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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
Seite 425 (sequence 9)
Language
German
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425 nämlich der Grundbesitzer Jpolyi, ein entlassener Beamter des Preßburger Comitats, Bruder des verstorbenen Bischofs von Großwardein, ferner der Pfarrer von Dercsika und endlich der Oberbeamte des Grafen Josef Batthyany Namens Vary zu den Kortesen Szabo's gehörten; der Letztgenannte hatte auch Wagen für die Antisemiten beigestellt. Als der Sieg Szabo's entschieden war, wurde dieser auf den Wahlplatz zur Ueberreichung des Wahlprotocolls abgeholt. Er hätte in einem ihm zur Verfügung gestellten Herrenwagen auf den Wahlplatz fahren sollen; allein er weigerte sich, diesen zu benützen und verlangte als „Sohn des Volkes" einen Bauernwagen, und auf diesem fuhr er in Begleitung des obengenannten Jpolyi, des Sigmund Ollö, eines entlassenen Notars von Karcsa, und des Perönyi, Notars von Szt.-Mihalyfa, auf den Wahlplatz, wo er abermals eine Anrede hielt. Dies geschah am Freitag. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, ungefähr nach 11 Uhr, gingen einige Officiere vom Nachtessen nach Hause und sahen aus dem zweiten Hause neben der Apotheke eine Flamme aufsteigen. Gleichzeitig lief ihnen aber ein Bursche in den Weg, der Geselle des Schuhmachermeisters Lorenz Molnar, eines der Hauptkortese von Szabo, der auch schon früher in Kisfalud die Anhänger Saghy's täglich angegriffen und auf sie geschossen hatte. Da dieser Bursche aus der Richtung des Feuerherdes hergelaufen kam, wurde er von den Officieren sofort gefaßt mit den Worten: „Tu Kerl hast das Feuer gelegt!" Ob diese Vermuthung auf Wahrheit beruht, wird die Untersuchung ergeben. Uebrigens soll schon am Samstag ein Mädchen gesagt haben, es werde ein Feuer ausbrechen und die Duna-Szerdahelyer Kaminfeger, welche am Samstag in der antisemitisch gesinnten Gemeinde Nyarasd ihrer Beschäftigung nachgingen, brachten von dort die Kunde heim, daß es in Szerdahely Feuer geben werde. Dieses nahm auch bald größere Dimensionen an und es wurden 80 Gebäude, die sogenannten „bildete udvarok“ eingeäschert. Durchaus arme Familien wurden von dem Unglück betroffen. Die Häuser brannten zumeist vollends aus und die Bewohner derselben liefen, ohne Zeit zum Ankleiden zu haben, im Hemde auf die Straße, um ihr nacktes Leben zu retten. Geraubt wurde nichts und dies wäre auch ganz unmöglich gewesen, da das Feuer mit großer Rapidität um sich griff und Alles, was in seinem Bereiche lag, verzehrte. Alle Welt ist darüber einig, daß das Feuer angelegt wurde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Oberstuhlrichter Carl Szabo und auch der Stuhlrichter Benedikt Ollö die Candidatur Szabo's favorisirten, anstatt im Vereine mit der Intelligenz und den besseren Elementen des Bauernstandes das Volk von diesem neuen Heilsapostel abwendig zu machen. Daß der Oberstuhlrichter Szabo dem antisemitischen Candidaten seine Patronanz lieh, wußte man auch am Sitze des Comitats, und doch war von Seite der Oberbehörden nichts geschehen, um diesem pflichtwidrigen Gebühren Einhalt zu thun. Dies hätte umsomehr erfolgen sollen, da in den intelligenten Kreisen heute die Ueberzeugung herrscht, daß vielfachen Aeußerungen des Volkes und allen Anzeichen nach die Bewegung in diesem Bezirk keine rein antisemitische mehr ist, sondern einen communistischen Charakter angenommen hat. Die kapntos smdsrsk, die „Herren", sind dort ebenso bedroht wie die Juden. * * * Von einem zweiten Correspondenten wird uns geschrieben: Duna - Szerdahely, 21. Juni. Wir haben schon 14 Tage vor der Wahl furchtbare Tage in Angst und Zittern durchlebt. Nachdem die Antisemiten gesiegt, dachten wir das Aergste überstanden zu haben. Und dennoch geschah das schreckliche, grausenerregende Unglück. Der von Juden bewohnte Theil des Städtchens liegt eingeäschert. Das Bubenstück, der Racheact der Antisemiten ließ die prasselnde Lohe gleichzeitig auf 4 Seiten hoch empor schlagen, verzehrte in wenigen Stunden das Jahre lang mühsam Errungene. 70 bis 80 Häuser sind total verwüstet, 120 Familien schrieen vergeblich mit verzweiflungsvoll ringenden Händen auf dem weit umher furchtbar erleuchteten Schauplatz um Hilfe und Rettung. Der Sturm heulte wild in die prasselnde Flamme und verschlang den Wehruf der Unglücklichen. Nur die Feuerwehr von Nyök und Varkony griff beim Löschen kräftig ein, wohingegen ein Theil der hiesigen Feuerwehr den Gehorsam versagte, eben deshalb, weil der Spritzen-Commandant ein Jude war. Die Saat der Zwietracht und des Racenhasses, welche der Abgeordnete Ludwig Szabo unter seinen Gesinnungsgenossen ausstreute, schoß in üppige Halme auf. Das ganze Stuhlrichteramt vom Adjunkten bis zum Kopfe verharrt vor und nach der Wahl in übelwollender Passivität. Selbst die eingeleitete Untersuchung wird flau betrieben. Nur ein königl. Commissär könnte den hiesigen Umtrieben Einhalt gebieten. % H * Im Laufe des heutigen Vormittags erhalten wir die folgende vom israelitischen Cultusvorstand in Szerdahely Unterzeichnete Depesche: Duna-Szerdahely, 22. Juni. Gegenüber den von antisemitischer Seite entstellten Zeitungsberichten, welche das große Unglück, das unsere Stadt betroffen, zu verkleinern suchen, wird von Seite der Sta^tbehörde der amtliche Schadenerhebungs-Bericht, der soeben fertiggestellt wurde, morgen in den halbamtlichen „Pozsonyvideki Lapok“ veröffentlicht werden. Das Resultat ist Folgendes: 79 Familien und deren Mitglieder, 460 an der Zahl, sind obdachlos geworden 27

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