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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
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486 schon ein Beweis der göttlichen Gnade, welche von diesem Volke nicht weiche. Dann aber hätte die Wechselwirkung der Juden und der Völker auf einander eine vielfach segensreiche Wirkung gehabt. Zuletzt würde sich dieser Fluch als ein allgemeiner Segen für die Juden und die allgemeine Menschheit bethätigen. Dies ist dem Vers, der Charakter der Zerstreuung, den er allerdings öfters mit zu vielen und salbungsreichen Worten auseinandersetzt. Ihm ist die ganze Weltgeschichte auf die Mission des Judenthums und dann auf die des Christenthums gebaut. Diejenigen Völker, welche sich derselben hingeben — und das sind ihm nur die Deutschen und die Engländer — bleiben bestehen, die sich ihm abfällig zeigen — er nennt da besonders die romanischen Völker — steuern dem Untergange zu. Ueber die Einseitigkeit dieser Anschauung brauchen wir uns unfern Lesern gegenüber nicht auszulassen. Von jeder anderen Culturentwickelung will der Verfasser nichts wissen oder begreift sie nicht. Jedenfalls hat das Büchlein sehr anerkennenswerthe Seiten, und erwarten wir deshalb die Fortsetzung. Lissa, (Posen), im Juli 1887. Ere; Äisroel-Erde. in. So weit verschieden auch der Inhalt dieser Artikel von den Anschauungen der Betreiber oder Begünstiger des E. I.- E.-Handels ist, so sind wir beiderseits dennoch einig in dem Princip, daß der jüdische Gottesbegriff thatsächlich nicht als hoch, erhaben und heilig genug zur Vor- und Darstellung gebracht werden kann. Von beiden Seiten wird gleichmäßig anerkannt, daß der Mensch, seiner natürlichen Anlage gemäß, in solchen Dingen nicht weiter Vordringen kann, als diese Anlage zuläßt, und da dieselbe eine begrenzte, ist sie logischer Weise außer Stande, das Unendliche zu begreifen. Trotz dieser Uebereinstimmung gehen wir jedoch auseinander, wenn es gilt, der Unerforschlichkeit, der Größe und Weisheit Gottes den vermeintlich schuldigen Tribut zu bringen, und so sind wir eben hier hart auf einander gerathen. Dessenungeachtet sei es hier ausgesprochen, daß Alles, was die Rabbiner in frommen Gemeinden „geschäftshalber" thun und lassen, ihnen schon allein deßwegen vergeben und vergessen sei; dafür soll aber auch alles, was über die harte Nothwendigkeit hinaus geschieht oder unterbleibt, verdientermaßen an den Pranger gestellt werden. Sicherlich hat keine Gemeinde den Rabbinern in ihren Contract geschrieben, daß sie mit E. J.-Erde handeln, für R. Meier baal Hanneeß Geld sammeln, den Frauen Challahgeld abnehmen, u. dergl. m. Ueben sie es dennoch aus, so sollen sie wenigstens erfahren, daß es eine höhere Auffassung der jüdischen Religion giebt, welche dieses niedere Walten als eine Entweihung und Beleidigung des jüdischen Gottesbegriffs ansieht. Oder soll sie etwa stillschweigend hingenommen werden, die Theorie, nach welcher so jemand nur E. J.-Erde in seinem Grabe hat, er aller Vergünstigungen theilhaftig wird, die angeblich mit ihr verbunden sind und wäre er auch als ein schlechter Mensch gestorben? — Soll man kalt und gleichgültig bleiben, wenn man hört, daß R. Meier baal Hanneeß, ein Halbgott, es erfährt, so jemand Geld spendet zur Erleuchtung seines Grabes, sogleich bei Gott vermittelt und auch durchsetzt, daß selbst ein ehrwürdiger Schuft sein-verlorenes oder verlegtes Gut wieder findet? — Wo bliebe alsdann unsere heilige Thora, in welcher (3. Buch Moses, 10, 17) es heißt: denn der Ewige, Euer Gott, ist der Allgewaltige, Große, Starke und Furchtbare, welcher kein Aussehen beachtet, da er keinerlei Bestechung zugängig ist? — Dem entsprechend lehrt auch der Prophet (Ezechiel 33, 12—20.) Ihr saget, der Weg des Herrn sei nicht richtig; ich dagegen richte Jedermann nach seinen Wegen und so auch Euch, Haus Israel! — Deutlich höre ich, denn von allen Seiten summt es mir entgegen, das beliebte Stichwort der in die Enge getriebenen Orthodoxie der ganzen Erde: Es haben es so unsere Vorgänger gehalten, welche größer und vollkommener als wir waren, warum sollten wir, die wir nicht werth sind, ihnen die Schuhriemen zu lösen, davon abgehen? Die würdigen Alten, sie haben es um so viel besser als wir mit Gott gemeint und um so viel mehr verstanden, in seinen Wegen zu wandeln, und wir, die wir in Allem ihnen um so viel nachstehen, wir wollten uns vermessen, von ihren Wegen abzuweichen und somit auch Tadel gegen sie auszusprechen? Nichts weiß ich Magereres und Dürftigeres als diese billige und seichte Bescheidenheit. Entsagung und Verzichtleistung dieser Art haben besten Falls in Bequemlichkeit und Trägheit, bei weitem mehr aber in Feigheit und Unkenntniß der Dinge ihren Grund. Denn, wo es sich, wie hier, um das Allerheiligste handelt, nämlich um die Ehre Gottes einer- und um Entweihung seines heiligen Namens andererseits, ist keine noch so große Autorität jemals zu respectiren. Zum Beweise dieser Grundlehre, gegen welche schon sehr, sehr lange gesündigt wird, berufe ich mich auf nichts Geringeres, als auf unsere heilige Thora selber. In dieser lesen wir (5. Buch Mos. 18, 20—22) betreffs eines falschen Propheten, daß „derselbe sterben solle. Würdest Du aber in Deinem Herzen sprechen: Wie kann ich erkennen, welches Wort der Ewige nicht gesprochen hat? Wenn der Prophet im Namen des Ewigen etwas verkündigt, und es geschieht nicht, und es trifft nicht ein, so hat der Ewige dieses Wort nicht

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