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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. Seite 483

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
Seite 483 (sequence 3)
Language
German
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483 Augen des Geistes, sondern mit den Augen des Leibes betrachtet, als Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein. „In diesem Punkte ist unser Volk durch und durch hebraisirt oder, wenn man will, semitisirt." In noch weit höherem Maße aber ist dies, wie Stade hervorhebt, mit den Völkern der Fall, welche den Islam angenommen haben. Für den Mohammedaner ist Abraham Muhamedaner gewesen vor Mohammed; er ist durch seinen Erstgeborenen und wahren Erben Jsmael der Stammvater des Volkes der Offenbarung, für ihn sind alle religiösen Gestalten des alten Israel mohammedanische Heilige. — Fürwahr, fern liegt uns die Absicht, in unseren Glaubensgenossen ein Gefühl des Stolzes oder der Exclusivität zu erwecken. Aber, in der That ist es unser Bestreben, ihre religiöse Ueberzeugung zu stärken, das Bewußtsein der weltgeschichtlichen Mission Israels aufzufrischen und zu nähren und so auch die Zuversicht zu schaffen, daß diese Mission noch eine Zukunft vor sich habe. Hinweg mit diesem Schein- und Namenjudenthum, hinter welchem nichts als eine religiöse Oede, ein religiös-sittliches Nichts liegt, das nur irgend eines kleinen Gewichtes auf der Waagschale bedarf, um die Schale der ererbten Religion in die Höhe zu schnellen! Wenn der Pantheismus und der Materialismus, wie er sich in der Wissenschaft breit macht, nichts gelten lassen will, als was greifbar erwiesen werden kann — so bietet hier die Geschichte des israelitischen Volkes und des jüdischen Stammes bis auf den heutigen Tag so viele erfahrungsmäßige Beweise, so viele empirische Argumente, daß die inductive Methode, auf die Geschichte angewandt, den vollsten Beweis für die große weltgeschichtliche Aufgabe führt, welche Israel gelöst hat, löst und lösen wird. Warum willst du dich, Bekenner dieser Religion, Erbe dieser Mission, kühl dagegen verhalten bis ans Herz, und gegen das gleichgültig bleiben, was gegenwärtig von so vielen bedeutenden Geistern anderer Religion bekannt und zugestanden wird?! Wenn wir in die detaillirte Darstellung des Prof. Stade eingehen wollten, so würden wir aus dieser letzten Lieferung zu demselben Urtheil gelangen, welches wir über die erste bei deren Erscheinen (1882) fällten. Dieselbe willkürliche Kritik, dieselben Annahmen und Voraussetzungen, denen die Quellen widersprechen oder für welche ein Text nicht angeführt werden kann. Wir sehen z. B. auf die Darstellung Stade's von der Vorstellung des Volkes über das Leben im Jenseits. Wir haben hierüber oft genug gesprochen und bleiben noch heute bei der, wie wir glauben, gründlichen Bearbeitung stehen, die wir im zweiten Bande unserer Religionslehre in der Abhandlung über die Unsterblichkeitslehre im Judenthum gegeben haben. Stade mischt mit Vorliebe Egyptisches und Hellenisches hinein und sucht dies im Altisraelitischen wieder zu finden. Dadurch sind ihm die Grenzlinien verwischt, und seine Darstellung wurde verworren. Der Autor raisonnirt: „Der Todte ist ja freilich für das gewöhnliche Leben und Treiben nicht mehr da; aber dennoch ist er vorhanden, man weiß ihn im Grabe, in welches man ihn gebettet hat. Man fühlt sich von ihm beeinflußt, er erscheint Nachts im Traume, redet und handelt wie vordem, kennt als Traumerscheinung die tiefsten Geheimnisse des Träumenden, droht ihm, wenn er gefehlt hat, tröstet ihn, wenn er bekümmert ist, räth ihm, wenn er in Noth ist. Daher kommt es, daß man sich den Abgeschiedenen in dem Zustande weiter existirend denkt, in welchem er sich im Momente des Abscheidens befunden hatte. Der Abgeschiedene hat nicht nur die Züge, welche ihm im Momente des Scheidens eigen waren, sondern auch die Kleidung, welche er damals trug. Das ist der Sinn der Worte des trauernden Jacob: „im Trauergewande werde ich hinabsteigen zu meinem Sohne in die Unterwelt" und des vermeintlichen Rathes, welchen 1. Könige 2, 5 ff. Salomo durch David erhält, Joabs Greisenhaar nicht in Frieden zur Unterwelt hinabfahren zu lassen und Simeis Greisenhaar mit Blut zur Unterwelt hinabzusenden. Man erkennt eben die auf Erden gewaltsam Getödteten an de» Wunden, die sie nun für immer tragen, wie den vor Kummer und in Trauer Gestorbenen an Blick und Kleidung, den König am Diadem, die Braut am Brautschmuck, wie überhaupt sie alle, Männer und Weiber, Jünglinge und Jungfrauen, Knaben und Mädchen an ihrer Gestalt." Ferner sagt er: „Es zeigt sich dies gleich in der Redensart, welche für den Eintritt in dieses Reich gebraucht wird. Der alte Israelit wird dann zu seinen Vätern oder zu seinen Geschlechtsgenoffen versammelt. Und wiewohl dies in der uns vorliegenden Sprache immer von Begrabenwerden unterschieden wird, so begreift es sich doch nur als ein Euphemismus für dieses, denn es bezeichnet die Vereinigung der Todten mit den übrigen im Familiengrabe beigesetzten Gliedern der Familie." Weiterhin: „Das am schwersten wiegende Zeugniß ist aber der Umstand, daß nach der herrschenden Vorstellung die einzelnen Geschlechter der Unterwelt bei einander Hausen, wie sie im Erbbegräbniß bei einander wohnen, und daß nur derjenige unter sie ausgenommen wird, welcher der Beisetzung im Erbbegräbniß theilhaftig geworden ist." Alle diese Behauptungen beruhen auf Nichts als auf Voraussetzungen des Herrn Prof. Stade. Es würde demselben schwer werden, nur eine Stelle der Schrift für das, was er von Erscheinungen Todter im Traume, von der Art, wie sie sprechen, mahnen, drohen u. s. w. sagt, anzuführen. Das Einzige, was er anführen könnte, wäre die Geschichte der Zauberin von Ender, wo aber von keinem Traume

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