Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1887)
- Date
- 1887-06-16
- Page
- Seite 379 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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379 und billige Uebersetzung, sammt beigedrucktem ^vi^-Texte in^theken, besonders für Religionslehrer zum Handgebrauche einem Bande erscheinen zu lassen. Dessauers „Deutsche! beim Bibel-Unterrichte, sowie zur Benutzung bei Vorträgen Raschi zur Thora", ein stattlicher Band von 555 Seiten, j in religiösen Vereinen. Möge das Buch die verdiente Bereignet sich für alle Bibelfreunde, für Schul- und Hausbiblioj Breitung finden. Kg. JeuiLLeton. Immer wieder! Es giebt für uns ein Gebiet, auf welchem eine unablässige Aufmerksamkeit und unermüdliche Anstrengungen nothwendig sind: der jüdische Religionsunterricht. Wir lasen jüngst in einer pädagogischen Zeitschrift ungefähr Folgendes: In einer höheren Töchterschule ward die Schulinspection abgehalten. Es wurden aus den ersten Schülerinnen einige aufgerufen und ihnen Fragen aus der biblischen Geschichte vorgelegt. Sie schwiegen und bezeugten eine vollständige Unwissenheit. Kaum daß sie den Namen Abraham kannten, den Namen seiner Frau wußten sie nicht. Auf die Frage des Schulinspectors an den Schulvorsteher, antwortete dieser: „Es sind Jüdinnen." Die Eltern der Mädchen nahmen diese Antwort übel und fragten den Vorsteher um deren Bedeutung. Dieser antwortete, er habe damit nichts weiter sagen wollen, als was der Schulinspector schon wisse, daß die jüdischen Schülerinnen den biblischen Unterricht nicht mitnehmen und keinen anderweitigen Ersatz dafür hätten. Ist dies nicht traurig? Ort und Zeit waren angegeben; aber wir haben dasselbe früher nicht minder aus anderen Orten erfahren. Was diese Mädchen, die ohne religiöse und religiössittliche Unterweisung bleiben, als Frauen und Mütter in dieser Richtung leisten und bewirken werden, ist einsichtlich: sie können nur ein völlig religionsloses Geschlecht erziehen. Fragen wir nun nach den Ursachen dieser betrübenden Erscheinung, so ergeben sich uns deren drei. Zuerst weil innerhalb des Judenthums im Cultuswie im Religionsunterrichte völlige Freiwilligkeit herrscht. Bon christlicher Seite ist dies nicht der Fall. Die Jahrhunderte alte Gepflogenheit und der Zwang, der von der Schule geübt wird, bewirken, daß jedes christliche Kind ausgiebigen Religionsunterricht erhält und confirmirt wird. Für die jüdische Jugend besteht nur in einigen wenigen Staaten die Schulpflicht im religiösen Unterricht, in den meisten ist es den Eltern überlassen, ob sie ihren Kindern Religionsunterricht ertheilen lassen wollen oder nicht. Das preußische Gesetz verpflichtet nur die jüdischen Gemeinden, für den Religionsunterricht Veranstaltungen zu treffen; ob diese von den Kindern benutzt werden oder nicht, darum kümmert sich das Gesetz nicht. Einige wenige Provinzialregierungen haben darüber Verordnungen erlassen, aber nur aus eigenem Ermessen. — Die zweite Ursache ist, daß extensiv und intensiv der jüdische Religionsunterricht noch immer mangelhaft ist. Im letzten Jahrzehend ist es allerdings bewirkt worden, daß derselbe auch in den öffentlichen Schulen einen Platz finde und in den Lehrplan niit ausgenommen werde. Wir brauchen dem Sachkundigen nicht zu sagen, wie dies doch nur verhältnißmäßig in einem geringen Theile der Schulen geschehen ist, wie namentlich in der Volksschule und in den höheren Klassen der Gymnasien dies noch nicht erreicht worden, und daß sich die Mehrzahl der Privatschulen dazu noch nicht hat bewegen lassen, abgesehen davon, daß die dafür bewilligte Stundenzahl für den jüdischen Religionsunterricht mit seinen mehrfachen Disciplincn sehr ungenügend ist. Aber von der anderen Seite müssen wir Offenheit genug besitzen, um zu sagen, daß der jüdische Religionsunterricht da, wo er stattfindet, noch sehr oft einen nicht befriedigenden Zustand zeigt. Die Zahl der für diese Disciplin genügend vorbereiteten Lehrer ist noch mangelhaft, besonders da die bestehenden Lehrerseminarien noch lange nicht ausreichen und mit den nöthigen Mitteln zum Unterhalte der mittellosen Seminaristen ungenügend versehen sind. Aber auch nicht wenige von den seminaristisch geschulten Lehrern legen sich viele mehr auf die formale als auf die innerliche Seite bei ihrem Unterricht. Zu selten noch fühlen sie die zum Religionsunterrichte erforderliche Wärme und Begeisterung; sie erwecken und beleben ihre Schüler nicht genug, begnügen sich mit Aeußerlichkeiten, namentlich in der biblischen Geschichte, ohne den religiösen und sittlichen Inhalt derselben ihren Zöglingen aufzuschließen. Wir sagen es offen: es ist dies nicht bloß bei den Lehrern, sondern auch bei den Rabbinern der Fall, welche Unterricht ertheilen. Gerade im Judenthume, wo streng formulirte Dogmensätze nicht eine enge Umgrenzung gebieten, wo die biblischen Schriften selbst den Blick auf die Natur, auf die Schöpfung Gottes immer wieder lenken, und wo eine so reiche Geschichte durch eine Fülle von Ereignissen und Persönlichkeiten so viele Mannigfaltigkeit bietet, kann der Religionsunterricht anziehend und begeisternd auf die Jugend wirken, wenn der Lehrer es versteht, aus allen diesen Bereichen Lehre und Vorbild zu ziehen. Also nach beiden Richtungen hin, extensiv und intensiv, bleibt noch ein großes Feld übrig, das