Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- Seite 509 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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509 der französischen Sprache; auch war er des Englischen soweit mächtig» daß es ihm nicht schwer fiel, dem englischen Bischof einen englischen Brief zu schreiben. Hätte Neubauer den von ihm aufgefundenen Brief genauer angesehen, so würde er ihn gewiß nicht Mendelssohn beigelegt haben; der Brief ist nichts als eine Uebersetzung, welche Woide oder sonst Jemand als Stylübung angefertigt hat. Grätz behauptet auch, daß seit der Säcularfeier des Todes des jüdischen Philosophen von Berlin der Briefwechsel von, an und über Mendelssohn bereichert worden wäre, er ist mit dieser Behauptung so wenig ernst zu nehmen, wie mit seinem barocken Urtheile über Mendelssohn's Vernachlässigung des hebräischen Styls. Kayserling. I e u i L L e 1 o n. Corresponden;. Hannover, Ende Juli. Bericht ii-rr die Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover vom 6. Juni 1887. Anwesend 32 Mitglieder, sowie Herr Seminardirector vr. Krön er. Nach Beendigung der vorangegangenen Generalversammlung der Lehrer-Wittwen- und Waisencasse, eröffnete der Vorsitzende, Lehrer Fauerbach-Hildesheim, unter üblicher Begrüßung die Versammlung. Hieran schloß sich die programmmäßige Berichterstattung des Vorsitzenden und zwar zunächst dahin, daß der deutschisraelitische Gemeindebund wiederum zu den Kosten der Versammlung einen Zuschuß von 100 M. in bereitwilligster Weise gewährt und die Versammlung dadurch zum größten Danke verpflichtet habe. Sodann referirte er, daß die in! der vorjährigen Conferenz gewählte Commission behufs einer an die Herren Landrabbiner der Provinz einzureichenden Eingabe um Herbeiführung einer genauen Interpretation des Z 56 der Schulordnung vom Jahre 1854, die Anstellung der Lehrer betreffend, ihres Auftrages sich entledigt habe und ihm von den Herren Landrabbinern die Antwort geworden sei, daß es zur Zeit nicht angezeigt erscheine, dem Gesuche nachzukommen, da der Minister infolge der Beschwerde eines einzelnen Lehrers damit umgehe, eine Abänderung des erwähnten Pararagraphen vorzunehmen. Er habe daher nach eiugezogener nährer Erkundigung hierüber Veranlassung genommen, in Gemeinschaft mit den übrigen Mitgliedern des Vereinsvorstandes und unter Zuziehung des Herrn Directors vr. Kroner bei der Berathung darüber, eine Petition an das Königliche Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten zu richten, in welcher die Schwierigkeiten, die dem Lehrer bei Erlangung der definitiven Anstellung auf Grund des genannten Paragraphen oft gemacht würden, genau geschildert und die Wünsche der Lehrer für Abänderung desselben Ausdruck fanden. Es stehe daher zu hoffen, daß die Angelegenheit, welche schon so oft die Versammlung beschäftigt habe, zu einem günstigen Resultate für die Lehrer führen würde. Hierauf erhält Lehrer Spanier-Hannov. Münden das Wort zu seiner Vortrage: „In wie weit sind die Zöglinge in den jüdischen Lehrerbildungsanstalten in der Musik und im Chasonus zu unterrichten?" Von dem Werthe der Kenntnisse des synagogalen Gesanges für den Lehrer ausgehend, stellt der Referent die Forderungen für die Ausbildung der Seminaristen speciell im Cantorat und der Musik im allgemeinen. Der Zögling ist außer mit den traditionellen Melodieen auch mit den „Minhagim" bekannt zu machen. Als Grundlage für den Unterricht werde ein Melodieenbuch benutzt. Der Unterricht gehe von den Freitagabendgesängen aus und schließe daran die übrigen Sabbathgebete, von denen besonders das Minchagebet seiner Schwierigkeit wegen besondere Aufmerksamkeit erfordert, hierauf die Festgebete, bei denen man sich von Unterlegung von Opernmelodieen fernhalten soll. Neben der Ausbildung im synagogalen Gesänge ist aber dem Vorlesen der Thora besondere Beachtung zu schenken. Zur Beantwortung der zweiten Frage übergehend, verlangt der Referent von dem ins Amt tretenden Lehrer: 1) gründliche Notenkenntniß, 2) die Fähigkeit, auf der Geige ein Schullied oder einen Choral rein und fehlerfrei spielen zu können und 3) die Elementarwissenschaft der Harmonielehre. Referent hatte keine Thesen ausgestellt. In der lebhaft geführten Debatte verlangt Levy-Norden, daß im Musikunterricht das Ziel, das die „Allg. Best." aufstellen, auch in jüdischen Seminaren erstrebt werden solle. Herr Direktor vr. Kroner Hannover hält diese Forderung allerdings für angebracht. Aus dem Umstande aber, daß in jüdischen Seminaren auch das Hebräische einen großen Theil der Zeit in Anspruch nehme, gehe hervor, daß man nicht auf allen Seiten gleiche Ziele verfolgen könne. Die Versammlung müsse sich daher begnügen, nur die Forderung auszusprechen, daß überhaupt Musikunterricht getrieben werde. Die Masse