Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 ersten Vers abgethan, ohne darauf wieder zurückzukommen. Die weitere Erzählung beschäftigt sich ausschließlich nur mit der Erde, die wir bewohnen, und das nicht mit ihrer Schöpfung, sondern nur mit ihrer Entwicklung: Evolution." Pest, 6. Juli. Von Herrn I. L. Reich, Oberrabbiner in Bonyhad, der in früheren Jahren Kanzelreden und religiöse Vorträge in deutscher Sprache veröffentlichte, ist jüngst erschienen min' $>ip ~dd (Preßburg 5647). Der Vers, versucht in dieser schön ausgestatteten Schrift mit Hilfe von Talmud- und Midraschstellen die yroi np im Psalmcnbuche ethisch zu erklären. Prediger, denen hier ein reiches Material geboten wird, und alle Diejenigen, welche an dieser, zuweilen geistreich, zuweilen aber auch gezwungen durchgeführten Erklärungsweise Gefallen finden, werden der Schrift gewiß Interesse zuwenden. — In Bukarest bildete sich im vorigen Jahre eine „Historische Gesellschaft", welche sich in ehrender Anerkennung des verdienstvollen Julius Barasch seinen Namen beilegte und es sich zur Aufgabe gestellt hat, Alles was auf die Geschichte und Literatur der rumänischen Juden Bezug hat, zu sammeln. Als die erste Frucht der Thätigkeit dieser Gesellschaft erschien „Analelo Societatii Istorice Juliu Barasch“. Anual 1. 1887. (Bucaresti 1887.) Das Jahrbuch enthält außer den Statuten, den Sitzungsberichten u. a. m. einen Rapport des Herrn M. Schwarzfeld, des ersten Secretärs der Gesellschaft, über die Geschichte der Juden in Rumänien, und von L. Saineanu (Schein) eine biographische Skizze Jacob Psantirs (mit Porträt), welcher der erste war, der eine Geschichte der Juden in Rumänien veröffentlicht hat. Dr. Kayserling. Deutschland. Berlin, 10. Juli. (Privatmitth.) Der Eifer der Thierschutzvereine hinsichtlich des Schlachtens der Thiere ist durch den Beschluß des deutschen Reichstages nicht abgekühlt und hat für einen Delegirtentag in Cöln die Sache abermals auf die Tagesordnung gestellt. Trotz des fast einstimmigen Beschlusses des deutschen Reichstages, die Petitionen der Thierschutzvereine der Reichsregierung zur Erwägung zu geben, mit der ausdrücklichen Resolution, daß in keiner Weise das Ritualgesetz der Juden angetastet werden solle, trotzdem also, daß die ganze Frage der Gesetzgebung angehört, findet sich in der neuesten Nummer des Berlin-Potsdamer Amtsblattes eine Polizeiverordnung vom 28. Juni c. über das Tödten der Schlachtthiere, in welcher auch das jüdische Schächten eine Rolle spielt. In erster Linie frägt es sich, ob die Polizeiverwaltung das Recht hat, an die Stelle des Gesetzgebers zu treten und über Ding« zu entscheiden, welche der Behandlung der gesetzgeberischen Factoren unterliegen. Wir glauben, daß die Organe der jüdischen Geineinden zu Berlin, Potsdam ff. nicht unterlassen werden, die Angelegenheit vor die höhere Instanz zu bringen. Bekanntlich hat auch die Polizeiverwaltung in Ersurt eine derartige Verordnung erlassen, zog sie aber „vorläufig" zurück. München, 7. Juli. Die „Frkf. Ztg." bringt von hier einen Artikel, der wegen der Thatsachen wohl bemerkenswerth ist, hinsichtlich der darin ausgesprochenen Urtheile die Verantwortung selbst tragen mag. Er lautet: „Die hiesigen (National-) Liberalen können ihres Sieges gar nicht recht froh werden. Und daran ist allein Herr von Schauß schuld der in Erinnerung an den Glauben seiner Väter den „Juden" Maisott in die Kammer gebracht hat. So unglaublich es klingt, ist es doch buchstäblich wahr, daß man im liberalen Lager ob dieser Schauß'schen That alles Ernstes den Mißerfolg der Partei bei den Gemeindewahlen voraussagt. Es ist nichts mehr geeignet, unseren Münchener Liberalismus zu charakterisiren, als diese durchaus verbürgten Mittheilungen. Wenn trotzdem sich gerade unsere wohlhabenderen jüdischen Mitbürger zum allergrößten Theile dem Liberalismus mit Haut und Haar verschrieben haben, selbst solche, die in früheren Zeiten weit links standen, so ist das eine arge Kurzsichtigkeit, die durchaus nicht dazu beiträgt, die antisemitischen Aspirationen gewisser hiesiger Kreise, die neuerdings noch durch das Verhalten des zukünftigen Thronfolgers') eine Aufmunterung erfahren haben, zu schwächen/" Frankfurt a. M., 13 Juli. Seit Jahren erheben die Agrarier und in ihrem Gefolge viele Lärmmacher laute Klagen über den „Wucher auf dem Lande", dem sie die Noth des Bauernstandes zuschreiben. Der „Verein für Socialpolitik" hat nun Erhebungen über den Umfang dieses Wuchers veranstaltet und dieselben veröffentlicht 2). Es ergiebt sich daraus, daß dieser Wucher seit dem Gesetze von 1880 erheblich abgenommen und überhaupt lange nicht so umfäng- 1) Welches war dies? Red. d. Allg. Ztg. d. Jud. 2) Der Wucher auf dem Lande. Berichte und Gutachten veröffentlicht vom Verein für Socialpoiitik. (Schriften des Vereins für Socialpolitik. XXXV.) Leipzig, Duncker u. Humblot.