Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- Seite 458 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227663-3227693--44573-3266860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Kielce 1× ep/1001109
OCR text
458 chen, II. Bezirk 2118 K., 2192 M., III. Bezirk 313 K„ 333 M., IV. und V. Bezirk 171 K., 174 M, VI. und VII. Bezirk 344 K., 325 M., VIII. Bezirk 121 K., 131 M., IX. Bezirk 346 K., 344 M., X. Bezirk 93 K., 103 M. In 12 Bürgerschulen für Knaben und 15 Bürgerschulen für Mädchen (worunter je 5 Sammelschulen) wirkten 12 Religionslehrer. Diese Schulen wurden von 878 Knaben und 1659 Mädchen besucht, und zwar I. Bezirk 107 Knaben, 299 Mädchen, II. Bezirk 460 K., 772 M-, III. Bezirk 72 K., 182 M., IV. und V. Bezirk 43 K.. 99 M., VI. und VII. Bezirk 80 K-, 144 M., VIII. Bezirk 49 K., 78 M., IX. Bezirk 45 K., 158 M., X. Bezirk 22 K., 32 M. In 6 Gymnasien, 2 Realgymnasien, 8 Realschulen und in einer Sammelschule, zusammen in 17 Mittelschulen wirkten 10 Religionslehrer. Die Zahl der Gynasialschüler betrug 1059, der Realgymnasialschüler 456 und der Schüler der Unterrealschule 567 *), in Summa 2082 Schüler der Mittelschulen. Die hebräische Sprach- und Bibelschule zählte in 3 Klassen 224 Schüler. — Wie alljährlich fanden auch jüngst von Seiten des städtischen Gemeinderathes Neubesetzungen, respective Beförderungen, von Lehrerstellen an den hiesigen Volks- und Bürgerschulen statt. Unter den Neuernannnten oder Beförderten befinden sich auch Israeliten und Israelitinnen. Zum Oberlehrer der Schule im II. Bezirke Stefaniestraße wurde ein Israelit, Herr Striedl, ernannt. Es geschah dieses auf Grund der Volksschulnovelle, für welche sich seiner Zeit die Clerikalen im Reichsrathe einsetzten, da der größere Theil der Schülerinnen, die diese Schule besuchen, Israelitinnen sind. — Wie bekannt, haben die Antisemiten die Werke Heine's, da er ein geborener Jude war, auf den Index gesetzt. Die Kaiserin von Oesterreich wieder gehört zu den besondern Verehrerinnen dieses Dichters. Vor einigen Tagen begab sie sich nach dem Seebad Cromer in England und machte sie einen Umweg über Hamburg, um daselbst die Frau v. Embden, die Schwester Heyne's, aufzusuchen, bei welcher sie IV2 Stunden verweilte und dann die Reise fortsetzte. Graz, 4. Juli. Der „Boh." zufolge relegirte der academische Senat den Juristen Hermann Kienzl (Sohn des gewesenen Grazer Bürgermeisters) auf vier Semester, weil derselbe einen Studenten auf Säbel ohne Bandagen bis zur Abfuhr deshalb forderte, weil er dem Festcomits des deutschen Schulvereins beitrat; ferner weil Kienzl einen Anderen, der das Duell verweigerte, mit Insulten bedrohte, endlich weil Kienzel gegen den Senat, welcher die Kundmachung des Commerses für den (antisemitischen) Schulverein für Deutsche 1) Die Schüler der Oberrealschule erhalten in Niederösterreich keinen Religionsunterricht. auf der schwärzen Tafel verweigerte, eine achtungverletzende Kundgebung erließ. Ein zweiter Student wurde auf ein Semester relegirt, mehrere andere erhielten Rügen. Hermann Kienzl gehört zu den Führern der hiesigen Antisemitenpartei. Rußland. Petersburg, 8. Juli. Wie die „Nowoje Wremja" erfährt, müssen nun doch die Taganroger und Rostowec Juden ihre Geschäfte liquidiren und die genannten Städte verlassen, weil den Juden der Aufenthalt im Gebiete der dänischen Kosaken verboten ist. Die christlichen Kaufleute und die Stadtbehörden hatten dringend für den Verbleib der Juden petitionirt, mit deren Abzug Handel und Verkehr völlig zurückgehen werde. Warschau, 5. Juli. Amtlichen Quellen über den Umfang und die Bedeutung der Textilindustrie in Russisch-Polen, dem Dank der deutschen Einwanderung am meisten prosperirenden Industriezweige, entnimmt die „Pos. Ztg." einige interessante Ziffern. Darnach gab es im Jahre 1885 in den Gouvernements Petrikon, Kalisch, Warschau, Kielce und in der Stadt Warschau der Textilindustrie gewidmete Etablissements 10,379 mit einer Arbeiterzahl von 50,963 und einem Productionswerth von ca. 651/2 Millionen Rubel. Der Antheil der Deutschen, Polen und Juden an diesem sowie an den anderen Industriezweigen stellt sich wie folgt dar: Polen. Deutsche. Juden. Mechanische Industrie 11,844 1,397 1,173 Bergindustrie 6,700 9,300 200 Landwirthschaftliche Industrie 56,404 5,291 11,753 Chemische Industrie 12,274 3,281 2,286 Textil-Jndustrie 6,997 58,349 14,150 Demnach stellen die Polen 47 pCt, die Deutschen 38 pCt. und die Juden 15 pCt. zur Gesammtindustrie Polens. Diese Ziffern sind wohl nicht ganz zuverlässig, namentlich hinsichtlich der chemischen Industrie, bei welcher der Antheil der Deutschen ein weit größerer ist. Bei der Textilindustrie sind die Deutschen mit 73 pCt. und die Polen mit 8 pCt. betheiligt, doch dürften von den 73 pCt. höchstens noch 20 pCt. deutsche Unterthanen sein, da die anderen bereits naturalisirt sind. (Den Antisemiten hat man schon oft gegen ihre Behauptung, die Juden nähmen keinen Antheil an der Handarbeit, solche Statistiken entgegengehalten — das verschlägt ihnen nichts!) Rumänien. Bottuschau, 8. Juli. (Privatmitth.) Das Unglück, welches durch den schrecklichen Brand über 2000 jüdische Seelen obdachlos und hülfsbedürftig gemacht, bewog das Comits der Gesellschaft „Zion" zu Bukarest, den Rabbiner