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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-21 · Heft 29 (21.7.1887) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 29 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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453 über, dessen Größe er würdigt, und läßt sich ausführlich über die Herrlichkeit Ahrons aus, dessen Gewandung er mit vieler Bewunderung schildert. Auch Pineas wird gerühmt, und daß der Bund des Priesterthums ein ewiger sei, wie der königliche mit dem Davidischen Geschlecht. Nun werden Josua und Caleb gefeiert, der Richter Erwähnung gethan und Samuel gepriesen. David und Salomon folgen, von dem ersteren werden nicht bloß die Heldenthaten, sondern auch die Psalmen, durch welche er den Gottesdienst verherrlicht habe, gerühmt, doch auch seiner Sünden und der unheilvollen Schwächen Salomos, denen Israel sein Unglück zu verdanken habe, wird gedacht. Daß übrigens das Davidische Geschlecht nicht ausgestorben sei, hebt Sirach hervor. Von den Königen gedenkt er nur Hiskia's, den Jesaias belehrte, und Josia's. Sonst erwähnt er von den Propheten noch Jeremia's und Ezechiel's, besonders aber rühmt er die Thaten des Elia und des Elisa. Bemerken wollen wir, daß Sirach von jendn Legenden, nach welchen die Israeliten mehrere Propheten getödtet haben sollten, was ihnen oft genug zum Vorwurf gemacht wird, nichts weiß, obschon er der Mißhandlungen, die Jeremias erfuhr, wohl ermähnt. Er feiert auch Serubabel und den Hohenpriester Jesua, gedenkt rühmend Nehemia's, aber übergeht Esra mit Stillschweigen, was sehr bemerkenswerth ist. Schließlich läßt er sich in einen dichterischen Lobpreis auf den kurz vorher verstorbenen Hohenpriester Simon, Sohn des Onia, ein, dessen persönliche Erscheinung er nicht mit Worten genug zu preisen vermag. Daß übrigens Sirach vor den syrischen Bedrängnissen gelebt, läßt sich daraus schließen, daß er am Schluffe seinen Haß gegen drei Völker, von denen jedoch das dritte „kein Volk" sei, ausspricht, nämlich die Jdumäer, die Philister und die Samaritaner in Sichern, die er „thöricht" nennt. Dann schließt er seinen geschichtlichen Excurs, indem er seiner selbst, Jesua, der Sohn Sirachs, von Jerusalem, gedenkt, „der Weisheit ausftrömte aus seinem Herzen" und dem Heil verspricht, der in dieser Weisheit wandelt. Ein inniges Dankgebet und eine nochmalige Ermahnung zur Weisheit schließt das Buch, wobei er sein eifriges Streben noch Weisheit von Jugend an hervorhebt, wie voll Gefahren und Noth sein Leben gewesen, Gott aber ihn aus allen Bedrängnissen vermittelst der Weisheit geholfen habe. — So nehmen auch wir Abschied von der „Weisheit Sirach's." Was die obige übersichtliche Darstellung gelesen, wird sich von der Fülle des Guten und Schönen überzeugt haben, das uns das Buch bietet. Wenn die „Sprüche Salomo's," denen Sirach an Idee und Form sich anschließt, an Originalität und klassischem Ausdruck ihm voranstehen, so zeigt doch das Werk Sirach's eine vertieftere und erweiterte Welt, ein vielgestaltigeres Leben, vor Allem aber eine religiösere Richtung, die das ganze Leben durchdringt und sich zum Unterbau aller Verhältnisse macht, so wie den festen biblischen Standpunkt, die Kenntniß und treue Verehrung des Gesetzes, ein Festhalten des cultuellen Wesens, wie es sich auf mosaischem Grunde gestaltet hatte. Von hier aus giebt unser Buch vielfache Gelegenheit, auf den allgemeinen Charakter der Zeit Schlüsse zu ziehen. Das Buch Sirach ist so eine werthvolle Gabe unserer Literatur und eine Zierde derselben. Nicht metaphysische Grübeleien, wohl aber einen reichen Schatz wahrer Lebensweisheit, ernstester Sittlichkeit und echter Religiosität finden wir hier. Möge der Odem dieses Geistes in allen Zeiten die Bekenner des Judenthums durchwehen. Mag diese Skizze bewirken, daß dieses, so recht der Seele unseres Stammes ensprossene Buch, unseren Glaubensgenossen näher gebracht und von ihnen lieb gewonnen werde. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 11. Juli. Wir erhalten von Paris ein zierliches Duodezheft: Les juifs et l’egalite par E. Duchiron. Prix 50. C. Paris, Guörin & Co. 1887. Der Vers, sieht sich aus Gerechtigkeitsgefühl und von dem Grundsätze des allgemeinen Menschenrechts aus gedrungen, gegen die Antisemiten und ihre grundlosen Anklagen anfzutreten. Er bekennt sich eonfessionslos, um darzuthun, daß er nicht aus religiöser Vorliebe die Verfolger der Juden bekämpfe, sondern weil „dieser Donquixote-Kreuzzug" kein anderes Motiv hat als den Neid und dessen Moral in der Fabel vom Wolf und dem Lamme ihren Grund hat. Er geht dann die gewöhnlichen Behauptungen der Antisemiten einzeln durch und widerlegt sie. Allerdings bringt er nichts Neues und besonders Geistreiches, aber als ein zu einem geringen Preise verbreitetes Flugblatt hat es seinen Werth und könnte mehr wirken als dickleibige Bände. — „Die Baticanische Handschrift der Halachot Gedolot, besprochen und in Auszügen mitgetheilt von Dr. I. Hildesheimer. Berlin, Jtzkowski. 1887." Das von Simon Kahira 742 nach der gew. Ztr. zu Pum-Pedita verfaßte Werk Halachot-Gedolot, eine Art Compendium aus dem Talmud, befindet sich in einem sehr mangelhaften Zustande. Nun besitzt die Baticanische Bibliothek einen sehr ausgezeichneten Codex, „der nicht nur außerordentlich viele Varianten von unsren Ausgaben enthält, sondern auch inhaltlich durch Zusätze und Weglassungen von den unsrigen abweicht." Der Vers, der vorliegenden Schrift hat Gelegenheit gehabt, längere Zeit Einsicht in diese Copie zu nehmen, Vergleichung beider Texte, des gedruckten und des handschriftlichen, vorzunehmen und Verschiedenheit des Inhalts selbst, des Ausdrucks und der Lesarten zu constatiren. Er gedenkt daher, die vom Comite der Mekize Nirdamim beab-

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