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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. Seite 517

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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V 517 durch Provinzialsynoden vorbereitet, mehr Kraft und Dauer» Hastigkeit gehabt. >) Salonichi, im Juli 1887. Die Luden in Salonichi. Der P. Ll. enthält eine Schilderung der Juden in Salonichi, dieser türkischen Hafen- und Handelsstadt, in welcher, wie man gewöhnlich angiebt, ca. 30,000 Juden wohnen. Wir haben vor einiger Zeit eine Mittheilung über die jüdischen Schiffer von Salonichi gebracht, welche insonders die Ueberführung der Passagiere und Güter von den Seeschiffen nach der Rhede und dem Hafen und umgekehrt ausführen. In Verbindung mit dieser giebt die nachfolgende Schilderung viele interessante Momente, welche den über die Juden in Europa verbreiteten Vorurtheilen hinsichtlich der Arbeitstüchtigkeit und des Arbeitswillens der Juden entgegentreten. Es wird hier erwiesen, daß, wo den Juden seit längerer Zeit der gewerbliche Spielraum völlig frei gegeben ist, sie auch alle Gewerbe, auch die schwersten, betreiben. Zugleich lernen die mittel- und westeuropäischen Juden daraus, daß nicht sie allein Juden sind, sondern ein großer Theil unseres Stammes andere Erscheinungen bietet, nicht daß sie besondere Secten bilden, wohl aber in ihrem Bildungsstande, ihren Sitten und Gewohnheiten, in ihrer ganzen Physiognomie mannigfaltige Formen bieten. Aus diesen Gründen geben wir diese Schilderung an dieser Stelle. Salonichi ist eine jüdische Stadt; der überwiegende Theil der Bevölkerung besteht aus Juden. Doch zeigen diese einen 1) In eiuer Anmerkunng gestatten wir uns, einiges Persönliche anzufügen. Die Ursache, daß ich der zweiten Synode nicht beiwohnte, lag einfach, wie ich es damals auch bekundete, in meiner Unpäßlichkeit und Augenschwäche. Daß ich von dem Resultat der ersten Synode, ihrem Umfange und ihren Verhandlungen nach, nicht sehr befriedigt war, hätte mich nicht abgehalten, mich auch an der zweiten zu betheiligen. Aber mein Gesundheitszustand war zu sehr erschüttert, und dazu kam, daß Augsburg mir völlig fremd war, so daß ich mich daselbst ohne besondere Hille nicht hätte irgendwie betvegen können, was in Berlin und Leipzig nicht der Fall war. Meine beiden Schwiegersöhne konnten aber nicht nach Augsburg kommen, weil der eine unbedingt Karlsbad besuchen, der andere sein Amt in Pest antreten und den Umzug aus der Schweiz bewirken mußte. Ich weiß, daß man das Ausbleiben derselben mir zur Last legte. Allein warum denn der Bruder und der Schwager des Professor Lazarus, der Rabbiner vr. Lazarus und der Prof. vr. Steinthal, nicht zur ersten und nicht zur zweiten Synode gekommen? Man kann eben nur für sich selbst einstehen. Herr Pros. Lazarus richtete später zwei Mal die Frage an mich, ob ich nicht zur Berufung der dritten Synode die Hand bieten wollte. Ich bemerkte ihm, daß ich nach dem Tode jener Männer, welche hauptsächlich den Synodalgedanken getragen und bei der Richtung der meisten jetzigen Rabbiner, so wie bei der Zurückhaltung der Gemeinden, die Aufforderung keinen Erfolg verspräche. Außerdem würde ich fordern, daß vorher eine Versammlung einiger Rabbiner stattfinden müsse, uni sich über die Tagesordnung zu verständigen, damit es nicht wieder dem Zusalle überlassen bleibe und den Einfällen Einzelner, womit sich die Synode zu beschäftigen habe. Hierauf erhielt ich zur Zeit keine Antwort. ganz anderen Charakter und haben ganz andere Sitten und Lebensgewohnheiten, als die in Europa allgemein bekannten Juden. Die Ursachen, weshalb die spanischen Juden in Salonichi und in der Umgebung dieser Stadt sich so massenhaft niedergelassen, weshalb sie da eine dichte Colonie gebildet haben, diese Ursachen werden sich erst ergründen lassen, wenn die Documente durchforscht sein werden, welche die gelehrten spanischen Juden jener Zeit hinterlassen haben. Unter den hiesigen Juden giebt es — dies läßt sich sofort feststellen — nicht einen einzigen, der Deutsch verstünde. Sie haben eine ganz außerordentliche Neigung, fremde Sprachen zu erlernen. Ein spanischer Jude spricht mindestens drei Sprachen. Doch giebt es unter ihnen Tausende, die 5 bis 6 Sprachen verstehen. Wenn sie unter sich sind, in ihren kirchlichen Gebräuchen, im Handel, in allen Beziehungen des Familienlebens gebrauchen sie die spanische Sprache. Außerdem sprechen sie Türkisch, Italienisch, Griechisch, Bulgarisch, Französisch. Die Lastträger im Hafen sprechen überdies auch Englisch. Diejenigen, die dem großen Verein „Schulchan Hazibur" angehören, verstehen und sprechen außerdem noch Hebräisch. Die Letzteren sind auf der Straße an ihren bunten Turbans von gepreßtem Filzstoffe zu erkennen. Die spanischen Juden in Salonichi gehören zu den schönsten Männern des Erdballs. Es sind kräftige, hochgewachsene, starkknochige, schöne Gestalten mit einem vornehmen Aussehen, die besonders auffallen, wenn sie an Festtagen — Sommer und Winter gleichmäßig — in ihren langen Pelzkaftans spazieren gehen, mit ihren prächtigen langen Bärten, reichgeschmückten Turbans und türkischen Pluderhosen. In allen jenen Balkanländern, wo die Türkenherrschaft ein Ende genommen, wo alle an diese Herrschaft gemahnenden charakteristischen Züge abgestreift wurden, wo die Frauen die türkischen Beinkleider durch moderne Roben von französischem Zuschnitt ersetzt und die Männer Fez und Turban gegen Hüte und Mützen vertauscht haben, wo man kaum mehr Einzelne findet, die noch Türkisch verstehen: ist der spanische Jude Derjenige, der sich noch an die alte Lebensweise klammert und gut Türkisch spricht; ihre Frauen haben vollends die frühere Tracht beibehalten, als ob nichts geschehen wäre, als ob das alte Türkenregime noch immer aufrechtstände. Dieses starre Festhalten an den althergewvhnten Gebräuchen erklärt sich aus den conservativen Neigungen der Juden. Nur so ist es begreiflich, daß diese Menschen noch heute, nachdem sie seit Jahrhunderten die Heimath verlassen, Spanisch reden, obgleich Spanien sie grausam vertrieben, vaterlandslos gemacht hat. Wenn sie auf der Straße einherwandeln, glaubt man die patriarchalischen Gestalten des alten Testaments zu sehen. Sie haben ein vornehmes, würdevolles Auftreten, selbst wenn

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