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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-21 · Heft 29 (21.7.1887) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 29 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
Seite 459 (sequence 11)
Language
German
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459 Dr. Beck dahin zu senden, um den Umfang des Schadens genau zu ermitteln. Derselbe stattete einen Bericht ab, der drei gedruckte Folioseiten süllt. Indem das Comits diesen veröffentlichte, entsandte es folgendes Circular: „Wenige Tage „ach dem großen Brande in Botoschani, wobei über 2000 jüd. Seelen obdachlos geworden sind, haben wir ein Mitglied unserer Gesellschaft dahin entsendet, um uns genaue Angaben über den Zustand der Verunglückten zu verschaffen. Den Bericht dieses Mitgliedes (Herrn Rab. und Prediger Dr. Beck) finden Sie beifolgend. Demselben wie auch den Berichten der Tagesblätter können Sie entnehmen, wie groß die Zahl der Verunglückten und wie bedauernswerth das Loos der Meisten unter ihnen ist. Wir haben es unterlaffen, ein spezielles Comits zu bilden, da wir sahen, daß alle Regierungsorgane angewiesen wurden, öffentliche Sammlungen zu veranstalten. Da jedoch das Erträgniß dieser Sammlungen erst nach Monaten vertheilt und dann möglicherweise nicht in genügendem Maße zum Ersatz des Schadens, den eine jüdische Gemeinde als solche durch den Verlust eines ihrer größten und etwa 8 anderer Bethäuser erlitten hat, verwendet werden wird, so sehen wir uns gezwungen, uns auch an Ihre Wohlthätigkeit zu wenden mit der ergebensten Bitte, auch Ihrerseits diesen Verunglückten zu Hilfe zu kommen und womöglich auch in Ihrem Wohnort die Bildung eines Hilss-Comite's zu veranlassen. Und als wenn das Unglück in Botoschani nicht groß genug wäre, brach in der Nacht von Freitag aus Samstag, den 12./24. auf den 13.'25. Juni, in Piatra gleichfalls Feuer aus, wodurch an fünfzig jüd. Familien ins größte Elend gestürzt wurden. Wir glauben, daß Sie in Anbetracht der großen Anzahl von Verunglückten in zwei bedeutenden Gemeinden des Landes unsere Bitte gewähren und recht bald Unterstützungsbeiträge entweder direct an uns (Dr. Adolf Stern, Advokat in Bukarest) oder an den Präsidenten des Botuschaner Hilfs- Comitö's Herrn Josef Spayer gütigst einsenden werden. Empfangen Sie den Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung. Für den Verein „Zion" Der Präsident: Dr. Adolf Stern." In dem Berichte wird auch der schweren Verluste gedacht, welche der hochverdiente Schuldirector Hillel Kahane, u. A. auch Verfasser eines trefflichen geographischen Werkes in hebräischer Sprache, von welchen« jedoch erst der erste Theil erschienen ist, betroffen haben. Da wir seit sehr langer Zeit mit diesem überaus würdigen Manne in Verbindung stehen, erhielten wir von ihm eine Schilderung seines Mißgeschickes, die wir den wohlthätigen Herzen zur Berücksichtigung dringend empfehlen. Euer Hochwürden! Erst heute ist es mir möglich, Ihnen von der schrecklichen Catastrophe, welche die hiesige Stadt getroffen hat, mittheilen zu können. Am 15. d. M., 2 Uhr nachmittags, brach in einer entfernten Gasse Feuer aus, aber von einem starken Winde begünstigt, wurden darauf mehrere Häuser an verschiedenen Punkten der Stadt vom wüthenden Element ergriffen und ein großer Theil der Stadt befand sich in kurzer Zeit in einem Flammenmeere. Mehr als 800 große Häuser sind zum Schutthaufen geworden. Die größte Synagoge am neuen Markte und 9 Bethäuser wurden ebenfalls ein Raub der Flammen und konnte man kaum die Torarollen, bis auf drei, die leider verbrannten, aus demselben heraus retten. Bon den 5 Personen, die wegen erhaltener Brandwunden iirs Spital gebracht worden sind, ist einer derselben bereits seinen Wunden erlegen. Leider wurde auch ich von diesem Unglück sehr hart getroffen. Ich und meine Frau konnten uns nur das Leben retten, alles wurde mir verbrannt. Meine große reichhaltige Bibliothek im Werthe von ca. 5000 fr., worunter viele kostbare antike Werke sich befanden; mehrere hundert Briefe von berühmten Gelehrten wissenschaftlichen Inhaltes, wie auch 40 Bogen zum Drucke bereits fertiges Manuskript, welches den ersten Band des zweiten Theiles meines hebräischgeographischen Werkes mW.1 bildete, alles wurde zu Asche, ich konnte nicht mehr dazu gelangen, sogar das ganze Silberzeug, Leuchter, Tassen, Becher, Eßzeug und der Prachtkelch, den mir der selige Sir Moses Montsfiore zum Andenken schickte, als ich ihm den ersten Theil meines Werkes zusendete, alles zusammen wurde in ein Kästchen gepackt, wir konnte» es aber nicht fortbringen, weil das Feuer um uns wüthete, eben so wenig wie unsere Kleidungsstücke und Wäsche, alles wurde verbrannt. Als ich gegen Abend zur Brandstätte meiner Wohnung kam, fand ich alle Silbergeräthe in der Asche zusammen geschmolzen, nur der Silberpokal des sel. Montsfiore blieb allein ganz unversehrt, nicht einmal ein einziger Buchstabe von den vielen Versen, die eingravirt sind, wurde verletzt. Ich finde vorläufig bei einem theuren Freunde ein Obdach und wolle der Allgütige sich unser recht bald erbarmen! Der Rabbiner und Prediger Dr. M. Beck aus Bukarest wurde vorige Woche vom Verein Zion hierher gesandt, und wirkte viel durch seine eindringlichen Worte, durch seine Veranlaffung wurde auch hier noch ein Separat-Hilfscomits zur momentanen Abhilfe gebildet. Daß es ein Central-Comits für die hiesigen Verunglückten, mit dem König und der Königin an der Spitze, giebt, welche bereits 40,000 fr. gespendet haben, wovon 10,000 fr. vorige Woche unter die Aermsten vertheilt worden sind, ist Ihnen gewiß schon von anderen Zeitungen bekannt u. s. w. 29*

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