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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudmltzums. 7 Ein un-artciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöiLion: Leipzig, Woßptatz 17. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an I)r. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 23. Juni 1887. Nr. 25. Inhalt, Leitende Artikel: Die Uebersetzung des Gottesnamens. — Das Judenthum im akademischen Leben. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin.— Oesterreich-Ungarn: Pest, Nyribatoc, Eperies, Brünn. —Rußland: Lodz. — Amerika: Philadelphia. — Bonn: Notizen. — Bonn: Antiquarische Notiz. — Feuilleton: Der Tempel und das Theater. — Ein Verbot in Rußland. £eite/nSe €X'iti&ef. Bonn, 18. Juni. Die Uebersetzung des Gottesnamens. Den vierbuchstabigen Gottesnamen tarnDD.i Dtr, das Tetragrammaton, pflegen die jüdischen Uebersetzer seit Mendelssohn „der Ewige" zu übertragen, und ebenso die jüdischen Kanzelredner und die Religionslehrer. Ist dies richtig, und sollen wir damit fortfahren? Es ist dies gewiß einer sorgfältigeren Erwähnung werth. Bekanntlich war es seit uralter Zeit bei den Israeliten untersagt, diesen Namen auszusprechen, und nur der Hohepriester hatte einmal im Jahre, am Versöhnungstage, diesen Namen vor dem versammelten Volke laut und weihevoll zu proclamiren. An Stelle desselben wurde und wird \tin „Herr" gesagt, und der Gottesname selbst erhielt deshalb in den Drucken die Vocale dieses Wortes, resp. von Wie alt dies sei, ersieht man auch aus den Septuaginta, welche ihn mit y.vqioq „Herr" übersetzen. Ueber die Etymologie des 'n haben alte und neue Bibelforscher die mannigfaltigsten Meinungen aufgestellt, so daß wir aus diesen einen sicheren Anhalt nicht gewinnen können. Haben die Hypothesenjäger doch nicht einmal die gewiß sichere Bedeutung des Wurzelwortes mn „sein" unangetastet gelassen und ihm für den Gottesnamen die sonderbarsten Bedeutungen insinuirt. Wir glauben aber nicht, daß irgend ein unparteiischer Sprachforscher die Bedeutung „sein" anzweifeln werde, da sie in allen Sprachformen sich bestätigt. Wir haben uns deshalb, um den richtigen Begriff zu erlangen, lediglich an das Wort der h. Schrift zu halten. Aus dieser allein hat das Judenthum den Begriff des '.i von Anfang an geschöpft und festgehalten, und das Textwort hatte offenbar die Absicht, uns darüber einen bestimmten Begriff zu geben. Wir haben deshalb von geschichtlichem und theologischem Standpunkte alle etymologischen Gespinnste bei Seite zu lassen und uns nur an das Schriftwort zu halten. V. 2 des 6. Capitels des 2. Buches Mose heißt es: „Und Gott redete zu Moses und sprach zu ihm: Ich bin 'n. Ich bin aber erschienen dem Abraham, dem Isaak und dem Jacob als Gott der Allmächtige, doch in meinem Namens bin ich ihnen nicht bekannt geworden." Ist also hier 'n als „Name" Gottes und zwar mit einem höheren Gottesbegriff als El schaddai inhaltlich bezeichnet, so wird auf die frühere Stelle zurückgewiesen, in welcher dieser Name Gottes als solcher Moses offenbart worden. Es ist dies die classische 2. Mos. 3, 13 ff. Moses sagt: „Siehe, komme ich zu den Söhnen Israels und spreche zu ihnen: der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesendet, und sie sprechen zu mir: welches ist sein Name? was soll ich ihnen sagen?" Hieraus folgt zunächst, wie auch schon B. 6 besagte, daß in den Israeliten durch alle bisherigen Geschlechter, auch in dem eben vorangegangenen (deshalb V. 6 zu Moses TON* \~6n 'djn) traditionsweise die Anerkennung des Gottes lebte, welchen die drei Erzväter erkannt und angebetet hatten; alsdann aber, daß, um die völlig unorganisirten Israeliten zusammen zu fassen, ihnen ein Gottesname verkündet werden müsse, der sie aus der bloßen Tradition zu einem höheren 25

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