Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- Seite 445 (sequence 13)
- Language
- German
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445 Staaten, Herrn Strauß, empfangen. Herr Strauß, der erste Israelit, der in Konstantinopel eine so hohe diplomatische Function bekleidet, wurde von Osman Ghazi Pascha, dem Vertheidiger von Plewna, eingeführt und dem Sultan vorgestellt, welcher erklärte, er habe sich über die Wahl des Herrn Strauß zum Vertreter Nordamerika's schon gefreut. Bonn, 10. Juli. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der jüngst verstorbene hiesige Arzt Dr. Adolf Goldberger hat einen bedeutenden Theil seiner Nachlassenschaft, etwa 200,000 Gulden, dazu bestimmt, Jahrhunderte hindurch capitalisirt zu werden, bis das derart angehäufte Capital sich 22 mal verdoppelt und die Höhe von Milliarden erreicht, deren Zinsen dann zu philanthropischen Zwecken verwendet werden sollen. (Das erinnert an Eugen Sue's Roman „Der ewige Jude"!) — In Satorolja-Ujhely fand den 22. v. M. die Feier der Grundsteinlegung einer neuen Synagoge statt. Der Obergespan und ein zahlreiches Publikum wohnten der Feier bei. — Man schreibt uns aus Württemberg: Am Mittwoch, 29. Juni, geleitete man in Freudenthal den Bezirksrabbiner M. Haas, der nahezu 30 Jahre daselbst segensreich gewirkt, zu Grabe. Ein zahlreiches Trauergefolge, in dem man auch angesehene Christen, u. A. den ganzen Gemeinderath, den Geistlichen u. a. m. erblickte, gab dem trefflichen Manne das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte. An seinem Grabe hielt Hr. Bezirksrabbiner Dr. Silberstein aus Wiesbaden, der telegraphisch herbeigerufen war, eine ergreifende Rede, wie sie nur der Freund dem Freunde zu halten vermag. Nach ihm sprach Hr. Bezirksrabbiner Dr. Engelbert aus Heilbronn, der gleichfalls mit dem Verstorbenen durch Freundschaftsbande innig verknüpft war, Worte der Wehmuth und der Trauer. — Gegenwärtig sind von den 12 Rabbinaten in Württemberg zwei erledigt (Buttenhausen und Frendenthal). Wie man hört, sollen sie wieder besetzt werden. I e u i l l e 1«n. Corresponden;. M. Gladbach, im Juni. Bericht über die am 31. Mai und 1. Zuni 1887 in Crefeld abgehaltene Conferenz des Vereins israelitischer Elementarlehrer Westfalens und der Rheinprovinz. Obgleich wegen des Zusammenfallens der christlichen den jüdischen Pfingstfeiertagen die Zeit für die Generalversammlung in diesem Jahre sehr ungünstig lag, hatten sich doch aus allen Theilen Westfalens und der Rheinprovinz 57 Lehrer, gegen 46 im vorigen Jahre, eingefunden. — Am 31. Mai, Nachmittags 3V4 Uhr, eröffnete der langjährige Vorsitzende Blumenau-Bielefeld die Versammlung, seiner Freude Ausdruck gebend, eine so zahlreiche Versammlung begrüßen zu können. Hierauf stellte der Vorsitzende die Ehrengäste, Herrn Oberrabbiner Dr. Horowitz und den Vorstand der Crefelder Gemeinde vor, theilte mit, daß von dem D. I. G. B. den Conferenzbesuchern ein Reisezuschuß von 100 Mark bewilligt sei. Aus dem Bericht über die „Unterstützungs-Casse" theilen wir mit, daß die Casse seit dem Beginne der Auszahlungen >m Jahre 1872 9 Wittwen, 19 Waisen und 5 emeritirte Lehrer mit im Ganzen 31,871 Mark unterstützt hat. Das Vereinsvermögen beläuft sich zur Zeit auf etwa 58,500 Mk- Im Anschluß an diese gewiß hocherfreulichen Mittheilungen ermunterte der Vorsitzende die Versammlung für die Casse unermüdlich zu wirken, und zeigte ihr die Wege, wie man bei verschiedenen Gelegenheiten für dieselbe etwas thun könne. Herr Rüdenberg, Vorsitzender des Vorstandes der Gemeinde Crefeld, gab seiner Freude Ausdruck über die Wahl des Ortes und die bedeutungsvollen Fragen der Tagesordnung. Mit besonderem Interesse sehe er dem Punkt 4: „Lehrstoff und Lehrziel für den jüdischen Religionsunterricht an Gymnasien und höheren Lehranstalten überhaupt" entgegen, da gerade der Religonsunterricht an diesen Anstalten sich noch sehr wenig in festen Geleisen bewege. — Herr R. theilte nun mit, daß die Gemeinde Crefeld, um ihrem Interesse an der Thätigkeit des Vereins und ihre Freude über unser Tagen in ihrer Mitte Ausdruck zu geben, der Unterstützungscasse einen außerordentlichen Zuschuß von 300 Mark überwiesen habe und schloß mit dem Wunsche, der Unterstützungsfonds möge sich immer mehren und die Verhandlungen der Conferenzen stets fruchtbringend sein für Lehrer und Gemeinden. Lebhafter Beifall folgte diesen schönen Begrüßungsworten. — Hierauf ergriff Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz das Wort. Das Berhältniß des Rabbiners und Lehrers sei ein collegiales, denn der Lehrer ist der Bildner der Gemeinde; er legt de» Grundstein, von dessen Gediegenheit die Zukunft der Gemeinde abhängt. Erst auf diesen von dem Lehrer gebauten Fundamente baut der Rabbiner weiter. Nach einer kurzen zur Geschäftsordnung gehörenden Debatte schritt man zu Punkt 2 der Tagesordnung: „Ist zum Schulgebrauch eine abgekürzte Tefillah und ein Auszug aus dem Pentateuch empfehlenswerth?" Referent: Levi-Neuß. Korreferent: Löb-Cöln. *