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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
Seite 411 (sequence 11)
Language
German
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411 in der Handelswelt im Allgemeinen und bei den Juden insbesondere verursachte. Wir Juden Rußlands sind daher verpflichtet, jener Stadtverwaltung, sowie der hohen Regierung den herzlichsten Dank für eine so humane That, welche 10,000 jüdische Seelen vor gräßlichem Elend geschützt hat, auszusprechen, was eben hierdurch geschieht. Die auf Vorstellung des Senats vom Reichsrath angenommene neue Redaktion des § 1083 des XL Bandes, II. Theil des Gesetzcodex, betreffend diejenigen Personen, welche das Recht haben, als Rabbiner zu fungiren, lautet: Als die durch Gemeindewahlen der Glaubensgenossen zu diesem Amte bestimmten Personen, werden nur diejenigen von Gouvernements- Obrigkeit zugelassen, welche den Cursus der gewesenen Rabbinerschulen oder der allgemeinen höheren und mittleren Lehranstalten absolvirt und darüber von denselben Atteste haben, worauf erst die Gewählten als Rabbiner zu bestätigen und zu beeidigen sind. Der Passus dieses Paragraphen in der alten Ordnung, daß „bei Mangel an solchen Kandidaten jüdische Gelehrte aus dem Auslande vermittelst des russ Ministeriums des Innern eingeladen werden können", wurde jetzt gestrichen. — Es ist daraus zu ersehen, daß diese Gesetzgebung in der neuen Fassung des Paragraphen ein zweifaches Nebel zur Folge hat, indem sie, erstens, Ausländer von dem Rabbinatsamte ausschließt und zweitens, an die inländischen Kandidaten nunmehr größere Forderungen stellt als bisher, welche gegenwärtig auf einmal dieser Forderung nicht gerecht werden können, da wir keine Rabbinerschulen mehr besitzen, von denen wir solche Männer zu erhoffen hätten. Ueber die sog. „Pahkensche Judencommission," von der ich bereits in meinem letzten Schreiben mitgetheilt habe, daß sie geschlossen wurde, verlautet, daß sie ihre Elaborate dem Ministerium des Innern zur weiteren Beurtheilung übergab, und die überwiegende Majorität der „Commission" für die Nothwendigkeit der Erweiterung der Rechte der Juden, ja sogar für die gänzliche Aufhebung der „Jgnatiew'schen temporären Maivorschriften" von 1882 gestimmt haben. Die Minorität aber sträubte sich mit allen Mitteln dagegen und einige Minister, nämlich die der Domainen, der Justiz, der Wegecommunication und der Volksaufklärung haben sich der Minorität angeschlossen. Aus diesem Grunde, wie in maßgebenden Kreisen das Gerücht kursirt, soll in den nächsten Tagen ein Allerhöchster Befehl bevorstehen, welcher die „Pahlen'sche Judencommission" für aufgelöst erklärt und ihre Beschlüsse einer höheren Instanz überweist. Die militärische medicinisch-chirurgische Akademie zu Petersburg hat wieder einen Juden, den vr. weä. Herzenstein, zum Privat - Docenten creirt. An der Anstalt dociren bereits seit 3 Jahren zwei unserer Glaubensgenossen, die Herren vr. H. Schapiro und Or. P. Rosenbach. Diese Ernennung in dieser Akademie verdient ganz besonders erwähnt zu werden, da sie die jüdischen Studenten geradezu mit blindem Haß verfolgt. Daß die Genannten ihre Wahl verdient haben, braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden. Sie sind schon lange durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten in medicinischen Kreisen bekannt und wurden sogar auf Kosten der Regierung zur Vervollkommnung ihrer Studien in's Ausland geschickt. Von vr. Herzenstein ist vor Kurzem eine ausschließlich den Juden gewidmete sanitär-statistische Arbeit aon bedeutendem Werth erschienen. Der ehemalige Professor an der oben erwähnten Akademie, Wirklicher Staatsrath vr. I. Zion, der früher in Paris den „ Gaulois" und jetzt die „Nouvelle Revue" redigirt, ist von unserer Regierung zum Beamten für besondere Aufträge beim Finanz-Ministerium nach Petersburg berufen worden. — Die medicinische Facultät der Universität zu Moskau hat unsren Glaubensgenossen, Herrn vr. med. Josef Jakob zum Privat-Docenten für Geburtshilfe ernannt. In dieser Facultät fungirt bereits seit 1884 Herr K. Minor als Privatdocent der Neurologie. Der Flecken Bawanisz (Gouv. Minsk), dessen Einwohner fast ausschließlich Juden sind, ist gänzlich niedergebrannnt. Mehrere Juden sind verbrannt, viele andere schwer verletzt. — Auch in Kaidon (Gouv. Kowno) wurden nahezu 300 jüdische Familien durch einen Brand betroffen, wodurch sie obdachlos geworden sind. Das Elend dieser Betroffenen ist in beiden Städten grenzenlos, daher ist baldige Hülfe nothwendig. — Wie die Zeitung „Kur. Warsz." mittheilt, soll in der Nähe der Stadt Minsk eine neue jüdische Kolonie errichtet werden. Das uöthige Kapital wurde von den Glaubensgenossen gespendet. — Im Gouvernement Sedlez wurden von der örtlichen Obrigkeit 836 Cedarim, in welchem 6,378 Schüler Unterricht erhielten, geschlossen und an ihrer Stelle 44 Elementarschulen eröffnet. Es kann nicht oft genug vor der Einwanderung russisch-jüdischer Unterthanen in Palästina gewarnt werden. Auf die von dem russischen Generalconsulat in Jerusalem wieder in Erinnerung gebrachte Verordnung, daß kein russischer Ankömmling länger als dreißig Tage in Palästina verweilen dürfe, dringen die türkischen Polizeibehörden mit größter Strenge auf die Ausführung dieser Vorschrift, und es werden sogar strenge Haussuchungen nach dieser Richtung vorgenommen. Die Vereine zur Förderung der Kolonisation Palästinas durch unsere Glaubensgenossen in Rußland erhielten hierdurch einen harten Schlag in ihren Bestrebungen. Moses Feinkind. Rumänien. Bottuschan,18.Juni. Diese so zahlreich von unsren Glaubensgenossen bewohnte Stadt ist durch eine Feuersbrunst aufs härteste betroffen worden; über 1000 Häuser sind abgebrannt und viele Familien obdach- und hülflos. Es wäre ein höchst 28*

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