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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. Seite 514

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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514 in Bärenfell gekleidet, mit einer Kapuze aus gleichem Fell über den Kopf, ans welcher ein einfältiges Gesicht herausgrinste. Sie trat an das Bett, zupfte zum Gruße den Schläfer an der Nase und sagte: „Brüderchen, wir sind Eins, mich dürstet und hungert nach Thron, erlaube mir, daß ich den Thran Deiner Lampe trinke, denn wenn ich mich sättige, wirst Du doch auch satt." Sagt es und geht zur Lampe und schüttet das Petroleum aus und trinkt es. „Dein Thran ist scharf, aber das thut Wohl." Die Gestalt war verschwunden. — Gleich darauf öffnete sich eine andere Thüre, und herein schlich ein verkommener Mensch mit einem Gesicht, das dem Galgen entflohen schien, ein scharfes gezücktes Messer in der Hand. Er ging stracks auf den großen Schrank zu, öffnete ihn mit einem Dietrich, erbrach die Caffette, holte die Goldrollen und Banknoten heraus und stopfte sie in seine Taschen. Der Philosoph machte eine Bewegung, als ob er den Schlaf von sich schütteln wollte; da sprach der Raubmörder: „Halte Dich ruhig, Bruder, wir sind Eins, und da gehört mir, was Dir gehört. Widersetzest Du dich, so mache ich auch diesen Stahl Eins mit Dir, indem ich ihn Dir ins Herz stoße!" Damit verließ er das Zimmer. — Doch nicht lange, und herein stürzte aus einem Nebengemach ein Tiger mit blutrothen Augen und fletschendem Gebiß. Merkwürdiger Weise konnte der Tiger sprechen, und indem er sich zum Sprunge anschickte, rief er aus: „Mensch, wir sind Eins, und es ist ganz gleich, ob Dein Fleisch an meinem Gebein hängt oder an Deinem nnd Dein Blut in meinen Adern rollt! Doch in demselben Augenblicke fuhr ein Blitz und eine Kugel durch das offene Fenster und der Tiger fiel röchelnd zur Erde. — Durch das offene Fenster blickte der Vollmond von dem lichtblauen Himmel. Plötzlich hörte der Philosoph ein Wimmern und Blöken. Das konnte nur von dem Lämmchen kommen, das er vor einigen Tagen für sein Töchterchen zum Spielen gekauft. Und siehe, ein Lämmergeier war auf das Lämmchen herabgestoßen, hatte es mit seinen Klanen gefaßt und trug es in die Höhe: „Sei ruhig, Lämmchen, hörte er den Geier sprechen, ich trage Dich zu meinem Horst, wo meine Jungen, schöne Jungen, ihre Klauen und Schnäbel an Dir wetzen werden. Was thut's? wir sind ja Eins, es geht schnell vorüber und kommt nicht wieder. Wir sind Eins und so freue Dich, daß Du zu so prächtigem Vogel wirst." — Nur kurze Ruhe war unserem Philosophen vergönnt. Er sah sich auf stürmischem Meere in einem Boote. Das Boot kenterte; er fiel ins Wasser und suchte sich durch Schwimmen zu retten. Da fuhr ein Haifisch heran mit tveit anfgesperrtem Rachen und furchtbarem Gebiß. Aber in demselben Augenblicke gewahrte das Ungeheuer einen feisten Seehund. Es fuhr auf diesen los, verschlang ihn und zermalmte ihn mit seinen Zähnen. Vor dem mageren Philosophen glitt es vorüber. Er aber gcrieth in ein weites Wasserfcld von Quallen. Die Berührung mit dem kaltfeuchten Gethier durchschauerte ihn. Aber die Quallen sagten: „Wir sind doch Eins mit Dir, Mensch, was zerreißest und zerfetzest Du uns? Leg' Dich an unseren Rand, dann bist Du Qualle wie wir." Da erwachte der Philosoph, von kaltem Schweiß übergossen. Das war wohl die Berührung mit den Quallen. Seine Lampe brannte noch; er blickte auf den Schrank und der war unberührt; auf den Boden und von dem verendenden Tiger keine Spur. Ich habe geträumt, sprach er und athmete tief. Hörte er doch auch aus dem Stalle das Blöken des Lämmleins. Er richtete sich auf und stützte den Kops in seine Hand. Gedanken und Wahrheit, sagte er zu sich selbst, sind auch im Traume. Es giebt zu denken, was ich geschaut. Nein, ich möchte nicht Eins sein mit dem Geizhals zu meiner Rechten, mit dem lüderlichen Burschen zu meiner Linken und mit dem Einfaltspinsel mir gegenüber, viel weniger mit dem Eskimo und dem Räuber, noch weniger mit dem Raubgethier und den Quallen. Es findet hier doch eine tief einschneidende Verschiedenheit statt. Dies Alles ist conkret, und wir müssen dem Conkreten in allen seinen Bereichen, Gattungen, Species, ja in jedem Individuum sein eigenartiges Dasein zusprechen. Das allgemeine Sein ist in allen Wesen, aber in jedem Einzelwesen, in jedem conkreten Ding ist es in der mannigfaltigsten Weise verschieden. Diese verschiedene Eigenart macht das Wesen dieses besonderen Seins aus. Da wird denn das allgemeine Sein recht fadenscheinig. Und wie? Steuern wir da nicht auf den Ausspruch Moses, zurück: Ich bin der Allseiende, das Allsein, und aus mir habe ich alles besondere Sein in seiner unendlichen Mannigfaltigkeit geschaffen, oder wie wir Philosophen sagen, emanirt — und so wird der conkrete Monismus doch nur wieder Monotheismus! Ich muß mir dies überlegen und werde weiter darüber Nachdenken. Hiermit senkte sich sein gedankenschwerer Kopf auf das Kissen zurück; er entschlief abermals und dies Mal ruhig und traumlos. Es war, wie wenn mit dem letzten Gedanken Ruhe und Sicherheit über ihn gekommen. Die Synode, n. In der That ist cs auffällig, daß nach zwei Versammlungen (1869 und 1871) die Synode keine Fortsetzung erlangte, während die Rabbinervcrsammlungen bis in die Gegenwart immer von Neuem sich wiederholen. Es bedarf dies einer Erklärung. Wir haben an die beiden Synoden, so wenig wir auch mit dem Gedanken derselben übereinstimmten, niemals den kritischen Maßstab angelegt, und zwar nach unsrem Grundsatz, keine jüdische Institution, die nicht

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