Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 30 (28.6.1887)
- Date
- 1887-06-28
- Page
- Seite 477 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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477 in Paris wurde das historische Halsband der Königin Marie Antoinette von dem Senator Joseph Pullitzer in New-Aork, einem geborenen Pester, angekauft. — Die Stadt Swiencany (Gouvernement Wilna) ist niedergebrannt. 6000 Menschen, zum größten Theil Juden, sind obdachlos. Das Elend ist unbeschreiblich. — Bonn, 20. Juli. (Literarische Notizen.) Wir haben unseren Lesern noch von einem Circular über zwei bedeutende Werke Kenntniß zu geben, welches der Buchhändler Leonhard Simion in Berlin im Aufträge der „historischen Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland" versandt hat. Es gilt die Herausgabe zweier wichtiger Werke. Das Circulär äußert sich darüber: „Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland" sollen alle in Urkunden, Briefen, Gesetzen, Concilbeschlüssen, Gedichten, historischen, theologischen und sonstigen wissenschaftlichen Schriften, epigraphischen und numismatischen Denkmälern überlieferten Zeugnisse über j jüdische Dinge bis zum Jahre 1273 in chronologischer Ordnung übersichtlich zusammenstellen und dadurch die unerläßliche Grundlage für eine wissenschaftlich erschöpfende Darstellung der Geschichte der deutschen Juden schaffen, die bis jetzt noch vermißt wird. Die Bearbeitung dieser Regesten ist unter Leitung des Prof. Or. H. Breslau dem Or. I. Aronius zu Berlin übertragen worden. — Eine Sammlung von „Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland" soll bisher unbekannte oder mangelhaft bekannte hebräische Texte durch zuverlässige kritisch-philologische Bearbeitung und durch die Beigabe einer deutschen Uebersetzung sowie eines historischen Commentars zu einem Gemeinbesitz aller deutschen Historiker und aller derjenigen machen, die sich für jüdische Geschichte interessiren, während sie bisher nur dem kleinen Kreise derjenige», welche der rabbinischen Sprache des Mittelalters mächtig sind, zugänglich waren. Der erste Band dieser Quellen wird das Judenschreinsbuch des Stadtarchivs zu Köln publiciren, eine in ihrer Art einzige Sammlung von lateinischen und hebräischen Urkunden aus den Jahren 1236 bis 1341, welche, bisher nur zu kleinstem Theile bekannt, über die Grundbesitzverhältnisse, die Gemeindeverfassung, die rechtliche Entwickelung, die Statistik einer der ältesten und im Mittelalter angesehensten jüdischen Gemeinden Deutschlands die werthvollste Aufklärung verbreiten und damit Einblicke in das innere Leben der deutschen Juden ermöglichen werden, die bisher schmerzlich vermißt find. Die Bearbeitung hat Herr Privatdocent vr. Höniger in Berlin, durch seine Forschungen auf diesem Gebiete in weiteren Kreisen bereits rühmlichst bekannt, unter Mitwirkung des Herrn M. Stern in Berlin übernommen. Spätere Bände werden die hebräischen Quellenschriften zur Geschichte der Kreuzzüge, die historischen Gedichte der deutschen Juden, die in der synagogalen Poesie eine bedeutende Rolle spielen, die culturhistorisch wichtigen Abschnitte der Entscheidungen deutscher Rabbiner des Mittelalters, die ältesten Gedenkbücher jüdischer Gemeinden! publiciren; auch für sie ist die Gewinnung namhafter und bewährter Mitarbeiter gesichert. — Die „Regesten" werden in Lieferungen von 6—8 Bogen in Quarto, die „Quellen" in Bänden von 15—30 Bogen in Octavo im Verlage des Unterzeichneten erscheinen, die erste Lieferung der Regesten sowie der erste Band der Quellen noch im Laufe des Jahres 1887. Dem ersten Band der Quellen wird eine von der kaiserlichen Reichsdruckerei hergestellte Tafel mit den Lichtdruck-Facsimiles der beiden ältesten und der jüngsten hebräischen Urkunden der Kölner Genieinde beigegeben werden. Der Subscriptionspreis ist auf 40 Pf. für den Druckbogen der Regesten, auf 50 Pf. für den Druckbogen der Quellen festgestellt worden. Der Gesammtpreis für Regesten und Quellen zusammen soll jährlich 20 Mark keinen Falls übersteigen, wird indessen voraussichtlich meistens wesentlich geringer sein. Ein Verzeichniß der Subscribenten wird jedem Bande der Publicationeu voraufgeschickt werden. Ie«iltet»n. Äus den Studienjahren 1829 bis Ende 1832 in Lerlin. IV. Erfreulichere Folgen hatte für mich ein anderer Zwischenfall. Als ich 1831 an meiner „Hyle anthropine" arbeitete, glaubte ich in einigen Sätzen Platos im Timäus über die Anziehungskraft gleichartiger Stofftheile bedeutsame Anklänge an die Newton'sche Lehre zu finden. Jndeß wollte ich mir für meine desfallsige Darstellung die Autorität eines Fachgelehrten verschaffen, und ging deßhalb mit den betreffenden Stellen zum Professor Erman, der damals an der Spitze der Physiker Berlins stand. Als ich ihm die Auslassungen Platos vorgelegt, meinte er, darüber könne man sich so augenblicklich nicht entscheiden, ich solle ihm die Stellen lassen und er würde mir nach einiger Zeit seine Meinung mittheilen. Dann holte er aus einem Schranke ein Quartheft hervor, das er mir mit den Worten übergab: „Ich habe hier in den Memoiren der Academie eine Abhandlung gegeben, die ich Sie bitte durchzulesen und mir Ihre Ansicht darüber mit-