Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- Seite 460 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Norwegen. Bonn, 3. Juli. (Privatmitth.) Der bekannte Reisende A. W. Vogel veröffentlichte jüngst Schilderungen einer Reise in Norwegen in der „Voss. Z.": „Norwegen im Regen." Eine Stelle in seinem Berichte hat Erinnerung aus der Vergangenheit in uns geweckt, die der neueren Geschichte der Juden angehören. Vogel besuchte den Kirchhof von Christiana und fand hier u. a. das Grab des Dichters Wergeland. Er sagt hier: „Sein Denkmal erwähnt seine Lebensgroßthat: Abschaffung des Gesetzes gegen Zulassung der Juden in Norwegen. Einen großen Erfolg hat dieselbe bisher nicht gehabt. Nur selten begegnet man in Norwegen Jenen, welchen die erlangte Freiheit gilt. In der That dürfen wir Wergeland's nicht vergessen. Als Mitglied der Storthing brachte er regelmäßig den Antrag auf Abschaffung des zweiten Paragraphen der norwegischen Verfassung ein, welcher nämlich den Juden und den Katholiken den Eintritt in Norwegen dermaßen untersagte, daß, wenn solche durch Schiffbruch an die Küste geworfen werden, sofort aus dem Lande entfernt werden sollten. Aber auch als Dichter suchte er für diesen Zweck zu wirken und gab ein Heft Gedichte „De Jöden" heraus, in welchen er die gegen die Juden herrschenden Vorurtheile dichterisch bekämpfte. Durch den sel. Dr. Steinheim traten auch wir damals mit Wergeland in Verbindung und ließen auch einige jener Gedichte ins Deutsche übertragen. Wergeland setzte seine Bemühungen bis zu seinem allzufrühen Tode fort, ohne daran Verwirklichung zu erleben. Denn erst nach 1848 wurde vom Storthing die beantragte Veränderung der Verfassung mit noch einigen anderen angenommen. Auch darin hat Vogel Recht, daß die Erlaubniß, in Norwegen einzuwandern, nur von wenigen Juden bis jetzt benutzt worden ist. Hiermit wurde thatsächlich der Einwand, den man Wergeland immer entgegenstellte, widerlegt, daß die Juden Norwegen nach erlangter Erlaubniß überschwemmen würden. Das Andenken des freisinnigen Norwegers sei deshalb von uns stets treu bewahrt. Asien. Bagdad, im Juni. Seit einigen Monaten wüthet hier eine Hnngersnoth mit den Krankheiten, die eine solche zu begleiten pflegen. (Es ist dies nicht zu verwundern, da in den meisten Gegenden der asiatischen Türkei und in Persien es an allen Wegen und Communicationsmitteln fehlt, Getreide ff. auch nur von einer Stadt zur anderen zu bringen.) Herr Baron v. Hirsch hat 25,000 Frks. und das Comitö der Hl. isr univ. 2000 Frks. dahin geschickt*). 1) Hierbei sei bemerkt, daß Baron v. Hirsch an die Unglücklichen von Botuschan 50,000 Frks. geschickt hat. Redact. Bonn, 17. Juli. (Notizen.) Herr H. Goldberg, Oberkantor zu Braunschweig, feierte am 12. d. M. seinen 80jährigen Geburtstag. Zu Wollstein (Posen) 1807 geboren, bekleidet er seit 1824 das Cantor- und Religionslehramt und blickt so auf eine 63jährige pflichtgetreue und segensreiche Amtirung zurück. Seit 1842 wirkt er in der Gemeinde zu Braunschweig und besitzt Kraft und Frische genug, um noch jetzt des heiligen Dienstes zu pflegen. Durch die Herausgabe der „Braunschweigischen Synagogengesänge" hat er sich ein practisches Verdienst erworben. In allen Kreisen Braunschweigs hat er sich durch seinen trefflichen Charakter Hochachtung gewonnen. — Die englisch-jüdisch-historische Ausstellung zu London wurde am 2. Juli geschlossen und mit einem Concert beendet, welches von der Musik der Hebräer eine Vorstellung geben sollte. Das Beispiel der englischen Juden hat in Philadelphia das Verlangen der Nachahmung geweckt und die dortige Ioury Men's Hebrew Association will eine amerikanisch-jüdische Ausstellung bewirken. — Aus Czernowitz wird unter dem 8. d. M. geschrieben: Der Kronprinz besuchte auch den hiesigen Tempel, wo er freundlichst empfangen wurde. Der Kronprinz sprach dem Cultusvorstande, dem Landrabbiner Di-. Igel und dem orthodoxen Rabbiner Weiß gegenüber seine Anerkennung über den besonders schönen Tempel aus. — Wie die „Boss. Z." berichtet, wird der Antisemit Henrici, derselbe, der damals die Brandreden in Pommern gehalten, nach Afrika auswandern. Wir glauben nicht, daß ihn Jemand daran verhindern wird. Berlin, 5. Juli. (Literarische Notizen.) Die Academie der Wissenschaften stellte in ihrer letzten Sitzung die folgende Preisaufgabe aus der Charlotten-Stiftung: „Die Schrift Philon's äs opificio mundi soll in neuer Textbear' beitung vorgelegt werden, wobei von der Beschaffung neuen handschriftlichen Materials abgesehen werden kann. Die kurzgefaßten Anmerkungen sollen hauptsächlich die textkritische Methode des Bearbeiters erläutern. Sprachliche Untersuchungen sind erwünscht, literarhistorische und quellenkritische Excurse über diese Schrift nicht ausgeschlossen. Es wird zugleich der Wunsch ausgesprochen, diese probeweise Bearbeitung möge die Anregung zu weiteren Studien geben, die ihr Ziel in einer auf neuer handschriftlicher Grundlage beruhenden Philoausgabe fänden." Turek, 28. Juni. Literarische Notizen. Hebräisches illustrirtes Jahrbuch für Literatur, Wissenschaft und Geschichte des Judenthums, I. Jahrgang für das Jahr 5647, redigirt und herausgegeben von S. P. Rabinowitz. (Warschau, Selbstverlag.) — Dieses literarhistorische und populär-wissenschaftliche Sammelwerk, 90 Bogen groß Quart stark, ist, vermöge seiner großen Reichhaltigkeit, Gediegenheit und splendiden Ausstattung — es ist geziert