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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-16 · Heft 24 (16.6.1887) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 24 (16.6.1887)
Date
1887-06-16
Page
Seite 382 (sequence 14)
Language
German
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382 schichte der biblischen Völker, hauptsächlich der EgYPter und Assyrer, der Lehrer der mosaischen Religion von Begeisterung für seinen Glauben erfüllt sein und diese Begeisterung auch auf seine Schüler übertragen könne. Zum Beweise führte der Redner aus, wie der Gesetzgeber Moses nicht nur die Vielgötterei, sondern auch die götzendienerische Verehrung des einen Gottes, die Eingötterei (Monolaterie) im Sinne der Heiden verbiete; Zauberei, Dämonen, Zeichendeutung, Hexen und alle finstern Ausgeburten des Aberglaubens sind im masaischen Gesetze verpönt. In der Schöpfungsgeschichte ist selbst von Engeln keine Rede. Alle diese Gesetze aber sind im Gegensätze zu den heidnischen Religionen gegeben, wo Religion nichts anders war als Dämonenglauben und Zeichendeuterei. Dies ist das Ergebniß der neuesten Bibelkritik. Redner schloß mit dem warmen Appell an die anwesenden Jugendlehrer, diesen echt jüdischen Geist der Gottesverehrung beim Unterrichte vor allem hervortreten zu lassen. — Die Rede ward mit lebhaftem Beifall ausgenommen, und der Vorsitzende dankte Namens der Versammlung dem Redner. — Alsdann wurde die Discussion des Normallehrplanes fortgesetzt, an der sich die Herren vr. Bran-Pleß, vr. Jakobson- Schrimm, Dr. Samter-Waldenburg, vr. Badt-Breslau, Eisenberg, Beuthen & Freund-Kempen sehr lebhaft betheiligten. — Die Versammlung wurde gegen 2 Uhr geschlossen. Nach Ausweis der Präsenzliste waren anwesend 34 Mitglieder und 9 Gäste. Die nächste Generalversammlung wird wiederum! in Breslau stattfinden. C. Seligmann, Schriftführer. Vermischtes. - Die Juden auf Rhodus. In der „Griechische Reise von Karl Krumbacher" (Berlin, Hettler 1886) theilt der Vers. S. 99 Einiges über das Judenviertel in Rhodus mit. Er erwähnt die Zudringlichkeit der Bewohner desselben, um beim Ankauf von Sachen als Vermittler zu dienen und die Menge der bettelnden Kinder, die sich um ihn schaarten, als er einem kränklich aussehenden Kinde Etwas gegeben. Dann fährt er fort: „Urtheile, die sich auf erste Eindrücke gründen, sind meist einseitig oder falsch; das mußte ich auch hier erfahren. Das jüdische Viertel war mir bisher mit allen Insassen widerlich, schmutzig, zudringlich und in jeder Beziehung lästig entgegengetreten. Da die Ankunft des englischen Schiffes sich bedeutend verzögerte, so hatte ich Gelegenheit den c Eß^atof-iaxalccg an einem Sabbath zu betrachten. Selten habe ich das ideale Element, welches die Religion über das menschliche Geschlecht ausgießt, deutlicher gefühlt als hier. „Neujuden" giebt es in Rhodus noch nicht; nur ein von auswärts gekommener Glaubensgenosse hielt sein Kleidergeschäft offen. Die einheimischen dagegen pflogen in festtäglichem Staate völliger Ruhe. Auch der Fährmann, den ich zur Abholung des Gepäcks und zur Beförderung in das Dampfschiff im Voraus gedungen hatte, erschien heute in stattlichem Gewände und zeigte mir freundlich die Synagoge. Allenthalben saßen vor den Häusern Männer, Frauen und Kinder; manche lasen in den heiligen Büchern. Die Mädchen hatten als lieblichen Schmuck eine große Blume hinter dem Ohr stecken; weniger schön trugen sich die Frauen, die in unförmlichen, mit Pelz besetzten seidenen Neberröcken einherwankten. Die Knaben aus den wohlhabenden Familien verbanden sehr lieblich die Landestracht, d. h. die Pumphose aus Hellem Zeug, mit einem langen europäischen Ueberzieher. Heute, wo die ganze Judenschaft sich festtäglich zur Schau trug, bemerkte ich auch besser als früher die Menge wirklich schöner und ausdrucksvoller Physiognomieen unter Männern und Frauen. Selbst die sonst so zudringlichen Schuhputzer und Betteljungcn hatten ihre Arbeit eingestellt und wanderten in reinlichem Kleide durch die Straßen; nur vereinzelt wagten sie heimlich die Hand um eine Gabe auszustrecken, wurden aber sofort von den Eltern zurückgerufen, da auch das Betteln als eine am Sabbath verbotene Beschäftigung gilt. Ein stiller Gottesfriede lag auf den an den übrigen Tagen so lebhaften Straßen und gab Zeugniß von dem Grund, auf welchem die unverwüstliche Macht des vielverfolgten Volkes ruht." Ein seltener Missionsprediger. Rudolph Schleiden — ein Vetter des hochverdienten Professors — erzählt in seinen „Jugenderinnerungen eines Schleswig-Holsteiners" (Wiesbaden, Bergmann 1886) von einem Aufenthalte in Berlin S. 211: „Ich hörte einst bei der Jahresfeier der Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden eine Predigt, welche der berühmte Theologe Toluk aus Halle über den Text (Joh. 4. V. 22): „Das Heil kommt von den Juden", hielt. Jetzt, zur Zeit der antisemitischen Hetzereien, verdiente dieselbe wieder abgedruckt zu werden; denn sie war vortefflich, kam vom Herzen und ging zu Herzen. Während der Vortrag nicht frei von Affectation war und ab und zu etwas Theatralisches hatte, wurde die Wirkung durch die schöne sonore Baßstimme und die äußere Erscheinung des Redners erhöht, dessen Haupt ein nur mit Haut überzogener Todtenkopf zu sein schien, aus welchem strahlende, jedoch etwas zu bewegliche Augen hervorleuchteten. Ich war nicht ohne ein gewisses Vorurtheil gegen die Juden in die Kirche gegangen und verließ sie mit der durch spätere Erfahrungen erhärteten Ueberzeugung, daß es Unrecht sei, einen ganzen Stamm nach den widerwärtigen Eigenschaften mancher Einzelner zu beurtheilen."

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