Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- Seite 454 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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454 sichtigte Ausgabe dieser Handschrift zu übernehmen und dort das ganze gesammelte Material in den Noten zu veröffentlichen, außerdem einen vollständigen Index der Quellen hinzuzufügen. In dem vorliegenden Hefte will er dagegen ein Gesammtbild dieses Codex zu geben versuchen, nämlich: a) Aufeinanderfolge der Halachot in den handschriftlichen n&nj iro^n. b) Eigentümlichkeit der handschriftlichen Recension des o) Interpolationen und Vermuthung über deren Entstehungszeit, d) Proben besonders wesentlicher Textesabweichungen, s) Einige Bestätigungen der Varianten aus den D'oitpsn. Wir begnügen uns mit der Anzeige dieses verdienstvollen Unternehmens, für die Details auf die Schrift selbst verweisend. — Von der Revue des Etudes juives haben wir Nr. 28 (April-Juni 1887) erhalten (Paris, Dur, lacher. 1887). Dieselbe enthält eine Abhandlung von Isidore Loeb über die Anzahl der Juden in Castilien und Spanien im Mittelalter, eine sorgfältige Untersuchung, welche die oft übertriebenen Zahlenangaben auf ihren wahren Werth zurückführt; Friedländer über die Essäer;DavidKaufmann Schluß der Abhandlung über den Sinn und Ursprung der alttestamentarischen Grabsymbole in der ersten christlichen Zeit. Außerdem giebt Isidore Loeb Noten über die Geschichte der Juden Spaniens; M. Lambert bespricht das Manuscript der Bibliothek von Oxford, welches den arabischen Text des Commentars zur Mischnah von Maimonides enthält, insbesondere zu dem Tractate Parah, in welchem der Text der Mischnah mit Vokalen versehen ist; ferner Duval, Noten über die Peschitto, und endlich Krakauer über die gegen die Juden von Frankfurt im 16. Jahrhundert erhobenen Anklagen wegen rituellen Mordes. Hinzugefügt sind die Vorlesungen, welche Sacher Masoch und Maspero auf die Aufforderung der Societe des Etudes juives gehalten haben. Der Elftere sprach über jüdische Sekten in Galizien, nämlich die Chassidim und die Karäer. Der beliebte Romancier hat schon oft seine wohlwollende Gesinnung für unsre galizischen Glaubensgenossen und seine sehr auffällige Bekanntschaft mit talmudischen Gegenständen erwiesen. Dasselbe Wohlwollen bringt er selbst den chassidischen Verirrungen entgegen, die er aus eigener Kenntniß schildert; weniger erfahren wir von den Karäern, was nicht längst bekannt wäre. Das Ganze ist im Feuilletonstyl gehalten und hat sicherlich bei den Zuhörern, besonders den Zuhörerinnen, großen Beifall gefunden. Als ernster Forscher tritt vielmehr der bekannte Egyptologe Maspero in seiner Vorlesung „Syrien vor dem Einfall der Hebräer" auf. Nach den egyptischen Monumenten und Urkunden schildert er die Zustände bei den kriegerischen Volksstämmen Canaans und bei dem Handelsvolke der Phönizier und das Berhältniß Egyptens zu ihnen. So weit das Material reicht, zeigt er, daß die Egypter das Land nicht sowohl in Besitz genommen, als vielmehr in einen beständigen Kampf mit ihnen verflochten waren, da die unterworfenen Städte immer von Neuem sich erhoben und den auferlegten Tribut verweigerten. Die Handelsbeziehungen Egyptens und Phöniziens auf Karavanenstraßen und zu Schiff waren beträchtlich. Jedenfalls geht daraus hervor, daß es keine kleine Waffenthat der Israeliten war, sich einen großen Theil des Landes anzueignen, wo sich dann jener immerwährende Kampf mit den früheren Einwohnern erneute und zwar mit wechselndem Waffenglück. Allerdings ist es nur eine allgemeine Vorstellung, die wir bei dem mangelhaft vorhandenen Material und im Rahmen einer Vorlesung aus den Untersuchungen des Herrn Maspero erhalten. — Unsre Leser werden sich des Berichtes über die Abhandlung des Herrn A. Löwy in London erinnern, in welcher die Echtheit des viel besprochenen Mesa-Steines bestritten wurde. Wir bemerkten schon damals, daß diese Abhandlung wiederum zu sehr verschiedenen Beurtheilungen veranlassen werde. Eine solche giebt Herr I. Halevy in der vorliegenden Lieferung der Revue. «'Während er den meisten grammatikalischen Bemerkungen Löwy's Gerechtigkeit widerfahren läßt, wirft er ihm mit Grund Vor, den paläogrophischen Theil der Frage gänzlich Vernachlässigt zu haben; aber gerade dieser sei über die Frage der Echtheit entscheidend. Herr Löwy mußte Nachweisen, Von welcher Schriftart die vermeintlichen Fälscher die Schrift des Mesa- Steines, die nach ihm erst jetzt auf den uralten Stein geschrieben sei, entnommen hätten — dies hat er aber nicht gethan, ja nicht einmal in Betracht gezogen, womit dann die Sache noch auf sich beruhe. Bonn, 12. Juli. In Chicago Jll. lebt ein 80jähriger Rabbiner Liebmann Adler, den seine Gemeinde Anshe Maarab seit einigen Jahren nach langer pflichtgetreuer Amtirung auskömmlich Pensionirt hat. Schon vor 50 Jahren trug er sich mit dem Gedanken, ein „Zeenna Urenna" in zeitgemäßer Umgestaltung zu verfassen. Bekanntlich war dieses Buch, das zuerst 1648 erschien, ein Erbauungsbuch in jüdischdeutschem Dialect für Frauen und Mädchen, das die 5 Bücher Moses auf seine Weise erklärte und gewissenhaft am Sabbath Nachmittag, eine Sidra nach der anderen, vom weiblichen Geschlechte gelesen ward. Das Buch kam natürlich mit der eingetretenen Bildung außer Gebrauch, da es weder inhaltlich noch sprachlich den Anforderungen noch genügte. Ersetzt wurde es durch eine andere Schrift nicht, denn die einfache Mendelssohn'sche Uebersetzung des Pentateuch sagte denen, welche an Clauren und Spindler, an Bürger und Schiller ihr Gefallen fanden, nicht zu. Herr Adler führte seine Absicht nicht aus, und jetzt beglückwünscht er sich dazn, da voraussichtlich die damalige Bearbeitung dem gegenwärtigen weiblichen Geschlechte auch nicht mehr zugesagt hätte. Er sagt: „Die Mädchen theilen mit den Knaben dieselben Schulen und zwar durchschnittlich mit größerm Erfolg. In unseren