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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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409 Jungfrau und die Apostel waren Juden. Diese Bewegung ist aber auch eine antisvciale oder vielmehr eine kommunistische, gegen das jüdische Eigenthum gerichtete. Wenn aber in gewissen Elementen der Appetit nach jüdischem Eigenthum erwacht, dann wird er sich nicht auf dieses beschränken, sondern auch das Eigenthum des katholischen Bischofs und des katholischen Grafen angreifen. Diese Bewegung ist endlich unzweckmäßig , inopportun, unvernünftig; denn insofern die Juden einen üblen Einfluß auf die Gesellschaft üben können, wird demselben auf diesem Wege kein Ende gemacht werden. Wenn die Juden nach Laufbahnen streben, welche Universitäts-Bildung erheischen, so haben sie dies von uns gelernt. Geben wir ihnen in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel, dann werden auch sie mehr geneigt sein, ihre Kinder zu Handwerkern, Ackerbauern und Gewerbetreibenden zu erziehen. Für die Märamaroser und oberungarischen polnischen Juden, die im Allgemeinen keine großen Freunde der Civilisation sind und noch an den Wunderrabbi glauben — müssen wir überall Schulen errichten; das ist ein sichereres Mittel, sie zu ändern, als der Antisemitismus." Agram, 13. Juni. (Privatmitth.) Bei den heute stattgefundenen Wahlen in den kroatischen Landtag wurde in Belovar der Candidat der Nationalpartei, Herr Max Rosenberg, einstimmig gewählt. Es ist dies der erste Jude, der seit vielen Jahren wieder in den kroatischen Landtag gewählt wurde. A«S Ungarn, 19. Juni. In einem Leitartikel zählt die „Franks. Ztg." die Schwierigkeiten auf, mit welchen die ungarische Regierung gegenwärtig bei den stattfindenden Wahlen zu kämpfen hat, als da sind: Die Unzufriedenheit wegen des Ausgleichs mit Oesterreich, die Wasserfluthen u. s. w. Dann heißt es weiter: „Eine andere Widerwärtigkeit, mit welcher die Regierung zu kämpfen hat, ist der Antisemitismus. Wenn man auch im Allgemeinen sagen darf, daß er in Ungarn im Rückgänge begriffen ist, so zählt er doch immerhin noch viele Anhänger und seine Thätigkeit ist bei der Wahl um deswillen der Regierung so unangenehm, weil die Antisemiten da, wo sie keinen eigenen Candidaten aufstellen, zumeist denjenigen der Opposition wählen. Die Regierungsorgane sind bezüglich des Mißerfolges der Antisemiten ziemlich sicher; allein es ist immerhin möglich, daß sie sich täuschen. Die Antisemiten benutzen eben die herrschende Unzufriedenheit, um für ihre traurige Lehre Proselyten zu gewinnen, mit aller Energie und schrecken auch vor den schlimmsten Mitteln nicht zurück." (Die „Franks. Ztg." liebt es, die Farben etwas stark aufzutragen.) — In dem Culturstaate Ungarn gehen Wahlen niemals ohne Tumulte, ja ohne Mord und Todtschlag, vor sich. So telegraphirt man am 16. Juni aus Pest: Abermals liegen Meldungen über blutige Wahlexcesse vor. Einer derselben ereignete sich in Gajar im St. Johanner Bezirke des Preß» burger Comitates, wo Graf Dessewffy von der gemäßigten Opposition gegen den Nationalen Feja und den antisemitischen Geistlichen Herold kämpft. Den Anhängern Dessewffy's wurden die Fenster eingeschlagen und einige Läden gestürmt. Die aus Najy-Szavard herbeigeholte Gendarmerie mußte mit gefälltem Bajonnet einschreiten. Im Handgemenge wurden mehrere Personen verwundet. In diesem Bezirk stimmen die Anhänger der liberalen Partei für den Candidaten der gemäßigten Opposition, um den Antisemiten und Nationalen eine Niederlage zu bereiten. Auch in Ivan (Oedenburger Comitat) kam es zwischen den Anhängern des Grafen Alexander Karolyi und Ladislaus Solimossy zu einer Schlägerei, wobei die Anhänger des Letzteren den Landmann Johann Bertits todtschlugen. — Ferner vom 17. Juni: Die Wahlen in der Hauptstadt fielen durchaus zu Gunsten der Regierungspartei aus; es wurden gewählt u. A. die Minister Trefort und Fejervary und der Staatssekretär Matlekovics. In Großwardein wurde Tisza gewählt, in Oedenburg Minister Fabinyi, in Preßburg Minister Baroß. Bon den bisher bekannten 120 Wahlen entfallen 95 auf die Regierungspartei. Bis jetzt ist kein einziger Antisemit gewählt, dagegen wurde Altenburg den Antisemiten entrissen. — In Berbo steckten die Antisemiten, als sie sahen, daß sie in der Minorität blieben, das Wahllokal in Brand. In Folge dessen mußte die Wahl unterbrochen werden. — Die Antisemiten haben 36 Candidaten aufgestellt, und ihre Aussichten wären sehr gering, wenn sie nicht durch gewisse Hetzkapläne unterstützt würden, welche die Gunst des wegen seiner antisemitischen Gesinnung bekannten Erzbischofs von Gran erwerben wollen. — Depeschen vom 18. Juni theilen mit, daß das Wahlresultat aus 231 Bezirken bekannt ist. Die liberale Partei hat 161 Sitze erlangt, die Antisemiten brachten 5 ihrer Candidaten durch; sie gewannen 4, verloren aber 5 Sitze. — Nach Depesche vom 18. Juni Abends waren 290 Wahlen bekannt» von denen 196 der Regierungspartei (der liberalen) zugefallen. Sieben Antisemiten waren gewählt. Das ist genug, um recht viel Lärmen im Abgeordnetenhaus zu machen aber zu ohnmächtig, um nur einen Schatten von Einfluß zu üben. — Vom 20. Juni. Von Preßburg sind starke Militärische Abtheilungen nach Duna Szerdahely dirigirt. Es ist nunmehr notorisch, daß die Stadt von den Antisemiten an mehreren Stellen in Brand gesteckt wurde. Der vor zwei Tagen gewählte Antisemit Sander kniete auf der Straße nieder und schwur unter einer Fahne, die Juden zu vernichten. Das Volk hat mit geschworen. Das ganze Judenviertel ist abgebrannt. Zahlreiche Familien sind brod- und unterstandlos. Während der Nacht versuchte der Pöbel, die re

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