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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
Seite 427 (sequence 11)
Language
German
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427 ren Stadt um das Mandat zum Reichstage bewarb, richtete er ein Sendschreiben an die Wähler, worin er diejenigen, politischen Fragen beleuchtete, die auf die Tagesordnung des Abgeordnetenhauses in der nächsten Legislaturperiode zu kommen Aussicht haben. Besonders scharf sprach er sich gegen den Antisemitismus aus und verurtheilte streng denjenigen Theil des Clerus, der die Antisemiten unterstützt. Frankreich. Paris, 24. Juni. (Privatmitth.) Der Gedanke, die Trennung von Staat und Kirche nach amerikanischem Muster auszuführen, verbreitet sich in Frankreich gegenwärtig immer mehr und strebt darnach, bestimmte Gestalt zu gewinnen. Die Versuche in letzterer Beziehung sind aber bis jetzt noch geradezu ungeheuerlich und haben deshalb keine Aussicht, von den beiden Kammern angenommen zu werden, müssen jedoch von uns im Auge behalte» werden. In europäischen Staaten genügt es ja nicht, wie bei der Gründung der nordamerikanischen Union, jene Trennung auszusprechen, sondern die Hauptschwierigkeit liegt in dem Uebergang, in der angemessenen Auseinandersetzung mit den bisherigen Verhältnissen. Die französische Deputirtenkammer hat nun einen Ausschuß ernannt, der sich mit der Frage des Concordats zu beschäftigen habe. Nach langer Zeit ist wieder etwas aus dem Schoße dieser Commission vernommen worden. Die Mehrheit nämlich hat sich über einen Vorschlag geeinigt, der die Grundsätze und die lieber gangsmaßregeln für die Trennung von Staat und Kirche fcstsetzt. Der erste Satz spricht die Abschaffung des Concordats aus und bestimmt, daß Staat und Kirche getrennt sein sollen. Der zweite Grundsatz ist, daß die gesetzliche Stellung der zu bildenden örtlichen Kirchengemeinschasten dieselbe sein soll, wie die der örtlichen gewerblichen Fachvereine (Lzmäioats professionels). Auf Grund dieser Ausdehnung des Gesetzes über die Fachvereine würden die Bürger das Recht erhalten, zu religiösen Zwecken Vereine (Syndicate) zu bilden, sich zu besteuern und das zur Ausübung des Cultus in jeder Gemeinde nothwendige Grundstück zu besitzen. Die gegenwärtig den Cultuszwecken dienenden Grundstücke fallen als Eigenthum an den Staat, die Departements und Gemeinden zurück; jedoch können dieselben die betreffenden Gebäude an die Syndicate zur Ausübung des Cultus vermiethen, unter der Bedingung, daß die Vermiethung auf dieselbe Weise erfolge, wie jetzt die Ueberweisung, nämlich mittels Decret auf Grund eines Beschlusses des betheiligten Gemeinderaths. Endlich werden den gegenwärtigen Geistlichen, wenn sie das 50. Lebensjahr erreicht haben, Ruhegehälter, den jüngeren Wartegelder gewährt. Die Gesetze, namentlich die Säcularisirung der Gotteshäuser erinnern recht lebhaft an den Convent von 1793. Man sieht hieraus, wie weit diese Führer der Radikalen gehen wollen; aber schwerlich werden sie die Mehrheit der Kammern und noch weniger die Mehrheit des Volkes außer etwa in dieser oder jener großen Stadt zu ihrer Gefolgschaft haben. — Für die tunesischen Juden will man vorläufig einen Repräsentanten in Paris wählen, der sie bei der Regierung vertrete. Man will dazu den Herrn Eugen Pdreire, Vorsitzenden der transatlantischen Compagnie, ernennen, der bekanntlich jüngst die französischen Minister auf ihrer Reise durch Algerien und Tunesien begleitete. Rußland. Die „Kreuzztg." meldet, daß, nach einer neuen Verfügung, handeltreibende, nach Petersburg kommende Juden dort nur eine Woche verweilen dürfen. Großbritannien. London, 27. Juni. Der conservative Abgeordnete für North-Kensington, Herr Lionel Cohen, Chef des Bankhauses Cohen & Sons ist gestorben. Streng orthodox und voll treuester Anhänglichkeit an das Judenthum war er ein eifriger Förderer aller Interessen desselben, so wie ein pflichtgetreuer und enthusiastisch gesinnter britischer Bürger. Das englische Judenthum erleidet deßhalb durch den Tod Lionel Cohen's einen recht herben Verlust. — Die mit der bekannten Ausstellung verbundenen Vorlesungen gingen größtentheils vor sich. Die Vortragenden sind die Herren Joseph Jacobs, Lucien Wolf, Francis L. Cohen, Walter Rye, A. Löwy, Di". Groß, Prof. Gcactz, vr. Gaster; es stehen noch bevor: Di-. H. Adler, „über die Oberrabbiner Englands," am 30. Juni, und S. Singer, „das Erziehungswerk der englisch-jüdischen Gemeinde," am 4. Juli. (Lionel L. Cohen war im Jahre 1832 geboren und in jüdischen und Bankkreisen eine hervorragende Persönlichkeit. Er gehörte der conservativen Partei und den sogenannten Fair Traders oder verschämten Schutzzöllnern an und war ein besonderer Parteigänger des Tory-Demokraten Churchill Amerika. San Francisco, im Mai. Bon hier berichtet man, daß es Rev. vr. H. Gottheil gelungen sei, 100,000 Dollars zur Errichtung eines Lehrstuhles der jüdischen Literatur im Columbia-College zu sammeln. (Wenn die Zahl nur kein amerikanischer Humbug ist!) Syrien. Damaskus, im Juni. Die Juden Syriens und Konstantinopels sind, wie wir bereits berichteten, sehr aufgeregt 27*

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