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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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387 einsichtlich, daß ein Cultus, der nicht etwa mysteriös, für Priester und Eingeweihte, sondern für die Gesammtmasse eines Volkes bestimmt war, mit der bloßen Abstraction, mit dem nackten Begriffsausdruck, wie der Seiende, nicht viel anfangen konnte oder zu Verirrungen führen würde. Deßhalb wird dem Begriffe ein bestimmter „Name", d. h. ein einfacher Ausdruck für den Gottesbegriff hinzugefügt 'n. Dieser Name drückt nichts Anderes als jenen Begriff des ewigen, unveränderlichen Seins Gottes aus. Er kann nach der ausdrücklichen Aussage des Schrifttextes selbst nichts anderes zum Inhalt haben, da er eben an unserer Stelle dem Begriffe als „Name" unmittelbar angefügt und verbunden wird, als Gottesname, wie Moses dem Volke lehren soll. Die Bedeutung des 'n kann also schriftgemäß keine andere als das ewige, unveränderliche Sein Gottes sein, und wird deshalb am einfachsten und bestimmtesten durch „Ewiger" übertragen. Hiermit stimmt auch die traditionelle Auffassung seit alter Zeit überein, welche in 'n die drei grammatikalischen Formen rrrp ni.t, nin Nin rrn Nin „er war, er ist und er wird sein" finden wollte. Hiermit ist diese Uebertragung seitens der jüdischen Uebersetzer gerechtfertigt und von der Synagoge aufrecht zu erhalten. Brünn, 6. Juni. Das Iudenthum im akademischen Leben. Bon Dr. G. Deutsch. Kürzlich hat sich an der Wiener Universität ein Privatdozent für Geschichte, vr. Pirbram, habilitirt, der ein Jude ist, und diese geringfügige, im Gesetze völlig begründete Thatsache bringt unsere Klerikalen derart in Aerger, daß sie in ihrem Organ, dem „Vaterland", einen geharnischten Leitartikel über die Verjudung der Universitäten loslassen. Die ganz und gar nicht zu bestreitende Thatsache, daß die Juden zu dem akademischen Lehramte einen stärkeren Prozentsatz hergeben, als ihrer Bevölkerungszahl entspricht, ist schon so oft hervorgehoben worden, daß es sich gewiß lohnt, den Gründen dieser Erscheinung näher zu treten, und da werden wir ohne Zweifel auf den kommen müssen, daß der Jude, weil ihm die Beamtenlaufbahn verschlossen ist, in den philosophischen Fächern am leichtesten sich zur Privatdozentur entschließt, denn da man ihm die Ausübung der Lehrthätigkeit versagt, so kann er als akademisch gebildeter Mann seinen Studien nur als Privatdozent obliegen. Es ist genau ebenso, wie die Journalistik dieses Berhältniß zeigt, was einmal im deutschen Reichstage zur Sprache kam, wie ein begabter Mann, der eben das Oberlehrerexamen glänzend bestanden hatte, weil ihm eine Anstellung im Staatsdienste verweigert wurde, zur Journalistik überzutreten gezwungen war, denn nur da, wo noch freier Wettbewerb der Kräfte gilt, ist es dem Juden ermöglicht, es zu einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Stellung zu bringen. Wenn sich die Herren Klerikalen darüber ärgern, daß es ihnen nicht mehr gegönnt ist, die Stiftung einer Universität vom Papste bestätigen zu lassen und den Bischof zum Aufseher des akademischen Unterrichtes zu bestellen, wenn es sie ganz besonders schmerzt, daß, wie in dem citirten Artikel hervorgehoben wird, ein Jude an der Wiener Universität, Universalgeschichte docirt, so kann man ihnen das nicht verargen, denn gerade die Geschichte schließt in sich die Gefahr ein, einem naiven Gemüthe die Augen zu öffnen über das Kartenhaus von Legenden, in welchem sich die Kirche seit Jahrhunderten so wohnlich eingerichtet hat, aber die so oft geleugnete und als Verleumdung bezeichnete jesuitische Moral zeigt sich in dem frommen Wunsch, mit welchem der Artikel schließt, worin wörtlich von der „Bevorzugung des jüdischen Elementes vor dem christlichen" gesprochen wird. Es kann nicht genug wiederholt werden, daß zu allen Zeiten, selbst zur Zeit der liberalen Regierung in Oesterreich, der Jude, wenn er etwas erreicht hat, es nur erreichte trotzdem und nie weil er ein Jude war. Mit derselben Ehrlichkeit, welche die einseitigen ultramontanen Geschichtsmacher charakterisirt, wird auch hier verfahren, indem man es ganz verschweigt oder übersieht, daß bei der Zulassung eines Privatdozenten der Minister kein Mittel hat, dieselbe zu verweigern, so lange nicht etwa gegen den Vorgeschlagenen politische oder sociale Bedenken vorliegen. Leider müssen wir auf der anderen Seite gestehen, daß die jüdischen Professoren Wiens, ganz und gar nicht für das jüdische Interesse so tyätig sind, daß man eine Störung des christlichen Geistes von ihnen erwarten könnte. An dem jüdischen Gemeindeleben hat meines Wissens nur der Professor des Handels- und Wechselrechtes Grünhut theilgenommen, der eine kurze Zeit Mitglied des Vorstandes war, doch bald wieder ausschied. Männer, wie an anderen Universitäten, die das Judenthum als Religion gebildeter Leute betrachten und diese Ansicht auch öffentlich vertreten, giebt es unter den Wiener Professoren nicht, hingegen befleißigen sich manche von ihnen einer sehr absichtlichen Kühle ihrer angestammten Religion gegenüber. Selbst der angefeindete Professor Büdinger, der Universalgeschichte dozirt, hat, obwohl er Sohn eines jüdischen Religionslehrers aus dem Kurfürstenthum Hessen ist, allen katholischen Gesichtspunkten derart Rechnung zu tragen verstanden, daß er öfter Theologen zu seinen Hörern zählt, und man weiß ja, daß diese es nicht wagen dürsten, seine Vorlesungen zu besuchen, wenn es nicht 6nrn lloentia superiorum geschehe. Zu denken gibt immerhin, daß dieser Herr in einer Abhandlung über Einfluß egyptischer Anschauungen auf hebräische Culte eine Stelle aus dem Propheten Amos (5,25) 25*

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