Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1887)
- Date
- 1887-06-30
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
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!- 402 Monotheismus und dessen Einführung in die menschliche Culturwelt zuschreibt, während ihm ebenso die moralische Ideenwelt angehört, welche nicht bloß seinen eigenen Geschlechtern, sondern der ganzen civilisirten Welt gegeben ward. In dieser Hinsicht hat neben den „Sprüchen Salomonis" das Buch eine große Wirksamkeit bethätigt, welches wir heute einer näheren Betrachtung unterziehen. Das in Rede stehende Buch ist ursprünglich in hebräischer Sprache verfaßt, und zwar bald nach dem Tode des Hohe». Priesters Simon, dessen Persönlichkeit es in sehr dichterischer Weise schildert. Später wurde es von dem Enkel des Verfassers, als er unter der Regierung des Ptolomäus III. Evergetes nach Alexandrien kam, ins Griechische übersetzt.') Das hebräische Original ist verloren gegangen, und von der griechischen Uebertragung, die noch der kritischen Bearbeitung Vorbehalten ist, sind syrische, lateinische und hebräische Uebersetzungen gemacht worden. Bon den Sprüchen Sirach's werden mehrere Sentenzen des ntd p im Talmud citirt, ohne daß sie jedoch immer mit denen im griechischen Texte gegebenen übereinstimmend) Hiernach ist das Buch zu der Zeit entstanden, in welcher die traditionelle Bearbeitung des Gesetzes in den Vordergrund zu treten begann. Hier begegnen wir der Eigenthümlichkeit, daß die Meister dieser Richtung die Gewohnheit hatten, daß Jeder derselben einen Wahrspruch als das Resultat seiner Erfahrungen und Ansichten aussprach, welche Sentenzen in den Pirke Aboth gesammelt sind. Die Tendenz ist daher in diesen wie im Sirach dieselbe, nämlich in Sentenzen zusammengefaßte Beobachtungen und Regeln für das Leben zu sammeln, nur daß in den Pirke Aboth die einzelnen Lehrer Urheber dieser Sprüche sind, während im Sirach er allein als Urheber und Sammler auftritt; denn selbstverständlich hat er viele im Volke gang und gäbe seienden Sprüche in seine Sammlung i) Die Abfassungszeit unsres Buches läßt sich nicht genau bestimmen. In dem Vorworte sagt der Uebersetzer, daß er die Uebersetzung versaßt, als er iv rä> öyöow xal xqmx oaztf> erst inl xov 'EvfQytxov ßaatlimq nach' Egypten gekommen. Dies übersetzen Einige: „im 38sten Jahre der Regierung des Königs Euergetes", Andere: „in (meinem) 38sten Jahre unter der Regierung des Königs Euergetes". Man kann aber nicht zweiselhast sein, daß die letzte Ucbersctzung die riätige sei, da Euergetes von 246 bis 22t regiert, also seine Regierung gar nicht 38 Jahre erreicht hat. Jedenfalls ist also die Uebersetzung hiernach zwischen den genannten Jahren und das Original etwa 5» Jahre früher abgesaßt, also etwa um 3vo vor d. gew. Ztr., wie auch Fürst annimmt. Dagegen spricht aber die Feier, die dem kurz vorher verstorbenen Hohenpriester Simon, Sohn des Omas, in dem Buche (50, 1.) bereitet wird, die poetische Verherrlichung von dessen Persönlichkeit. Wer war dieser Hohepriester Simon, Sohn des Onias? War er Simon der Gerechte, „einer der letzten der Männer der großen Synode"? Simon der Hasmonäer war kein Sohn des Onias. Beide versetzen uns in eine spätere Zeit. Sollte es also ein früherer Hoherpriester gewesen sein, der uns sonst unbekannt ist? Unter diesen Umständen muß die Aussage des Uebersetzers volle Autorität behalten. I) Tie vollen noch erhaltenen Bruchstücke in hebräischer und chaldäischer Sprache hat gesammelt Leop. Dukes in seiner „rabb. Blumenlese" (Leipzig 1844). ausgenommen. Da nun ungefähr derselben Zeit die Äbfassung des ersten und später des zweiten Theiles des Buches Daniel angehört, so haben wir drei Geistesrichtungen, die im jüdischen Stamme zu jener Zeit obwalteten: die verstandesmäßige logische Bearbeitung des Gesetzes, deren Grundzug in dem, der großen Synode zugeschriebenen Satze: „Mache einen Zaun um das Gesetz" enthalten ist, die abermalige, rationelle, und auf der Gotteserkenntniß beruhende Bearbeitung des sittlichen Elementes für das Leben, und die mystische und allegorische Geistesrichtung, welche die prophetische Begeisterung ersetzen sollte. Nur in der Zusammenfassung dieser drei Tendenzen charakterisirt sich jene Zeit, also die letzten Jahrhunderte vor dem Falle Jerusalems, und wird zugleich zum Zeugniß für die ungewöhnliche Regsamkeit des jüdischen Geistes, welcher die Heldenthaten der Makkabäerzeit entflossen. In der Geschichte der Culturentwickelung drängt es sich dem Beobachter auf, wie ähnliche Culturzustände auch gleiche Erscheinungen Hervorbringen. So gering auch die literarischen Erzeugnisse sind, welche sicher aus dieser Zeit stammen, so muß doch eine sehr große literarische Thätigkeit damals geherrscht haben. Sie bezeugt sich uns einerseits durch den Spott, den sie hervorrief und welcher sich am Schlüsse Kohelet's in den Worten ausspricht: „Des vielen Büchermachens ist kein Ende und vieles Studiren ermüdet den Leib" (12, 12); andrerseits durch die Bewunderung, welche das Vorwort zu unsrem Buche zu erkennen giebt. Das letztere verdient einige Aufmerksamkeit. Der Uebersetzer aus dem hebräischen Texte, der Enkel des Verfassers, weiß zwar die „ vielen und wichtigen Belehrungen zu würdigen, die durch das Gesetz (Thora) und die Propheten, aber auch die, welche durch die nachfolgende Literatur mitgetheilt worden." Er faßt dieses von dem Standpunkte auf, den wir oben gezeichnet haben, denn, meint er, „deshalb müsse man Israel rühmen, wegen seines Unterrichts und seiner Weisheit." Dieser Unterricht in der Gotteslehre und diese Weisheit im sittlichen Leben müsse deshalb unermüdlich durch Schriften gleicher Art weitergeführt werden, und zwar nicht bloß der einheimischen Leser wegen, sondern auch um den „auswärtigen durch Rede und Schrift nützlich zu werden." Wir sehen also hier schon den Blick und die Fürsorge auf die große Zahl Juden gewendet, die damals bereits außerhalb Palästinas lebten, welche also von den lebendigen Quellen der Unterweisung fern waren, aber um so weniger vernachlässigt werden durften. Man hört aus diesen Worten, noch dazu, da sie gegen Ende des Vorworts wiederholt werden, den Vorwurf für die palästinensischen Lehrer heraus, gerade dieses Moment zu vernachlässigen und sich um die auswärtigen Juden nicht zu bekümmern. Er findet ferner in der Anfertigung und Veröffentlichung solcher Schriften den Nutzen, daß die Lernbegierigen dadurch die Anregung erhalten, sich damit