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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine des Iudenlhums. Ei» unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Marl. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem dutch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GZepeöiLion: Leipzig, Woßpkah 17 In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 30. Juni 1887. Nr. 26. lakstt. Leitende Artikel: Die Moral des Büches Jesua ben Sirach's. — Einige Betrachtungen. — Erez Jisrael-Erde II. — Das Univcrsitätsstudium. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Kaiserslautern, Exin, Rees a. Rh. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Aaram, Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bottuschan. — Bonn: Notizen. — Bonn- Literarische Notizen. — Feuilleton: Aus den Studienjahren 1829 bis Ende 1832. — Das Hühnerschächten vor Gericht. Slcltvnb» €Xztißef. Bonn, 26. Juni. Die Moral des Zaches Jesua den Sirach's. L So wichtig es ist. eine geschichtliche und literarische Erscheinung in ihrer Individualität, ihrem Wesen und ihrer Form nach zu erkennen: so ist es von noch größerer Bedeutung, sie in ihrem Zusammenhänge mit den Erscheinungen gleicher Art und derselben oder der vergangenen Zeit zu erfassen und nachzuweisen. Wir erhalten hierdurch den Einblick in den Charakter, die Bildung und Richtung einer Gesammlheit, sei es eines ganzen Volkes, sei es einer Zeit- und Culturperiode.' Aus diesem Grunde haben wir in einer Reihe von Skizzen die Moral , also die Sittenlehre und den sittlichen Charakter mehrerer der hervorragendsten Lehrer und Schriften des Judenthums dargestellt') und fügen ihr heute eine Betrachtung der sittlichen Eigenthümlichkeit hinzu, wie diese sich in dem apokryphischen Buche: „die Weisheitssprüche Jesua ben Sirach's" abspiegelt. Was sich bereits hinlänglich, wie aus der Kenntniß des jüdischen Schriftthums überhaupt, als sicheres Resultat ergiebt, kann als ein dreifaches bezeichnet werden: zunächst, daß es eine durch alle Phasen und Zeiten des Judenthums gehende Geistesarbeit ist, welcher der 1) S. Jahrgang 1877 S. 789. 1878 S. 81. 191. 273. 1885 S. 700. 713. 1878 S. 177. 1885 E. 827. 1878 S. 309. 331. 363. 515. 530. 546. 1886 S. 579. 612. 643. 658. 679. jüdische Stamm fast ununterbrochen obliegt: die Entwickelung des sittlichen Elementes im menschlichen Wesen. Alsdann, daß dieses Bestreben nicht bloß der Theorie galt, sondern vielmehr noch der Richtung, welche der Mosaismüs dem geistigen Leben Israels von Beginn an gegeben, auf die Vereinigung von Lehre und Leben, auf die Verwirklichung im Leben der Nation und der Individuen hinzielte. Endlich drittens, daß diese Sittenlehre des jüdischen Stammes zn aller Zeit die Gotteserkenntniß zu ihrem Fundamente nahm, in Gott die Quelle und das Vorbild aller sittlichen Vollkommenheit anschaute, von Gott die Bestimmung und die Pflichten des Menschen ausgehen ließ, als Consequenz der Gotteslehre aus dieser zog. Diese drei Momente, die wir in ihrer Verbindung, in ihrem engen Zusammenhänge bei keiner Nation, in keiner Literatur wiederfinden, bilden demnach den Hauptzug im Charakter und Geistesleben dieses Stammes. Blicken wir z. B. auf die Griechen, so haben wir bei denselben seit Sokrates in allen philosophischen Schulen die Bearbeitung der Ethik. Wir erhalten hier jedoch nur Theoremata mit mannichfaltigen Grundsätzen und Tendenzen, die nur selten einen Einfluß auf einige Kreise der gebildeten Welt übten. Dagegen haben wir nur sehr wenige populär-ethische Schriften, die dem Volke verständlich und für dasselbe verwendbar waren, wie von L'enophon und Epictet. Ebenso selbstverständlich ist es, daß diese Moraltheorien nach einem Fundament in sich selbst, aus selbstgestellten Voraussetzungen suchten, was ihnen Wechsel und Verschiedenheit, aber nur geringe Sicherheit gewährt. Es ist deshalb nur einseitig, wenn man dem jüdischen Stamme den 26

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