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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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490 Großbritannien. London, im Juli. Außer dem Verluste, welchen das englische Judenthum durch den Tod des Herrn Lionel Louis Cohen erlitten, erfuhr es noch einen anderen durch das Hinscheiden eines ausgezeichneten Glaubensgenossen, des Sir Narrow Herbert Ellis, K. C. S. I., der einen thätigen Antheil an allen Gemeinde- und religiösen Angelegenheiten nahm und sich in aufopfernder Weise seinem Baterlande wie seinen Glaubensgenossen widmete. Sir Narrow wurde am 24. Januar 1823 geboren. Er erhielt seine Ausbildung für den indischen Civildienst in der Haileybury-Schule und ging von dort nach Indien, wo er sich so auszeichnete, daß er Mitglied des Rathes von Bombay wurde. Bei seiner Rückkehr in die Heimath wurde er zum Commandeur des Ordens vom „Indischen Stern" (K. C. S. I.) und zum Mitglied des indischen Raths ernannt. Seine Bemühungen für die englisch-jüdische Gemeinde erweisen sich dadurch, daß er Vice präsident der Bereinigten Synagoge, Vorsteher des jüdischen Schulraths. Präsident des jüdischen Taubstummen-Jnstituts, einer der Schatzmeister der New-, West- und London-Synagoge und eine Zeit lang Vorsteher dieser Synagoge war. Sir Narrow ermüdete niemals für edle Zwecke zu arbeiten und erwies nach jeder Hinsicht eine Aufrichtigkeit und Unermüdlichkeit. welche die Achtung Aller ihm erwarb. Sein Verlust ist ein schwerer, den unsere englischen Brüder tief zu beklagen haben. Der Verstorbene war unverheirathet, aber hinterläßt Verwandte. Bonn, 31. Juli. (Notizen.) Aus Warschau wird telegraphirt: Ein Wahnsinniger hat die Stadt Hodacißki (Gouvernement Wilna) in Brand gesteckt. Die Stadt ist fast gänzlich niedergebrannt. Nichts war versichert. Das Elend ist groß. Am meisten wurden die israelitischen Bewohner geschädigt. Die Gouvernementsstadt Witebsk wurde von einer schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht. Gegen 500 Häuser brannten vollständig nieder. Die vom Brande verschonten Effecten wurden geraubt. Die obdachlos gebliebenen Einwohner, meistens Israeliten, lagern in den Gärten, auf den Gassen und an den Ufern der Dwina. — Aus Pohrlitz (Mähren) wird geschrieben: Der an der hiesigen Volksschule wirkende Schuldirector Emanuel Bondi, der auch verschiedene Lehrbücher herausgegeben hat, feierte unter allseitiger Theilnahme der Bevölkerung den 18. d. M. sein vierzigjähriges Lehrerjubiläum und trat zugleich in den wohlverdienten Ruhestand. — Aus Karlsbad wird uns gemeldet: Während ihrer Anwesenheit besuchte Kronprinzessin Stephanie auch den hiesigen israelitischen Tempel in der Park straße. — Man schreibt aus Berlin: Am 4. August begeht, der Dichter Or. Max Ring seinen 70. Geburtstag. Zu Zauditz bei Ratibor in Schlesien geboren, widmete er sich den medicinischen Wissenschaften, jedoch veranlaßte ihn die Bewegung des Jahres 1848 seine ärztliche Praxis, in der er sich durch seine Aufopferung während der schrecklichen Typhusepidemie des Jahres 1847 in Schlesien einen großen Ruf erworben, aufzugeben, um nach Berlin überzusiedeln, wo er seit 1850 seinen festen Wohnsitz hat. Ein Freund Barnhagens von Ense und dem Kreise geistreicher Männer und Frauen, der sich um diesen bewegte» angehörig, lebte er nun ganz der Poesie, die schon früher seine Mußestunden erfolgreich ausgefüllt hatte. Seitdem haben seine zahlreichen Novellen, Romane und Dramen, die sich durch scharfe Auffassung der Verhältnisse, lebhafte Phantasie und tiefes Gemüth auszeichnen, seinen Namen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Noch heute ist vr. Max Ring in voller Geistesfrische schriftstellerisch thätig; die Jahre scheinen an dem hochbegabten und liebenswürdigen Manne fast spurlos vorübergegangen zu sein. — Man schreibt aus Dessau: Ein Veteran der „schwarzen Kunst" Gutenbergs ist mit dem am 18. Juli in Dessau im Alter von 81 Jahren verstorbenen Hofbuchdrucker Hermann Neubürger aus dem Leben geschieden. Er genoß in der Buchdruckerwelt hohes Ansehen, welches er sich als tüchtiger Fachmann sowohl auf dem Gebiete der Praxis, wie auch auf dem der Theorie, vornehmlich als Fachschriflsteller erworben hatte. Die von ihm in den Jahren 1841 bis 1843 herausgegebenen Lehrbücher, so sein „Handbuch für Buchdruckerkunst", fein „Leitfaden für Schriftsetzerlehrlinge", die „Encyklopädie der Buchdruckerkunst" und „der Corrector" wurden lange Zeit als mustergiltig angesehen und erlebten theilweis mehrere Auflagen. Es war ihm vergönnt, sein diamantenes (60jähriges) Buchdrucker- und sein 50jähriges Prinzipal-Jubiläum zu feiern. — Das Mitglied der italienischen Deputirtenkammer Luzzatti (Israelit) ist von seiner Regierung mit noch einem Genossen für die Unterhandlung eines neu-n Handels- und Schiffahrtsvertrages zwischen Italien und Frankreich gewählt worden. — Die Ehrenlegion ist von dem Präsidenten der französischen Republik der Frau Wittwe Charles Heine verliehen worden, eine Auszeichnung, die selten Damen und jetzt zum ersten Male einer jüdischen Dame ertheilt worden. Das officielle Journal giebt als Grund dieser Auszeichnung wörtlich an: „Madame Furtado Heine in Paris hat sich durch wohlthätige Werke von der höchsten Wichtigkeit ausgezeichnet; sie hat namentlich in Paris ein musterhaftes Dispensarium gegründet, wo tausende kranker Kinder ausgenommen und unentgeltlich gepflegt werden; sie hat gleicher Weise ihre Hingebung erwiesen während des Krieges 1870/71, indem sie in Paris eine Ambulanz organisirte und unseren internirten oder gefangenen Soldaten Hilfe zukommen ließ."

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