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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
Seite 412 (sequence 12)
Language
German
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412 wohltätiges Werk, in rascher Weise Unterstützung dahin ge' langen zu lassen. Die Stadt ist von 39,000 Einwohnern, meist Juden und Armeniern, bewohnt, welche nunmehr in großes Elend ge» rathen sind. Auch die schöne Synagoge am Markte ist ein Raub der Flammen geworden. Bonn, 26. Juni. (Notizen.) Die Stadt Wernyi ist, wie aus Taschkend telegraphirt wird, durch ein Erdbeben zerstört. 3260 Gebäude stürzten zusammen, worunter auch der jüdische Tempel. Bonn, 19. Juni. (Literarische Notizen.) In Verbindung mit der Englisch-jüdisch-historischen Ausstellung in der Albert-Hall wurde Prof. Dr. Grätz eingeladen, nach London zu kommen und daselbst eine Vorlesung zu halten. Prof. Grätz ist mit außerordentlicher Herzlichkeit und großer Auszeichnung empfangen worden und wird in den nächsten Tagen eine öffentliche Vorlesung jüdisch-historischen Inhalts halten. Bonn, 20. Juni. (Literarische Notizen.) Seit mehreren Jahren bereits liegt uns die Schrift vor: „Die jüdische Stammverschiedenheit, ihr Einfluß auf die innere und äußere Entwickelung des Judenthums von Heinrich Mosler. Leipzig, Friedrich 1884." Wir standen jedoch an, darüber zu berichten, weil uns der Inhalt eher lächerlich erschien, als ernsthaft zu nehmen. Aber es hat dennoch seinen Nutzen, an einem Beispiel zu zeigen, wie weit sich die Extravaganzen einer ungezügelten und ungesunden Kritik und die Anwendung neuer Theorien auf Gegenstände des Alterthums verirren können. Um es kurz zu sagen, der Vers., welcher übrigens mit der entschiedensten Sicherheit, daß er allein das Richtige getroffen, auftritt, sieht den „Segen Jacobs" im 49. Cap. des 1. Buches Mos. allerdings als durchaus echt und eine Charakteristik der Stammväter enthaltend an. So weit können wir ihm beistimmen. Nun aber meint er vermittelst der übertriebensten Bererbungstheorie einerseits, daß der Charakter eines Stammvaters sich auf den ganzen Stamm vererbt, so daß die ganze Geschichte des Stammes diesen Charakter des Stammvaters wiederspiegelt. Aber noch mehr. Der Charakter des Stammvaters entspringt aus den besonderen Umständen, unter welchen er erzeugt worden. Diese Umstände bestimmen den Charakter des Stammvaters, also auch des ganzen Stammes und seiner Geschichte. Dies nachzuweisen, hat der Verfasser sich in dieser Schrift zur Aufgabe gestellt. Man kann denken, auf welchen unsicheren, oft ganz willkürlichen Wegen der Autor hier zu wandeln hat. Doch thut er dies mit der edelsten Sicherheit, mit der Miene der unbedingtesten Gewißheit. Geben wir» wohl zum Amüsement des Lesers, ein Beispiel gleich an dem erstgeborenen Rüben. Dieser ist nach Mosler „das Kind jener Brautnachttäuschung, jener ersten Zeit jugendlicher Schwärmerei, welcher sieben Jahre Dienst um die Heißerkorene wie wenige Tage nur bedünken. Als Kind so der ersten Kraft und Leidenschaft, die sich leider, beim vermeinten Ziele bereits angelangt, betrogen sieht, einestheils, und anderentheils als Kind eines, durch die Noth entschuldigten Betruges, ist er der geistig und körperlich begabteste unter seinen Brüdern, ein edler, talentvoller Schwärmer, aber ohne entsprechenden Rückhalt, jugendlich unbedachtsam, im Grunde ehrlich und nur in der Verlegenheit zur ungefährlichen List greifend. Er täuscht sich nicht so sehr in dem, was er erstrebt, als in der Wahl seiner Mittel." Diese willkürliche Charakteristik Rubens (wieso weiß der Autor z. B. daß Rüben körperlich „der begabteste unter seinen Brüdern war?), die willkürlich aus der Situation Jacob's und Leah's gezogen wird, soll nun aus den wenigen Nachrichten über Rüben und den noch geringeren über den Stamm Rüben nachgewiesen werden. Ja, daß wir über den Stamm Rüben „so gut wie nichts überliefert" haben, schreibt der Vers, „der Sorglosigkeit dieses Stammes, der sich stets verdrängen ließ", zu. An diesem Beispiele wird wohl der Leser genug haben. Daß auf diesem Wege die Geschichte z. B. des Stammes Levy vielfach sehr verdreht und aus willkürlich geschaffenen Gesichtspunkten betrachtet wird, war unvermeidlich. A e u i l t e t o n. Äus den Studienjahren 1829 bis Ende 1832 in Gerlin. i. Da ich einmal angefangen, meinen freundlichen Lesern aus verschiedenen Zeiten meines Lebens Vorgänge, Zustände und Erlebnisse zu skizziren, so mag ich wohl heute meinen Blick auf jene schöne, strebsame und glückliche Zeit wenden, welche den Universitätsstudien gewidmet war, jene Zeit voll Geistesschwunges, voll Zuversicht auf eine bedeutsame Zukunft und Thätigkeit, jene Zeit, wo man selbst über Entbehrungen lächelt und der Frage: was morgen? kaum Beachtung schenkt. Meine Leser würden sich nun getäuscht finden, wenn sie erwarteten, Schilderungen eines lustigen oder auch nur besonders heiteren Studentenlebens zu erhalten. Berlin war damals für ein solches kaum geeignet. Die Mehrzahl der ca.

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