Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 30 (28.6.1887)
- Date
- 1887-06-28
- Page
- Seite 475 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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475 Volke selbst spreche ich jetzt nicht — kennt, wird sich bei der sittlichen Verkommenheit, die unter ihnen herrscht, nicht darüber wundern. Man braucht nur mit denen im Auslände, namentlich Studirens halber, sich aufhaltenden Rumänen in nähere Berührung zu kommen. Bulgarien. Samakoff, im Juli. Das Bulletin der All. isr. univ. enthält folgende Mittheilung: Von jeher war der Markttag in Samakoff Montags, was den Israeliten gestattete, daran Theil zu nehmen. Vor einem Monat begab sich eine Deputation Christen nach der Hauptstadt Sosia, um den Minister des Innern zu ersuchen, den Markttag auf Sonnabend zu verlege», damit die Israeliten verhindert seien, daran Theil zu nehmen. Trotz der Bemühungen der Gemeinde von Samakofs wurden die Wünsche der christlichen Deputation von der Behörde in Sofia erhört und am 6. Juni, einem Markttage, machte es der öffentliche Ausrufer zu Samakoff auf dem Markte bekannt und zeigte den Landleuten an, daß sie lünstighin ihre Maaren Sonnabends statt Montags zur Stadt zu bringen hätten. Es sind zahlreiche Eingaben an die bulgarischen Behörden abgegangen und man hofft, daß sie von dieser Maßnahme zurückkommen, die die Israeliten von Samakoff ebenso sehr schädigt wie die Bauern. Großbritannien. London, 20. Juli. (Privatmitth.) Die Anglo-Jewish Association hat ihren 16. Jahresbericht veröffentlicht. Derselbe bekundet, daß dieser Verein während des verflossenen Jahres seinen wohlthätigen Einfluß auf den sozialen und erziehlichen Zustand der jüdischen Gemeinden in den Ostländern zu üben fortgesetzt hat. Unter dem Vorsitz des Sir Julian Goldsmid Bart. N. P. ist das Sonnte überall, wo es ihm möglich war, gegen Mißhandlungen von Juden eingetreten, und es ist erfreulich, daß es der Regierung ihrer britischen Majestät für die wohlwollende Berücksichtigung den Dank auszusprechen hat, welche sie zu aller Zeit den Vorstellungen des Vereins, verbunden mit dem Bourä of Deputies hinsichtlich auswärtiger jüdischer Gemeinden, geschenkt hat. Von Erfolg war die Verwendung der Vertreter Englands in Marokko und Persien. Die anderweitige Thätigkeit des Vereins betraf die jüdischen Schulen im Oriente, die er theils selbständig, theils in Ver bindung mit der Alliance isr. univ. erhalten hat. Die Leistungen dieser Schulen sind meist so günstig, daß nicht toenig hochgestellte Mohamedaner ihre Kinder diesen Schulen anvertrauen. Aber die Mittel des Vereins sind nicht ausreichend, um in ausgedehnterem Maße diesem Zwecke, die orientalischen Glaubensgenossen aus ihrer Unwissenheit und ihren elenden Zuständen zu erheben, genügen zu können, und es stellte sich sogar ein Deficit ein. Man veranstaltete deßhalb nach englischer Sitte ein Meeting-Dinner, bei welchem Geldzeichnungen geschehen. Es brachte 2266 Ps. St. (45,320 Mark) ein. Der Präsident erhöhte seinen Jahresbeitrag von 50 auf 100 Pf. St. (200 Mark) und man hofft, daß dieses edle Beispiel allgemeine Nachfolge finden werde. Dem Jahresberichte ist deßhalb ein besonderes Circular, die Aufforderung dazu enthaltend, beigefügt. Die Einnahmen und Ausgaben des letzten Jahres balanciren mit 6456 Pf. St. (129,120 Mark.) Der Verein hat jetzt Zweigvereine in Birmingham, Bradford, Cardiff, Chatham, Hastings, Middlesbrough, Stockton, Swansea und Sidney. Die Schulen des Vereins bestehen in Bagdad mit 204 Zöglingen und einer Handwerksschule mit 61 Zöglingen, in Bryrut mit 104 Knaben und 94 Mädchen, in Bombay mit 154 Knaben und 98 Mädchen. Gerade diese Schule hat Ausgezeichnetes geleistet, wie durch den Besuch bedeutender Persönlichkeiten bezeugt wird. Ferner in Brussa mit 110 Knaben, in Constantinopel zwei Schulen mit je 191 und 110 Zöglingen, Corfu mit 100 Schülern, Damaskus mit 157 Schülern in der Knabenschule, 650 in der Talmud-Thorah-Schule und 106 Schülerinnen in der Mädchenschule; in Fez mit 100 Zöglingen, Haifa mit 100 Schülern, Jerusalem mit 150 Schülern und einer Handwerksschule; Mogador mit 70 Mädchen, Phillipopel mit 208 Schülern, Smyrna mit 350 Schülern in der Knaben- und 255 Mädchen in der Mädchenschule; Tetuan mit 144 Schülerinnen, Tunis mit 993 Knaben. Der Bericht enthält noch Notizen über die Juden in den östlichen Ländern, die jedoch nichts Neues bringen, eine sehr interessante Rede des Sir Julian Goldsmid bei dem gedachten Meeting-Dinner und die Verzeichnisse der Mitglieder und Beiträge. Amerika. New-N»rk, 29. Juni. (Privatmitth.) Der Mensch kann die Freiheit nicht vertragen, und hat er sie erlangt, beschneidet er sie sich selbst. Die Geschichte beweist dies durch viele Beispiele, und wir in der Union machen keine Ausnahme davon. Was helfen die schönen Grundsätze der Verfassung über die unbedingte Freiheit der religiösen Ueberzeugung und die Gleichberechtigung Aller! Was die Verfassung der ganzen Union verbietet, das gestatten sich die einzelnen Staaten, und man macht die drückendsten Gesetze über die Sonntagsruhe und die Temperanz, welche keiner abweichenden religiösen Ueberzeugung Rechnung tragen und der individuellen Freiheit geradezu Hohn sprechen. Gehen doch die Mucker, die sich des hiesigen Stadtregiments bemächtigt haben, so weit, daß sie selbst den Bewohnern der Stadt verbieten wollen, Sonntag aufs Land zu gehen und hier Vergnügungen anzuwoh- 30*