Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- Seite 510 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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510 muß der Zukunft überlassen bleiben. Die Ausbildung im Spielen eines Instrumentes sei bis zu dem Grade zu bringen, daß der ins Amt tretende Lehrer ein Lied zu spielen und ein Stück Chasonus einzuüben im Stande sei. Am Seminar zu Hannover seien sogar die Ziele höher geschraubt worden, indem die Seminaristen auch in Theorie unterrichtet werden. Levy-Norden giebt seiner Freude Ausdruck, daß ein Fortschritt auf dem Gebiete des Musikunterrichtes bemerkbar sei. Er verlangt sodann, um die Seminaristen auch in der Homiletik auszubilden, die Einführung eines 4jährigen Cursus. Dem entgegnet Herr Dr. Kroner, daß zur Einführung eines 4jährigen Cursus einerseits die Genehmigung des Ministers erforderlich sei, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erlheilt werden würde, andererseits sei aber zur Ausbildung in der Homiletik ein 4 jähriger Cursus nicht einmal ausreichend. Ferner entgegnet Herr Director Dr. Kroner auf eine Anfrage über die Ausbildung im „Leinen", daß auch in dieser Beziehung im Hannoverschen Seminar genügend gesorgt sei. Als Resultat werden folgende von den Herren Director Di. Kroner und Levy-Norden vorgeschlagene Thesen angenommen: I. Es ist nothwendig, daß auf den jüdischen Lehrerbildungsanstalten ein solcher Unterricht in der Musik und Harmonielehre ertheilt werde, als es zur ordnungsmäßigen Ertheilung des Gesangunterrichts in der Volksschule, zum musikalisch richtigen und wohlgefälligen cantoralen Bortrage und zur Pflege mindestens eines einstimmigen Chor- resp. Gemeindegesanges beim Gottesdienste erforderlich ist. II. Es ist nothwendig, daß der Chasonusunterricht an den jüdischen Seminaren auf Grund eines cantoralen Werkes in dem Umfange und in der Methode ertheilt werde, daß die Schüler der Anstalt für alle einzelnen Aufgaben des Chasonus ausreichend vorbereitet werden und eine selbstständige Fortbildung ihnen ermöglicht wird. Nach Eröffnung der zweiten Sitzung erhält Eckmann- Nienburg das Wort zu seinem Bortrage: „Die Confirmation". Nach lebhaft geführter Debatte erklärt sich die Versammlung für incompetent in dieser Frage, als nicht in ihr Gebiet gehörend, zu enscheiden, in Folge dessen der Referent die aufgestellten Thesen zurückzieht. Hierauf werden noch die von Levy-Norden gestellten Anträge, betreffend Absendung einer Petition an den deutschisraelitischen Gemeindebund, 1) um Gründung einer Central* bibliothek nach Art der Comeniusstiftung in Leipzig, 2) um Unterstützung einer jüdischen Lehrerzeitschrift und 3) um Sub ° ventionirung größerer jüdischer Werke, in der Weise, daß mit den Berlagsbuchhändlern ein Abkommen getroffen werde, wodurch die Beamten der Bundesgemeinden die Werke zu ermäßigten Preisen erhalten sollen, erledigt. Den zweiten Antrag zieht der Antragsteller zurück, nachdem sich herausgestellt hat, daß kein Bedürfniß hierzu vorliege, indem fast alle jüdischen Zeitschrften pädagogische Beilagen bringen. Den ersten Antrag hält Dr. David-Hannover für gegenstandlos, da einerseits der deutsch-israelitische Gemeindebund wohl nicht zur Errichtung einer größeren Bibliothek die Mittel habe, andererseits bestehe aber in Hannover eine Gemeindebibliothek, die ca. 2500 Bände umfasse und die den Lehrern wohl zur Verfügung gestellt werden dürfte. Ebenso erklärt sich Herr Dr. Kroner bereit, aus der Seminarbibliothek Bücher zu verleihen. Es wird daher folgender von Dr. David gestellter Antrag angenommen: Die Versammlung beschließt, an die Commission der Gemeindebibliothek und an die Berwaltungscommission des Seminars zu Hannover durch eine Petition zu beantragen, den Mitgliedern des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover die Bibliotheken zugänglich zu mache«. Der dritte Antrag, die Petition um Subvention größerer jüdischer Werke betreffend, wird angenommen. Nachdem die Versammlung durch Erheben von den Sitzen dem deutsch-israelitischen Gemeindebunde für den gewährten Zuschuß zu den Reisekosten, dem Vorstände des Vereins für die Leitung, dem Vorstande der Gemeinde Hannover für die Einräumung des Locals ihren Dank abgestattet hat, schließt der Vorsitzende Abenvs 7 Uhr die Sitzung. Hermann Katz-Hannover, Schriftführer. Eine Audienz bei dem Könige von Italien. Dr. med. Gregory d'Arbella (Israelit), der Leibarzt des Sultans von Zanzibar, hat von diesem eine Mission an den König von Italien erhalten, und hat nun über dieselbe folgendes Schreiben an die Redaction der Arch. isr. gerichtet: S. M. der Sultan von Zanzibar, bei dem ich seit beinah acht Jahren Leibarzt bin, wünschte mit S. M. dem Könige von Italien freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen und beehrte mich nach Abschluß des Vortrages zwischen den beiden betreffenden Mächten mit dem Aufträge dieser Mission. Mit einem eigenhändigen, in arabischer Sprache verfaßten Briefe ausgestattet, übergab ich diesen Brief dem Könige von Italien. Da S. Majestät Arabisch nicht versteht und da es sehr schwierig war, einen Dolmetscher zu finden, so ersuchte mich der König, ihn ihm zu übersetzen, was ich sofort that. Nach dem Vorlesen dieses Briefes unterhielt sich der König mit mir über die Colonisation in Afrika, diese großartige Idee, welche alle großen civilisirten Nationen dazu treibt, Ländereien wie im Wettkampf zu erwerben, obwohl das Klima den Weißen so verderblich ist.