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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
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492 trat, eine Versammlung von Delegirten jüdischer Gemeinden nach Berlin zu berufen, denen wir eine Reihe von Vorschlägen zu gemeinsamer Thätigkeit gegen den Antisemitismus unterbreiten wollten, und baten zum Locale die „Gesellschaft der Freunde", der wir seit 1839 angehören, um ihren Saal. Aber die Herren Berliner wollten nichts hiervon wissen; sie telegraphirten nach allen Gegenden, daß Niemand kommen solle, und versagten uns das Local. Dadurch war die Sache gescheitert. Dies sind Thatsachen, und Lazarus hätte dieselben widerlegen sollen. Statt dessen wirft er uns Eitelkeit, Thorheit vor, nennt uns einen alten Mann — nun, das letztere sind wir mit Ehren, Lazarus ist auch nicht mehr weit davon, und es giebt Männer, die sehr früh altern und dann solche, von welchen der Psalmist sagt, daß sie noch „frisch belaubt" seien. Er meint, die Berliner hätten uns vor einer „Blamage" geschützt. Glücklicher Weise können wir auf viele Unternehmungen Hinweisen, bei welchen wir uns niemals blamirt haben; das konnte Herr Lazarus doch auch bei der ersten Synode und bei der Einweihung der Berliner Hochschule beobachten. Nein, Herr Lazarus, mit diesem knabenhaften Geifer haben Sie sich nur selbst blamirt und erwiesen, daß Rachsucht und Eitelkeit Eigenschaften sind, deren Sie sich nicht entkleiden können. Es ist eine gewöhnliche Erscheinung, daß man das Thun anderer Menschen aus seinem eigenen Seelenzustande heraus beurtheilt und ihnen Eigenschaften andichtet, die man selbst in reichem Maße besitzt. Doch genug, entfernen wir uns aus dieser ungesunden Atmosphäre. — I; euilteton. Äns den Studienjahren 1829 dis Ende 1832 in Berlin, v. Ich kann diese Erinnerungen aus meinen glücklichen Studienjahren nicht verlassen, ohne der verehrten Lehrer etwas näher zu gedenken, zu deren Füßen ich gesessen und die einen bildenden Einfluß auf mich geübt. Sie alle deckt längst der Rasen, einige derselben verschieden sogar bald nachdem ich die Universität verlassen, wie Hegel, Gans, Schleiermacher. Ich werde nur derer gedenken, bei welchen ich mit einer gewissen Ausdauer zu hören mich veranlaßt fühlte. Es ist eine tiefe Wehmuth, welche mich beschleicht, indem mir die verehrten Gestalten vor die Seele treten. Wie viel Wissen, Talent und Geist wandelt über diese Erde und verschwindet wieder mit ihren Trägern, die sie mit so vieler Mühwaltung erwerben und mit so großer Begabung bethätigten! dennoch aber tröstet der Gedanke, daß keine geistige Wirksamkeit jemals verloren geht, sondern auf die kommenden Geschlechter sich verpflanzt, und daß die wahren und bedeutenden Verdienste im Gedächtniß der Menschen verbleiben und noch in späten Zeiten ihre Würdigung finden. An der Berliner Universität, die von ca. 1800 Studirenden besucht ward, war auch damals ein Verein bedeutender und genialer Männer der Wissenschaft thätig, namentlich in der Philologie und Philosophie, während die Naturwissenschaften noch zurückstanden. Auch die Künste waren im Ganzen noch schwach vertreten. Außer der Akademie der Künste und der Singakademie gab es keine anderen Gestalten, und vom Kunstgewerbe hatte man noch keine Ahnung. Die einzige Sammlung für die bildenden Künste war das Museum im Lustgarten, das herrliche Gebäude von Schinkel, in dessen unteren Räumen die antiken Bildwerke, in den oberen die Gemälde ihren Platz hatten. Die schon damals beträchtliche Sammlung egyptischer Alterthümer im Monbijou-Schloß war wenig besucht und bekannt, für mich ein besonderer Gegenstand der Studien. Wie ist dies Alles seitdem angewachsen! Doch komme ich zu meinen Lehrern. Tie erste Stelle unter ihnen nahm für mich August Böckh ein, ein Mann von untersetzter Gestalt, mit einem Antlitz, das noch mehr Menschenfreundlichkeit und Humanität als Geist und Gelehrsamkeit ausdrückte, einfach, ungekünstelt, ganz und gar sympathisch. Wenn man in sein stets sehr gefülltes Auditorium trat und den Mann auf seinem Lehrstuhle sitzen sah, und in der ruhigsten, gleichmäßigsten Weise die geistreichen Bemerkungen tiefdurchdachter Urtheile und Schilderungen aus seinem Munde vernahm, so kam es Einem zuerst vor, als ob diese letzteren gar nicht von ihm herrührten, sondern Citate von Anderen wären. Aber bald ward man vom Gegentheil überzeugt, und desto mehr wuchs die Bewunderung und die Anhänglichkeit. Niemand war geeigneter, den bildenden Geist aus der klassischen, besonders der hellenischen Literatur auf die Jugend zu übertragen. Dabei hielt sich Böckh in seinen Vorlesungen von aller Polemik fern, so sehr er auch sonst in wissenschaftliche Streitigkeiten verwickelt war, wie z. B. mit Gottfried Herrmann in Leipzig. Niemals hörte man von ihm ein wegwerfendes Urtheil über einen Fachgenossen. Damals standen in Berlin die Professoren den Studenten gegenüber kühl und vornehm, die Atmosphäre der Großstadt bewirkte dies wohl. Böckh empfing Jeden mit der größten Freundlichkeit und erfüllte gern die an ihn gestellten Gesuche, wenn cs ihm möglich war. Ganz und gar antipathisch hingegen war Karl

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