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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 verstärken, deren Verkehr beleben. Von den Kreuzzügen an bietet uns die Specialgeschichte nichts als ein Bild immer wiederholten Austreibens, mit Plünderung und Mord untermischt, und dann wieder der Wiederkehr, der Wiederaufnahme unter schweren Bedingungen, namentlich unter großen Geldzahlungen, des Wiederansiedelns und Vermehrens, bis die Ruhe der armen Verfolgten wieder gestört ward. Ermöglicht war dies dadurch, daß viele Städte freie Reichsstädte waren und die Selbstverwaltnng jeder Ortschaft eine fast unbeschränkte war. Der Kaiser hatte zwar die Juden für seine „Kammerknechte" erklärt, aber der Kaiser war weit und wenn er über eine Judenverfolgung erzürnt war, so hieß dies doch noch lange nicht eine christliche Stadt um der Juden willen zu bestrafen, als mit einer mäßigen Summe, welche aus dem geplünderten und confiscirten Gute leicht entrichtet werden konnte. Die Munizipien waren so gut wie souverain und wurden außerdem oft durch den Pöbel gezwungen, gegen die Juden loszugehen oder deren Mißhandlung wenigstens zu dulden. Wenn wir aber auf der einen Seite diese unaufhörliche Verfolgungssucht zu verabscheuen haben, so giebt uns diese Geschichte doch wieder Gelegenheit, die unerschöpfliche passive Widerstandskraft der Juden zu beobachten und zu bewundern, welche um ihres Glaubens, also um der Idee willen, alle Gewaltthaten ertrugen, immer wieder dahin zurück zu kehren suchten, von wo sie ausgetrieben worden, wenn auch gewiß, um nach einem kürzeren oder längeren Zeiträume dasselbe wieder zu erfahren. Ermöglicht war ihnen dieses ebenfalls durch die geschilderten Umstände. Aus einer Stadt verjagt, fanden sie in der anderen eine Zuflucht, und kam irgend eine Noth über das Land oder auch nur über eine Stadt, so nahm man seine Zuflucht wieder zu ihnen, um die erforderlichen Mittel zu erlangen; sie stellten ihre bescheidenen Bedingungen, sahen aber oft die abgeschlossenen Verträge und die in der Noth gethanenen Versprechungen unerfüllt oder verletzt. Der Vers, beschreibt diesen Verlauf der Dinge, gestützt auf die städtischen Archive, mit großer Genauigkeit und Objectivität. Er theilt seine Darstellung in zwei Abschnitte, der erste unter der deutschen, der zweite unter der französischen Herrschaft. Herr Scheid bemerkt selbst, daß die Juden bei dieser Veränderung eher verloren als gewannen, denn sie hatten nunmehr „den König und die Städte und die Herren zu befriedigen." Die erste Maßregel (1652) war deßhalb, einen Tarif für sie festzustelleu. Wenn mit der Zeit Rübe und Sicherheit für sie eintraten, so war dies nicht dem Schwinden der Vorurtheile, sondern der Milderung der Sitten, die sich allmälig entwickelte und dem immer straffer werdenden Regiment des Königs zu verdanken, unter welchem die Städte nicht mehr willkürlich verfahren konnten. Ja, erst mit der Stunde der französischen Revolution von 1789 trat die bürgerliche Besserstellung und das Ende der Verfolgungen für sie ein, wenn auch dann und wann ein Pöbelauslauf im Elsaß stattfand, wie selbst 1848. Zum Schluffe giebt der Vers, noch in zwei werthvollen Abschnitten die Geschichte der Synagogen und der Friedhöfe im Elsaß. Führen wir hier den Anfang des ersteren Abschnittes als sehr charakteristisch an: „Bei ihrer Ankunft im Elsaß hatten die Juden in den großen Städten Häuser, die eigens für die Gebete bestimmt waren. Diese Synagogen hatten nicht viel Glück. Wir haben schon erwähnt, daß die zu Colmar schon im 13. Jahrhundert verbrannt, und daß die von Hagenau coufiscirt und später im Jahre 1347 der Stadt übergeben wurde. Aber keine überlebte die schrecklichen Metzeleien im Jahre 1349; sie wurden alle Communaleigenthum und früher oder später niedergerissen und zu Privathäusern umgewandelt. Eine einzige hingegen verdient besonderer Erwähnung, weil sie ein eigenthümliches Schicksal hatte. Es war dies die Synagoge von Oberbergheim, welche den Juden im Jahre 1349 weggenommen wurde. Je nachdem die Stadt Gelder nöthig hatte, machte sie auf dieses in der Judenstraße gelegene Haus hypothekarische Anleihen. So lieh schon zu Ende des 14. Jahrhunderts Oberbergheim von der Frau Catharina Henri Harster eine gewisse Summe Geldes, für welche die Stadt als Zinsen zwanzig Maß Weizen, Roggen und Hafer zu geben hatte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts überließ Catharine ihre Hypothek an Vernert von Burgheim, welcher wiederum 1431 dieselbe Hypothek dem Claus Kimpersheim von Oberbergheim abtrat. Erst im Jahre 1551 kaufte der Präsident der jüdischen Gemeinde, Jackolin, das Gebäude wieder zum Preise von 130 Florins, auf welche er baar 50 bezahlte und in acht jährlichen Terminen die übrigen 80 Florins zahlen mußte. Unter Anderem hatte er den nächsten Nachbarn des Tempels, Wilhelm von Walpaag und Georges Metzger, eine jährliche Rente von 3 Schilling-Rappen zu zahlen. Er wurde auch gezwungen, sich zu verpflichten, wenn ein Ankömmling von vertriebenen oder getödteten Juden, der die Absicht hätte, einen Theil seines Besitzes dem Tempel wieder zu verkaufen, in dem Orte ankäme, die ganze Verantwortung dafür auf sich zu nehmen. — Schließlich versprach er, während des Gottesdienstes nicht zu laut singen zu lassen. Dieser Tempel, mit einigen von Zeit zu Zeit nothwendigen Ausbesserungen, blieb wie er war. Erst vor ungefähr zwanzig Jahren wurde er wieder erbaut. Es ist dies die einzige Synagoge im Elsaß, welche noch auf dem Platze steht, wo sie im Anfang des 14. Jahrhunderts gestanden. In der ganzen übrigen Provinz waren so wenig Juden ansässig, daß sie selbst in den folgenden Jahrhunderten keine alte Synagoge haben konnten. Hagenau hatte auch die ihrige von 1349 bis 1677

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