Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1887)
- Date
- 1887-06-23
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Gottesbegriffe erhebe. Die egyptischen Culte, die sie umgaben, hatten immer einen bestimmten Gottesnamen zu ihrem Mittelpunkte, und hieraus erklärt sich leicht, daß auch bei den Israeliten das Bedürfniß vorausgesetzt werden mußte, einen Gottesnamen zu haben, um welchen sie sich schaaren, mit welchem sie den Völkern gegenüber auftreten konnten. Die Frage Moses drückt dies aus und leitet nun die Verkündigung dieses Gottesnamens ein. Aber wo es sich um'wahrhafte Erkenntniß handelt, kann die bloße Mittheilung eines Namens nicht genügen, diesem muß vielmehr die Darlegung des Begriffes, welchen der Name zum Ausdruck bringen soll, vorangehen, und dies geschieht in der Antwort, welche auf die Frage Moses' erfolgt: rrr.s win! „So sprich zu den Söhnen Israels: n\~N hat mich zu Euch gesendet und so sprich zu den Söhnen Israels: 'n der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jacobs hat mich zu Euch gesendet — dies ist mein Name für ewig und dies mein Andenken für Geschlecht auf Geschlecht." Wir sehen hieraus leicht ein, daß .thn rrns* den Begriff, den Namen Gottes für immer, die Bezeichnung „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs" die geschichtliche Erinnerung, den geschichtlichen Anhalt geben soll. Wir fragen deshalb-, welcher ist dieser Begriff und wie correspondirt dieser Name mit ihm? — Die Worte werden von den Uebersetzern in jeder möglichen Weise übertragen: „Ich werde sein, der ich sein werde", „ich werde sein, der ich bin", „ich bin, der ich sein werde" und „ich bin, der ich bin". Alle diese Uebertragungen stimmen aber darin überein, daß sie das Sein als die wesentliche Bedeutung der Worte, und die Futurumform für den Zustand der Dauer gebraucht ansehen. Die Septuaginta übertragen: eycu elf.il o'S2v „Ich bin der Seiende," und weiterhin: „Der Seiende hat mich zu euch geschickt". In gleicher Weise Philo (das Leben Moses' S. 92): „Zuerst, erwiderte Gott, sage ihnen: Ich bin der Seiende, damit sie den Unterschied zwischen dem Seienden und dem Nichtseienden kennen lernen und zugleich erfahren, daß mir, welcher allein das wahre Sein ist, gar kein Name besonders zukommt." Kusari (4, 3) sagt: „Gott wollte von dem Grübeln über sein wahres Wesen, dessen Erkenntniß unmöglich ist, abhalten und sagte ihnen nur „Ehjeh“ „ich bin", erklärt durch „ascher Ehjeh“ „der ich bin", d. h. „der Seiende, der für sie da sein wird, wenn sie mich suchen werden — eine Erklärung, die sich an Berachoth 9, 2 anschließt! Maimonides im M. N. (I, 63) sagt: „In der That kannten die Menschen, mit Ausnahme einiger, das Dasein Gottes nicht, und ihre höchste Betrachtung ging nicht über die himmlische Sphäre, deren Kräfte und Wirkungen hinweg; denn sie lösten sich nicht von den sinnlichen Dingen ab und besaßen keine intellectuelle Vervollkommnung. Gott gab Moses ' darauf eine Erkenntniß, welche er ihnen miitheilen sollte,! - um für sie das Dasein Gottes festzusteÜen, und dies drücken l die Worte Ebz'sii asebor Ehjeh aus, ein Name, der von i Haja stammt, welches das Dasein bezeichnet. Das ganze ,! Geheimniß besteht in der Wiederholung unter der Form eines , Attributes desselben Wortes, welches das Dasein bezeichnet; : denn das Wort asobbr verlangt, daß man das Attribut ausdrückt, welches ihm verbunden ist, und indem dasselbe Wort hinzugefügt wird, wurde so zu sagen erklärt, daß das Subject in identischer Weise dasselbe ist, wie das Attribut. Es bedeutet dies: das Sein, welches das Sein ist, d. h. das nothwendige Sein. In gleicher Weise befaßt das Wort ‘n die Idee des ewigen Seins und nichts Anderes, 'n, ba$ kein Attribut, sondern das absolute Sein, das nothwendige Sein bezeichnet." Endlich Albo (Ikk. 2, 27.) erklärt die Worte theils: „Ich bin, der ich bin, so daß ich von Niemandem abhängig bin und mein Wille stets vollführt wird, theils ich bin, weil ich bin, also die Ursache meiner selbst und die erste Ursache alles Seienden, während alles Andere nicht ist, weil es ist, sondern weil ich bin." — Bei genauerer Prüfung der Worte, die uns beschäftigen, ersehen wir, daß wir jedes Hineinbringen eines Nebenbegnffes vermeiden müssen. Es wird uns deutlich, daßEttjett den Begriff an sich enthält, da es wiederholt allein steht, B. 12: „Ich werde mit dir sein!" und V. 14 „Ich werde sein hat mich zu Euch gesendet", wo Ekjek mit der dritten Person verbunden wird. Hieraus folgt, daß Edzok Begriff für sich allein ist und ascher Ehjeh ein Zusatz, der einen neuen Begriff bringt. hat aber nur Bedeutung, wenn man es nicht „ich bin" faßt, was nichts Neues sagen würde, sondern „ich werde sein", das den reinen Begriff der Ewigkeit giebt, und hiermit ist t ie zweite Stufe der Gotteserkenntniß dargeboten. Denn wenn Schaddai die Summe aller natürlichen Kräfte bezeichnet, so war bei dem Wechsel der natürlichen Erscheinungen, die durch das wechselnde Spiel jener natürlichen Kräfte hervorgebracht werden, noch nicht die einstige Auflösung der letzteren verbürgt. Mit der Erkenntniß des „Ich werde sein" ist aber das Dasein dieser Summe aller Kräfte nicht allein an sich, sondern auch das ewige Dasein gegeben. Wir brauchen nicht darauf hinzuweisen, daß in aller Religion des Alterthums die Ewigkeit des göttlichen Daseins nicht gelehrt ward. Dennoch fehlte noch in unserer Verkündigung der Nebenbegriff, daß dieses göttliche Dasein auch in seiner Ewigkeit ewig Dasselbige, Unveränderliche sein wird. Dieser Nebenbegriff der Unveränderlichkeit ist nun in dem Zusatz ascher Ehjeh ausgedrückt, indem das Relativum ascher aus dem vorhergehenden Ehjeh die Substantialüät des göttlichen Daseins zieht, mit dem neuen Ehjeh in Verbindung setzt, so daß diese Subftantialität ebenfalls ein Ehjeh, d. h. eine ewige wird. Mtt der Ewigkeit wird also die Unveränderlichkeit in jenen drei Worten verkündet. Es ist aber leicht