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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-21 · Heft 29 (21.7.1887) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 29 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
Seite 451 (sequence 3)
Language
German
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451 mandem bei einem Abschluß auf einen engeren Kreis, sondern unwillkürlich dehnt sich sein Interesse über die nächsten zu immer weiteren Kreisen aus. Nur der engherzige, eigennützige Mensch schließt sich auf seine vermeintlichen persönlichen Interessen ab, und der wird als Jude ebenso wenig für jüdische Angelegenheiten Etwas übrig haben, wie für patriotische und humanitäre Werke. Wir freuen uns deshalb aufrichtig des erwachten Gemeinsinns in unseren Glaubensgenossen und erhoffen von ihm .für das Judenthum ebenso reiche Früchte wie für das Vaterland und die Menschheit. Die Moral -es Huches Iesua den Lirach's. IV. Auf diese zusammenhängende Rede folgt wieder eine Sammlung von Sprüchen (Cap. 18,15 bis Cap. 23.) Sie alle tragen das Gepräge reinster Sittlichkeit, aber auch weiser Lebensklugheit. Viele Beziehungen und Verhältnisse des Lebens werden zutreffend besprochen und für sie Regeln gegeben, welche ebenso vorsichtig den obwaltenden Umständen nachzugeben, wie in anderen Fällen energisch Widerstand zu leisten rathen. Der Vers, geht darauf aus, daß der Einzelne sein Schifflein sicher durch die überall auftauchenden Klippen und Untiefen führe, vor Allem aber sich von Schuld und Sünde frei erhalte, oder, wenn er darin verfallen, mit aller Kraft wieder frei mache. Wir wollen eine kleine Auswahl zur Charakteristik Herstellen. „Kind, beginnt Sirach hier, beim Wohlthun enthalte dich des Vorwurfs und bei jeglicher Gabe kränkender Reden." — „Ehe du Andere richtest, prüfe dich selbst: so wirst du in der Stunde der Vergeltung Gnade finden." — „Denke an die Zeit des Hungers zur Zeit des Ueberflusses, an Armuth und Dürftigkeit in den Tagen des Reichthums." — „Wer seiner Lust sich freuet, verdient Tadel; wer aber den Lüsten widersteht, beglückt sein Leben." — „Hast du ein Geheimniß gehört, so laß es mit dir sterben, sei ruhig, du wirst nicht daran bersten." — „Die Kleidung eines Mannes, das Lachen der Zähne und sein Gang verrathen, was an ihm ist." — „Mancher hat Glück im Unglück, und es giebt Gewinn, der zum Verlust wird." — „Für Fußketten gilt Unvernünftigen Zucht und für Fesseln an der rechten Hand. Wie goldner Schmuck ist dem Verständigen Zucht und wie Geschmeide am rechten Arm." — „Beweine sanft den Tobten, denn er ist zur Ruhe gekommen; des Thoren Leben aber ist ärger als der Tod." — „ Hölzernes Gebälk, zu einem Hause verbunden, wird durch keine Erschütterung zerrissen. Also erbebet zu keiner Zeit ein Herz, das fest steht auf gefaßten Entschlüssen." — Immer aber gipfelt sich des Verfassers Anschauung in dem Satze: „Alle Weisheit ist Furcht des Herrn und bei aller Weisheit ist Erfüllung des Gesetzes." — Hieran schließt sich ein kurzes Gebet, daß Gott ihn vor dem Mißbrauch der Zunge und vor bösen Lüsten bewahre, deren Folgen an Mann und Weib geschildert werden. — Einen neuen Theil seines Werkes beginnt Sirach mit einem abermaligen Lobe der Weisheit (Cap. 24), das jedoch mehr an rednerischem und poetischem Schmuck als an Inhalt reich ist. Er vergleicht die Weisheit einzeln mit allen herrlichen Bäumen und dann mit den Flüssen. Hervorzuheben ist nur, daß er Israel als „die Wohnung" der Weisheit rühmt, wo Gott ihr eine bleibende Heimstätte gegeben, und daß sie enthalten sei im Gesetze Mose's, dem Erbtheil der Gemeinde Jeschuruns. Die hierauf folgende Zusammenstellung von Sentenzen macht sich dadurch bemerklich, daß in einzelnen Absätzen eine Reihe von Versen immer einem Gegenstände, einem Momente der Sittlichkeit gewidmet ist, und daß der Vers, öfter sich der Zahl zur Vereinigung gemeinsamer Gegenstände bedient. So beginnt er mit dem schönen Satze (25, 1): „Mit drei Dingen schmücke ich, die Weihest, mich, und trete geschmückt auf vor dem Herrn und vor den Menschen: Eintracht unter Brüdern, Freundschaft unter Nächsten und Mann und Weib, die sich mit einander vertragen." Ausführlicher reiht er seine Sätze an einander über das böse und guteWeib, über das Thun des Kaufmanns und Krämers, die sich schwerlich vor Vergehungen hüten können, über Vorsicht im Gespräch, die Wahrung von Geheimnissen, die Verwerflichkeit von Zorn und Rache, welcher letzteren schon um dessentwillen nicht nachzugeben sei, weil wir vergeben müssen, da wir selbst von Gott Vergebung erhoffen, über Ohrenbläserei und Zweizüngigkeit, über Barmherzigkeit und wie Schuldner gegen ihre Gläubiger zu verfahren pflegen, und Bürgschaften, über das Glück, ein eigenes Dach zu besitzen, und wie wenig willkommen meist ein Gast ist, über die Erziehung der Söhne, den Vorzug der Gesundheit, und wie man sich der Traurigkeit nicht überlassen solle. Er sagt hier: „Ueberlaß nicht der Traurigkeit deine Seele und plage dich nicht selbst mit deinen Gedanken. Ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben und Freude schaffet hohes Alter. Neid und Zorn kürzen die Tage und Sorge bringt Alter vor der Zeit. Ein heiteres und frohes Herz läßt sich die Gerichte bei Tische angelegen sein." — So spricht Sirach ferner in weiser Rede über den Werth des Reichthums, den er durchaus nicht verachtet, nur daß er zu viele Versuchungen bietet, wo hingegen der Reiche, wenn er diese Versuchungen besieht, wohlthätig und ehrenfest bleibt und sich Verdienste erwirbt, um so rühmenswerther ist. Er giebt Regeln, wie man sich bei Tische zu benehmen habe, namentlich auch beim und mit dem Weine. Er handelt über die Pflichten des Vorstehers, giebt dem Jünglinge für sein Fortkommen im Leben reise Rathschläge, empfiehlt 29*

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