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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
Seite 429 (sequence 13)
Language
German
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429 geschlossene Form" und er ist — Antisemit! Mas aber den Mangel an „genetischem Zusammenhang" des jüdischen Genius betrifft, so scheint der genialste Denker, Spinoza, auf den ja doch auch sein Goethe große Stücke hielt, nicht ins Gewicht zu fallen. Die Kunst liegt aber dem jüdischen Genius so „fern", daß der Hiob, die Psalmen, das hohe Lied u. s. w., die unsterblichen Schöpfungen des jüdis den Genius, seit Jahrtausenden in allen Sprachen gelesen und von Kennern bewundert wurden, nicht zum Wenigsten vom deutschen Altmeister Goethe. Das sind Dinge, über die eigentlich kaum noch ein Wort zu verlieren wäre, wenn in unseren Tagen nicht die Antisemitenseuche wieder in einer Weise wüthete, daß sie selbst sonst klare Köpfe zu Urthcilcn verleitet, die dem gesunden Menschenverstände und der historischen Bildung Hohn sprechen." — Wir begnügen uns mit dieser Besprechung der „K. Z.", denn nach dem Buche selbst tragen wir kein Verlangen. Solche Leute, die einige Beobachtungen in der Welt gemacht und einige Gewandtheit des Ausdrucks besitzen, glauben über Alles und Jedes urtheilcu zu dürfen. Was liegt daran? Es sind Luftblasen, die in die Höhe steigen, einige Augenblicke schimmern, dann zerplatzen und verschwunden sind. I e u i l i c t o tt. Äus den Studienjahren 1829 bis Ende 1832 in Lerlin. ii. Wenn meine Leser mich bei dieser Gelegen.hüt fragen wollten, wodurch man denn eigentlich im Leben vorwärts komme, so würde ich antworten: wenn Glück und Geschick sich mit einander verbinden. Unter Glück verstehe ich das Zusammentreffen von Umständen, die Fügung von Verhältnissen, welche ein Unternehmen, das Erreichen eines Zieles begünstigen; Geschick aber ist, die Geschicklichkeit, die Befähigung, diese Gunst der Umstände zu erkennen, zu benutzen und durch Willens- und Thatkraft die Ausführung zu bewerkstelligen. Glück und Geschick verbunden! E''cs ohne das Andere macht es nicht. Ich habe Männer gekannt, die mit großem Wissen und ausgesprochenen Talenten die Gunst der rechten Zeit doch nicht zu benutzen verstanden r :r deren Thatkraft bei den ersten Schwierigkeiten erlahmte — sie gelangten zu keinem Ziele, wurden verluttert und verkümmerten immer mehr. Aber auch der bloße Glücksjäger verfällt bald in Jrrthümer und Schwindeleien und geht in der Regel unter. Doch noch Eines: um es in der Welt zu Etwas zu bringen, gehört nicht immer eine große Intelligenz. recht oft genügt die Tüchtigkeit in irgend einem Spezialfache bei sonstiger Beschränktheit; weßhalb sich oft die Menschen wundern, daß Schwachköpfe es nicht weit bringen: sie hatten die Geschicklichkeit, in irgend einem Zweige des geschäftlichen Lebens die rechte Conjunktur zu treffen. Nun, i h sage, daß ich auf meinem Lebenswege recht viel Glück geha't, daß sich mir recht oft günstige Gelegenheit darbot, daif aber auch sagen, daß ich nicht selten den rechten Zeitpunkt zu erfassen und dann mit Muth und Energie darauf loszugehen verstand. So schon in meiner Studienzeit. Ich stand sofort auf meinen eigenen Füßen. Schon nach den ersten Wochen wurde ich einem jungen Engländer empfohlen aus der bekannten Familie Hunter, der, der Theologie beflissen und von einer Reise durch Italien kommend, in Berlin einige Monate verweilen wollte, um die Elemente der hebräischen und chaldäischen Sprache sich anzueignen. Er war etwas älter als ich, ein kräftiger und großer Sohn Albions. Ich mußte ihm täglich zwei Stunden Unterricht erthcilen, die nach damaligem Verhältniß sehr gut bezahlt wurden. Außerdem ertheilte ich einem jungen mecklenburgischen Baron von Maltzahn französischen Unterricht, und so' war ich für das erste Semester reichlich versorgt, füge aber gleich hinzu, daß ich das Unterrichtertheilen nach diesem ersten Semester aufgab. Mein Engländer war überaus fleißig und hatte meist das Doppelte der gegebenen Aufgabe gelöst, wenn ich bei ihm wieder erschien, so daß er nach einigen Monaten das ihm erforderlich scheinende Ziel erreicht zu haben, glaubte. Doch stand ich einmal in Gefahr, daß der Unterricht schon früher aufhören möchte. Es fand nämlich die eigenthümliche Complication statt,daß ich kein Englisch, er weder Deutsch nochFranzösisch sprach, so daß ich ihm in lateinischer Sprache Vortrag hielt, wobei wir uns schnell an die Verschiedenheit der Aussprache des Lateinischen gewöhnten,und wo wir nicht auskamen,mit englischen und französischen Floskeln uns aushalfen. Einmal fragte er mich, warum ich denn dem Englischen fern geblieben, und ich war naiv genug, mich dahin zu äußern, daß mir das Englische wegen seiner harten und sonderbaren Aussprache und seines Klanges, nicht gefalle, während die italienische und französische Sprache harmoniös und mir dadurch sehr sympathisch seien. Da sprang der britische Löwe auf mit vor Zorn geröthetem Angesicht, und ich fürchtete schon, daß er mich an dem Kragen fassen und zur Thüre hinaus spediren werde. Aber er pflanzte sich nur vor mir auf und recitirtc nach einander eine Stanze von Tasso und eine von Byron, in der That mit höchst wohlklingendem Organ und mit edlem Pathos. Jetzt sollte

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