Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1887)
- Date
- 1887-08-04
- Page
- Seite 488 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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488 weilte, wurden zahlreiche Bittgesuche (es heißt 258) an ihn gerichtet, weßhalb er den Vorstehern die Summe von 12,000 Frcs. übergab, mit dem Bemerken, daß sie die Gesuche prüfen und die Summe unter die Würdigen vertheilen sollten. Die Vorsteher beschlossen jedoch — nicht im Sinne dieses Auftrages — das Geld in die Armenkassen fließen zu lassen, und erst als die Maßregel eine große Aufregung hervorrief, ließen sie sich herbei, 2000 Frcs. zu vertheilen. Julius Hamburger. Deutschland. | Stuttgart, 24. Juli. Die Versammlung israel. Lehrer Württembergs findet am 3. August im Hotel Degginger in Stuttgart statt; mit derselben wird das 50jährige Jubiläum des Herrn Oberlehrers Alexander Elsässer und die Jubiläumsfeier des 25jährigen Bestandes des Vereins verbunden werden. Danzig, 21. Juli. Am 17. September wird die mit einem Koftenaufwande von 700,000 Mark neuerbaute Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Als Stil für den Bau wurde die deutsche Renaissance der früheren Zeit, und zwar in ihrer besonderen Danziger Eigenart gewählt. In wie glücklicher Weise die Erbauer, die Herren Ende und Bökmann in Berlin, das Gepräge des Stils getroffen haben, lehrt ein Blick auf das prachtvolle, monumentale Bauwerk. Da die zur Verfügung gestellten Baumittel verhältnißmäßig geringe waren, so mußte mit theuerem Material sehr Haus gehalten werden. Ist die Verwendung von Haustein in der alten Renaissance Danzigs schon im Allgemeinen eine sparsame, so ist bei vorliegendem Neubau mit dem zur Verwendung gekommenen schön grauroth gefärbten Sandstein so sparsam umgegangen, als es die Eigenheit des Stils irgend erlaubt. Der Stein stammt aus schlesischen Brüchen. Der bei weitem größere Theil der Außenflächen ist dagegen mit Backsteinen vollendet, welche einen sattrothen Ton haben und gleichfalls aus Schlesien bezogen wurden. Im Inneren tritt als Baustoff noch Granit auf. Aus ihm sind die schlanken Gewölbepfeiler gebildet worden, womit man an die Konstruktion jener berühmten älteren Bauwerke des Landes anknüpfte, in denen, wie im Artushofe in Danzig und im Schlöffe von Marienburg, eine nicht schematisch, sondern nach Vernunftgesetzen arbeitende Baukunst die Säulenstärke von der Tragkraft des Materials abhängig machte. Die Synagoge bietet Sitzplätze für 950 Männer und 700 Frauen, zusammen also 1650 Plätze; auch enthält sie eine Orgel und kann im Winter durch eine Niederdruck-Dampfheizung erwärmt werden. Lübeck, im Juli. (Privatmitth.) Der Apotheker Sigfried Mühsam, Bruder des Landescabbiner Dr. Mühsam in Graz,!ist in die „Bürgerschaft", das ist in den gesetzgebenden Kör-!per der freien Reichsstadt Lübeck berufen worden. Bon 495 abgegebenen Stimmen fielen 445 auf ihn. Derselbe gehört seit Jahren der Prüfungscommission für Apotheker an, und seine literarischen Arbeiten, besonders sein „Apotheker-Manuale", ein Werk, welches in einem Jahre zwei Auflagen erlebte, haben in Fachkreisen verdiente Anerkennung gefunden. Oesterreich - Ungarn Lemberg, 20. Juli. Im Beisein eines zahlreichen und distinguirten Publikums fand vorige Woche die Jahresprüfung an der von der „Israelitischen Allianz zu Wien" vor zwei Jahren für die bis dahin in dumpfen Winkelschulen ohne jeden profanen Unterricht herangewachsene jüdische Jugend gegründeten Volksschule statt. Dieselbe ergab ein nach allen Richtungen hin befriedigendes Resultat. Die Schüler, welche noch vor zwei Jahren nur in ihrem Jargon zu sprechen wußten, hatten gute Fortschritte in der Elementarbildung gemacht und wußten sich sowohl in der polnischen als in der deutschen Sprache gut auszudrücken. Die Anzahl der diese Anstalt besuchenden, sämmtlich aus polnisch-jüdischen Winkelschulen sich rekrutirenden schulpflichtigen Kinder beläuft sich in den fünf Klassen auf 258. — Wie die „Pol. Corr." meldet, hat der Kaiser genehmigt, daß die Karaiten in Galizien im Falle der Einberufung zum Landsturmdienste auf ihre diessällig zu stellende Bitte nicht mit der Waffe, sondern nur zu sonstigen Dienstleistungen für Kriegszwecke zu verwenden sind. Graz, 21. Juli. Das hiesige Landesgericht hat die von der Grazer Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme der Petition der hiesigen Advocaturs-Cocipienten, betreffend die Nichtaufnahme von jüdischen Concipienten, nicht bestätigt. Gegen diese Entscheidung hat der Staatsanwalt die Beschwerde an das Obergericht ergriffen. Agram, 24. Juli. Ende der verflossenen Woche wurde dem in Agram wohnhaften israelitischen Ehepaare Moskovics ein Urtheil des Agramer erzbischöflichen Ehegerichts zugestellt, wonach die von dem genannten Ehepaare am 5. Mai vorigen Jahres im dortigen israelitischen Tempel geschlossene Ehe als