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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Date
1887-07-14
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 werde, sei das geschlachtete Thier als nicht koscher anzusehen. Der Schächter habe sodann das Vieh mit einem Siegel zu versehen, welches den Tag der Schlachtung angebe. Kein Jude dürfe beispielsweise Geflügel essen, welches vor mehr als 3 Tagen geschlachtet worden. Der Gerichtshof gelangte auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagte sich durch die begangene Täuschung eines versuchten Betruges schuldig gemacht, wofür er ihr eine Geldstrafe von 20 Mark auferlegte. Berlin, 30. Juni. Die „Frkftr. Z." enthält folgenden Artikel: (Wir werden ja sehen, wie weit dies sich bewahrheitet.) Große Plakate mit der Ueberschrift D. A. B., das heißt: Deutscher Antisemiten-Bund, laden an den Anschlagssäulen zu einem „antisemitischen Volksfest" für nächsten Sonntag auf den Bock ein. Festrede des Herrn Reichstagsabgeordneten Böckel und ein „großes Militärconcert!" — Es kommt ganz so, wie wir es erwartet haben. Die Judenhetze, die während der letzten Reichtagswahlen, um das Gedeihen der Kartellbrüderschaft nicht zu stören und die Gewissen der Herren Lazarus und Goldschmidt zu beruhigen, etwas in den Hintergrund und zur Ruhe gewiesen wurde, darf sich jetzt wieder offen hervorwagen. Mancher, der früher aktiv mitthat, verhält sich jetzt als Kartellbruder allerdings nur zuschauend, aber als Zuschauer mit vergnügtem Schmunzeln. Es darf ja auch niemanden überraschen; Herr Wolff, der Gegenkanditat Virchow's, für den die Herren Lazarus und Goldschmidt als Wähler des zweiten Reichstagswahlkreises sich speziell begeisterten, hat in einer seiner Wahlreden mit anerkennenswerter Offenheit versichert, daß der Antisemitismus nur auf Zeit zur Disposition gestellt sei, später aber tviedcr ans die Tagesordnung komme. Sein neuester Apostel ist Herr Böckel. Es ist richtig, die Konservativen haben ihn im Reichstage bei seinem Auftreten im Stich gelassen, ein Thcil von ihnen wird es vielleicht auch ferner thun, denn der Mann ist von einer gefährlichen Ungeschicklichkeit und als reiner Antisemit weder orthodox noch gouverncmental. Ein anderer Theil der Konservativen bereut aber bereits, wie aus genissen Organen hervorgeht, bei der „Schächtungsdebatte" Herrn Böckel nicht beigesprungen zu sein. Hofprediger Stöcker hat sich in öffentlicher Versammlung dafür sogar ziemlich demütig entschuldigt, und er und seine Freunde sehen den jungen Heißsporn, der berufen scheint, die abgewirthschafteten Liebermann, Henrici und Förster zn ersetzen, jedenfalls mit demselben Behagen an der Arbeit, mit der sie ihrerzeit jenen beifällig assistirt haben ohne grade offene Gemeinschaft mit ihnen zu machen. — „Großes Militärconcert " auf einem antisemitischen Volksfest! Das ist eigentlich das Beachtenswertheste an der Sache, denn es beweist, daß trotz aller offiziösen Verleugnungen des Antisemitismus in der Wahlzeit, die sich ja sogar bis an die Person des Herrn Hofpredigers heranwagten, die Judenhctze in ihrer rohesten Form sich noch gewisser Protektion erfreut. Das Verhalten der Militärbehörden zu den politischen Parteien und Persönlichkeiten ist ja jetzt der Maßstab für patriotische Gesinnung und nationale Ehrenhaftigkeit. Bei Festen der Freisinnigen und Demokraten darf die Militärmusik nicht Mitwirken, das antisemitische Volksfest aber darf sie verschone». Dem Leichenzuge von Ehrenmännern wie Büchtemann und Straßmann wurde die Militärmusik in kränkender Form verweigert, Herrn Böckels Festrede wird tvahrscheinlich ein Tusch der Militärmusik abschließen. Berlin, 4. Juli. Das von dem Abg. Böckel insccnirte antisemitische Volksfest ist ohne allen Eclat vorübergegaugen. Ueber die Ziele des Antisemitismus, „der allein den gesunden Geist des Volksgefühls repräsentier", verbreitete sich nach der „Kreuzztg." der Reichstagsabgcordnete Di-. Böckel am Sonntag auf einem antisemitischen Volksfeste — mit Militärmusik — auf der Berliner Bockbraucrci. Nur ans dem Wege der Gesetzgebung könne eine Aenderung erreicht werden; wie im freien Amerika gegen die Uebcrfülle der Chinesen das Chinesen-Gesetz angeordnet sei, so müsse in Deutschland gegen die Juden ein Juden-Gesetz verfaßt werden. Um dies zu erreichen, müsse freilich erst die öffentliche Meinung gewonnen, die Judenfurcht verscheucht werden. Mit allen Kräften solle man die Quintessenz der Bestrebungen des „D. A. B.", in die Verfassung den Einschub zu bringen, oaß es in Deutschland Deutsche und Inden gebe, unterstützen; die Deutschen seien die Herren des Landes, die Juden ein Gastvolk; das müsse erst im Gesetz vorgesehen werden, dann werde sich mit einem Schlage die ganze Lage zum Besseren wenden. (Das bezweckt weiter nichts, als sich fernerhin zum Abgeordneten zu empfehlen. Redact.) Breslau, 6. Juli. Wie wir schon berichtet, findet in diesem Jahre die Rabbinerversammlung in Breslau statt. Rach eben eingclaufener Nachricht beschlossen die versammelten Rabbiner, „um den Verdächtigungen und Mißdeutungen des Talmud zu begegnen, eine Commission einzusetzen, die eine encyclopädische Behandlung, wo möglich eine deutsche Ucbcrsetzung, veranstalten solle." Ein solcher Beschluß ist nicht schwer zu fassen, aber — die Ausführung! llcbrigens vergesse man die Arbeit des Dr. Rabbinowitz in 6 Bänden und die französische llebcrsetzung des Talmud Jerus. von Morse Schwab nicht. Fürth, 1. Juli. (Privatmitth.) Die Neuwahlen zum bairischen Landtag sind bis auf Würzburg, wo es sich um einen Israeliten nicht handelt, entschieden. Aus der Wahl gingen drei Israeliten hervor. — Die Confcssion des national-liberalen Fabrikanten Schloßslein-Kaiserslautern ist uns Unbekannt — es wurden gewählt: Rechtsanwalt Franken- 28

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