkh und Kirchenrath Dr. v. Wassermann) und des israelitischen Kirchenvorsteheramts hier (Rabb. Dr. Stößel und Banquieur Sontheimer), sowie der durch seine philanthropische Thätigkeit verdiente Vorstand des israel. Waisenhauses, Herr M. H. Goldschmidt einfanden. Ein Männerquartett eröffnete die erhebende Feier mit einem Choral. Liebmann hielt hierauf eine längere Festrede, in welcher er die Entwickelung der jüdischen Verhältnisse und der israelitischen Schule Württembergs schilderte und auf die ungünstigen Verhältnisse der israelitischen Lehrer hinwies, welche nach dem Vorgänge der evangelischen Lehrer die Errichtung eines Unterstützungs-Verreins nothwendig machten, der am 2. Juni 1862 von 8 Lehrern (Liebenau- Eßlingen, Elsäßer-Brugheim, Weil-Kechendorf, Stern-Freudenthal, Löwenstein-Pflaumloch, Mainhardt-Gechberg, Hillberth- Niederstetten, Kahn-Ludwigsburg) gegründet wurde. Der Verein fand, sowohl durch die königl. israelit. Oberkirchenbehörde, als auch durch die israel. Kirchen Vorsteherämter kräftige Unterstützung und hat seit seinem Bestände 18000 M.! Unterstützungen vertheilt.