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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Date
1887-07-14
Page
Seite 446 (sequence 14)
Language
German
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446 Referent Levi-Neuß hatte seinem Bortrage folgende Thesen zn Grunde gelegt: 1. Es ist nicht möglich, den Pentateuch in der gegebenen Reihenfolge ohne Auswahl zu übersetzen, weil viele Stellen ihres Inhalts wegen sich nicht für das Kindesalter eignen; weil einzelne Stellen sehr große Schwierigkeiten beim Uebersetzen bieten; weil, wenn ohne Auswahl vom 1. Buche Moses an übersetzt wird, die schönsten ethischen Stellen der späteren Bücher bei der dem Unterrichte knapp zugemessenen Zeit nicht zur Durchnahme gelangen könnten. 2. In den einclassigen Schulen ist eine Uebersetzung in die Hände der Kinder zu geben; aber die bisher benutzten sind nicht für den Schulgebrauch eingerichtet und auch schon darum nicht zu empfehlen, weil sie auch diejenigen Stellen enthalten, mit denen das Kind nicht bekannt gemacht werden soll. — 3. Die fertige Auswahl, wie solche in einer zu schaffenden Chrestomathie geboten wird, ist viel weniger dazu angethan, die Hochachtung des Kindes vor der heil. Schrift herabzustimmen, als wenn recht häufig vor den Augen des Kindes eine Kürzung oder Auswahl vorgenommen werden muß. 4. Die Chrestomathie soll den Pentateuch für die begabteren und fleißigeren Kinder nur bis etwa zum 12. Lebensjahre ersetzen; alsdann erhält das Kind den ganzen Pentateuch, aber ohne gedruckte Uebersetzung. 6. Ernste religiöse Bedenken stehen der Einführung einer Chrestomathie, soweit die Versammlung sich zur Beurtheilung für berechtigt hält, nicht entgegen. — 6. Die Lehrerconferenz hält es aus den angeführten Gründen für wünschenswerth, beim Unterricht im Pentateuch eine Chrestomathie zu benutzen. — Correferent Löb-Cöln stellte nur folgende These auf: „Der Pentateuch und die Tefillah werden in unseren Schulen vor wie nach unverkürzt gebraucht." — Referent Levi hatte nur für Pentateuch gearbeitet und dasselbe Verfahren in einem kurzen Anhänge auch für die Tefillah empfohlen. Die Versammlung beschloß, die beiden Disciplinen getrennt zu behandeln. — Die sich anschließende Debatte wurde eine sehr erregte. In ihrer heiligen Begeisterung für die Sache meinten sogar einige, es handle sich darum, die heilige Thora zu zerreißen. — Hiergegen erklärte Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz, daß Auszüge für Schulzwecke vom religiösen Standpunkte wohl statthaft seien und machte den Bermittelungsvorschlag, den Text vollständig beizubhalten, nur die Uebersetzung zu kürzen und streng zu controliren. — Die Versammlung einigte sich in der Annahme der 1. These des Referenten Levi. — Da bei These 2 der Antrag des Correferenten Löb, „es möge den Kindern für Pentateuch und Tefillah überhaupt keine Uebersetzung in die Hände gegeben werden", die Mehrheit für sich hatte, zog der Referent Levi seine weiteren Thesen zurück, infolge dessen die Versaüunlung zu keinem endgültigen Resultate kam. — Für die nächste Jahresversammlung wurde Düsseldorf gewählt und nachfolgende Vorträge für dieselbe angenommen: 1. Die berufliche und sociale Stellung des jüdischen Lehrers. Referent: Coblenz-Siegen. 2. Me ist es möglich, in einer einclassigen jüdischen Schule alle Abtheilungen gleichzeitig schriftlich und mündlich zu beschäftigen? Referent: Mandel-Linz a. Rhein. 3. Schülerbibliothek für jüdische Schulen. Referent: Oberrabiner Dr. Horowitz, (wozu noch später 4. das Referat Blumenau-Bielefeld über den Religionsunterricht an höheren Schulen angenommen wurde.) Herr Oberrabbiner vr. Horowitz drückte sein Bedauern aus, den Verhandlungen des folgenden Tages nicht beiwohnen zu können, indem er in Angelegenheiten, die keinen Aufschub dulden, eine weitere Reise unternehmen müsse. Er schilderte dann den Stand des jüdischen Elementarlehrers, hob besonders hervor, daß weit mehr als die Religionsschule, die jüdische Elementarschule segenbringend tvirken kann; bat die College», wo es irgend geht, für die Vermehrung der Religionsstunden einzutreten und schloß mit den schönen Worten, daß wie die Rose in erster Reihe sich und dann auch den Garten schmückt, der tüchtige und berufstrene jüdische Lehrer zunächst sich selbst ehrt, dann aber auch dem ganzen Lehrerstande zur Zierde gereicht und seiner Gemeinde zum Segen wird. 2. Tag: Seniinarlehrer Treu-Münster hielt seinen Vortrag: „Die Prätendenten der Schule, ihre Förderungen und Hindernisse." Referent sprach zunächst allgemein über die Schule und zog dann speciell jüdische Schulverhältnisse mit in den Rahmen seiner Ausführungen. Als Uebersichtspunkte des 1 ständigen, trefflichen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages mögen folgende dem Inhalte desselben entnommenen Sätze dienen: 1. Die Volksschule ist wie kaum ein zweites Institut, Gemeingut aller Claffen, Stände und Corporationen, zu deren Förderung und Abwehr von Schäden ein jeder nach Kräften beizutragen berufen ist. — 2. Bon einer Seite ist zu wenig Verständniß vorhanden, während andererseits unwürdige und unlautere Beurtheilung zur Geltung sich hervordrängt. 3. Die Volksschule giebt die Grundlage aller Bildung, %

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