Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1887)
- Date
- 1887-06-23
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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397 Er gehörte zu der Kategorie von Sklaven, welche sich durch ein Lösegeld, das in den alten Texten mit dem Ausdruck ixtirtu bezeichnet wird, loskaufen konnten. Barachiel behauptete, er sei kein Sklave, sondern gehöre zu einem der zahlreichen Stämme, aus welchen der höhere Bürgerstand Babylons besteht. Wie dem auch sei, er war in Besitz eines Herrn, der ihn wahrscheinlich zur Zeit der Zerstörung Jerusalems erhalten hat. Siebzehn Jahre später wurde er an eine reiche Dame Namens Gaga verkauft, welche ihn ihrer Tochter zur Mitgift gab. Er war von seiner Herrschaft als Pfand gegeben und schließlich von einem Steuerempfänger gekauft. Cr entfloh aus dem Hause seines neuen Herrn; aber er wurde erkannt. Barachiel behauptete nun, er sei ein freier Mann und daß er in dieser Eigenschaft die Heirath eines reichen babylonischen Paares vollzogen habe. Er wurde festgehalten und die Richter gaben ihn seinem Herrn wieder. Dieser gehörte einer Kaste an, zu welcher eine Reihe Banquiers und öffentliche Schreiber gehörten, dem Stamme Egibi. Man hat in dem Namen Egibi den von Jakob wiedererkennen wollen und man hat aus diesem Stamm eine Familie jüdischer Banquiers gemacht. Herr Oppert erweist, daß das Wort Egibi, welches übrigens nichts gemein hat mit dem Namen Jakob, bis in die babylonischen Texte über die Zeit der Gefangenschaft hinaus reicht. Die Juden, welche von Palästina nach Babylonien gebracht wurden, wurden fast alle in Sklaverei geführt. Folgendes ist der Text des Urtheils selbst, das über diesen seltsamen Vorgang abgegeben wurde. „Barachiel ist ein Sklave, der durch das Geld der Gaga, Tochter von ***, wieder zu verkaufen ist, die ihn im Jahr 35 von Nabuchodönosor, König von Babylon, von Akhinuri, Sohn von Nabu-Sardi-Akh für ein Drittel einer Mine und sieben Drachmen Silber gekauft hat. Jüngst hat er eine Flucht versucht, indem er sagte: Ich bin von Nabu-Akhe, Fddin, von dem Stamme Egibi. Ich bin ein Sklave. Geht jetzt, und zu meinem Heile nehmt Euren Spruch zurück! die Großen und die Richter vernahmen die Zeugen in dieser Angelegenheit und verurtheilten Barachiel wieder zurück in sein Sklaventhum, urtheilend nach der Aussage von Somas-Rudamig, Sohn von Nabu-Sardin-Akh, und von Oudarin, Tochter von Akhinuri, den Sklavenverkäufern." Wenn diese Uebertragung richtig ist — es herrschen über die von den Assyriologen gegebene Uebersetzung der Keilinschriften noch viele Zweifel — so wäre diese Notiz von historischem Interesse. (Die Red.) I e u r i l z i o n. Der Tempel und das Theater. Erinnerung an Jacques Offenbach. Aus dem Aiinuaire des Arcliives israel. Jahrg. 4. Unter den alten Pariser Israeliten giebt es sicher nur sehr Wenige, welche sich noch der Anstellung von Jacques Offenbach am Consistorialtempel der Rue Notre-Dame de Nazareth erinnern, und ich weiß nicht, ob die Biographen des berühmten Componisten dessen Erwähnung gethan. Erinnerte er sich wohl selbst jemals daran? Es ist gestattet anzunehmen, daß er inmitten seiner Erfolge diese flüchtige Episode seiner Jugend vergaß. Jndeß der Vorgang wurde die Ursache eines ernsten Streites, welcher die ganze jüdische Gemeinde von Paris in verschiedene Meinungen theilte. Es war gegen Ende des Jahres 1833. Herr Lovy, der berühmte Chasan, war seit beinahe zwei Jahren gestorben und man hatte an ferner Stelle Herrn Jsaae David, seit 1815 Unterchasan, ernannt. Aber das war nicht mehr jener schöne Vortrag, noch jene musikalische Kenntniß, noch jene biegsame und harmonische Stimme, welche die Frommen so entzückte und die Gleichgültigen heranzog. Selbst der Chor, welcher schon während der langen Krankheit des Herrn Lovy desorganisirt worden und den dieser gebildet, geschaffen, unterrichtet hatte, konnte mit Herrn David nicht zurechtkommen. Man mußte ihn fortlassen. Der Gottesdienst, der jeden Tag von seinem ursprünglichen Glanz verlor, wurde nach und nach immer weniger besucht. Das Pariser Consistorium beunruhigte sich natürlich über diesen Stand der Dinge, und, um Abhülfe zu schaffen, beschloß es, den Chor wieder herzustellen. Mitten unter solchen unfruchtbaren Versuchen kam Herr Offenbach Vater, der Vorbeter des Tempels zu Köln, mit seinen beiden Söhnen nach Paris und durch den Ruf, den sie mit Recht besaßen, gelang es ihm, mit ihnen in der Synagoge zu funktioniren. Da dieser Vortrag einen allge-