Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1887)
- Date
- 1887-06-16
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
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377 großen Ideen des Judenthums ins rechte Licht zu setzen. Er weigerte sich entschieden, das ihm von der Universität erbotene Honorar für seine Bemühungen anzunehmen, bestimmte vielmehr den ihm zugewiesenen Betrag eineni mittellosen Studenten, der sich mit der Wissenschaft des Judenthums beschäftigte. Allgemeiner Beifall folgte dieser Erklärung und sicher ist es ein Kidduseh haschem von nicht zu unterschätzender Tragweite, daß in der schwedischen Gelehrtenwelt nunmehr Juden und Judenthum eine richtigere Würdigung finden. — Bei der jüngst stattgefundenen Eröffnnng des neuen Universitäts-Gebäudes in Upsala wurde Hrn. vr. Klein eine besonders ehrende Auszeichnung zu Theil er wurde als Ehrengast eingeladen, der Feierlichkeit beizuwohnen. — Bonn, 12. Juni. (Notizen.) Aus Wien wird geschrieben: Im Seelsorge-Amte des Rabbiners vr. Güdemann in Wien fand den 27. d. M. eine Ceremonie des Glaubens' Wechsels statt, die schon mit Rücksicht auf die Persönlichkeit, welche sich in den israelitischen Religionsverband aufnehmen ließ, erwähnenswerth erscheint. Es ist dies eine junge ungarische Aristokratin aus dem ältesten und angesehensten ungarischen Adel: Fräulein Melanie v. Blaskovics. Die wegen ihres Wohlthätigkeitssinnes und ihres edlen, humanen Wirkens allgemein verehrte Gemahlin des Herrenhausmitgliedes Baron Moritz Königswarter, Frau Baronin Königswarter, stand der jungen Dame, welche beim genannten Seelsorger Unterricht genommen, gleichsam als Pathin zur Seite. Die Bermählung des Fräuleins v. Blaskovics mit dem ältesten Sohne des Barons Moritz Königswarter, Baron Hermann Königswarter, findet den 31. d. M. ohne jeden Prunk statt. — Aus Pest wird uns geschrieben: An die Stelle des früheren Rabbiners Albert Stern alias Szterenyi, der sich vergeblich bemühte, hier eine Reformgemeinde ins Leben zu rufen, hat die Neu-Pester Gemeinde den bisherigen Gajarer Rabbiner I. Schwarz mit dem Titel eines Rabbiner-Stellvertreters gewählt. — Dem Hrn. S. T. Tauber, Rabbiner und Prediger der israel. Gemeinde in Jassy wurde von Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef das goldene Berdienstkrcuz mit der Krone verliehen. — Man schreibt uns aus Darmstadt: Den 7. d. M. starb dahier in einem Alter von beinahe 77 Jahren Herr Bernhard Bassunger, Oberpost-Jnspections-Registrator i. P. — Er galt allgemein als ein pflichttreuer fleißiger Beamter und hatte sich der allgemeinen Achtung zu erfreuen. Als Mitglied der hiesigen i'-r. Gemeinde nahm er an Allein lebhaftes Interesse, was das Gemeindewohl berührte. Er hing der Reformpartei an und suchte die Reform des öffentlichen israel. Cnltus nach Kräften zu fördern. Dabei war er stets darauf bedacht, allsabbathlich Morgens die Synagoge zu besuchen, nur äußerst selten unterließ er es. Was ihn aber noch besonders auszeichnete, war sein Streben, die wohlthätigen Anstalten in der hiesigen Gemeinde zu fördern. Die Statuten des Kranken- Unterstützungsvereins, des Mädchen-Ausstattungsvereins und des Frauenvereins waren sein Werk. Daher wird ihm ein ehrendes Andenken dahier bewahrt bleiben. — Auf Präsentation des israel. Consistoriums in Bayoune hat das Central-Consistorium die Wahl des Herrn Aristide Astruc, frühern Großrabbinen von Belgien, zum Großrabbinen des Sprengels von Bayonne bestätigt. — Aus Pest wird uns geschrieben: Hr. vr. Moritz Beck, gegenwärtig Prediger in Bukarest, wurde zum Rabbiner in Stuhlweißenburg gewählt. Bonn, 6. Juni. (Literarische Notizen.) Aus Osten kamen uns soeben zwei Broschüren aus bewährten Federn zu. Die eine vom Stadtrabbiner vr. S. L. Schwabacher in Odessa: „Das Werk der Erinnerung, Weihrede zur Eröffnung des zum Andenken Sr. Eminenz des Gott- .seligen Erzbischofs Dimitri von der Odessaer israelitischen Gemeinde gestifteten Waisenstipendiums. Reinertrag zur Gründung einer Handwerks-Abtheilung bei der Volksschule Kleine Jeschiva. (Odessa, A. Schnitze 1887.)" Wenn man in Deutschland allgemein der Besprechung des Antisemitismus pro st contra müde ist und ihn nur dann noch ans Licht zieht, wenn irgend eine Thatsache seinem widerwärtigen Dasein entspringt, so können wir es unsren Brüdern im Osten, die noch immer so viel unter dem Druck und der Berfolgnug von Seiten der judengehässigen Gesinnung zu leiden haben, nicht verdenken, wenn sie sich immer wieder gegen den Antisemitismus wehren, seine Lügen und Verleumdungen widerlegen und auf Gerechtigkeit und Humanität dringen. So nimmt denn auch in Schwabacher's Schrift, die „Weiherede", welche die Tugenden des verstorbenen Kirchenfürsten rühmt und die aus gewissen Gründen gar nicht gehalten worden, den kleinsten Raum ein, während das „Vorwort" 55 Seiten füllt. In demselben beleuchtet er mit großer Schärfe, ja natürlicher Bitterkeit und dennoch möglichst objectiv die antisemitischen Jnvectiven. Hier und da fehlen die Sonderbarkeiten nicht, deren sich der Vers, nun einmal nicht enthalten kann. Wir rechnen z. B. dahin den Ausdruck zwBeginn der Weiherede: „Im Namen des Eincinigen!" Jedenfalls zeichnet sich der Vers, durch großen Freimnth aus, der um so anerkeunenswerther ist, je schwieriger die Verhältnisse, unter welchen er schreibt. Doch gegen Eines müssen wir protestiren, was wir bereits bei mehreren ausländischen Autoren zu rügen hatten. Nachdem der Vers, die Herrlichkeit des deutschen Volkes in seinen Philosophen und Dichtern und in allen seinen geistigen Schöpfungen gepriesen, fügt er hinzu: „Dies Volk begnügt sich mit den Werken eines Herrn v. Liebcrmann, Stöcker, Wagner u. s. w., dies Volk steigt herab von seiner Höhe und wälzt sich in den Kloaken des Antisemitismus." Dies 24