Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Date
1887-06-09
Page
Seite 365 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227687--44474-3266755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

365 thümliche Melodie ist recht sehr geeignet, die Aufmerksamkeit auf die herauszugebende Sammlung zu richten, welche sicherlich eine Bereicherung unsrer liturgisch-musikalischen Literatur bilden wird. — Im Verlage von Kauffmann in Frankfurt a. M. ist soeben der zweite Theil der ’tb' „Gottesdienstliche Gesänge für Israeliten, componirt von R. Rosenhaupt, Obercantor der israelitischen Gemeinde zu Nürnberg" erschienen. Der erste Theil dieses Werkes hat sich einer sehr guten Aufnahme und Anerkennung zu erfreuen gehabt, und dies ermuthigte den Vers., die Fortsetzung herauszugeben. Dieser zweite Theil enthält in 53 Nummern den Sabbath-Morgen-Gottesdienst. Um die Theilnahme der Gemeinde an dem Gesänge zu ermöglichen, hat Herr Rosenhaupt 14 Nummern in Unisonochören componirt. Wir werden eine weitere Besprechung aus fachmännischer Feder bringen. — London, 24. Mai. (Literarische Notizen.) vr. Carl Abel, der frühere Berliner Correspondent der „Times", hat vor Kurzem eine „Einleitung in ein ägyptisch-semitisch-indoeuropäisches Wurzelwörterbuch" erscheinen lassen, das in unseren gelehrten Orientalistenkreisen als ein werthvoller Beitrag zur vergleichenden Sprachwissenschaft geschätzt wird. Die Arbeit besteht aus einem einzigen Bande und ist verhältnißmäßig das theuerste Buch, das der Büchermarkt jemals ausgeworfen hat. Es kostet 100 Mk. wegen der überaus schwierigen Herstellung, denn der Text bringt außer arabischen und hebräischen Sätzen zugleich Hieroglyphen-Einschaltungen. Der Verfasser hat an dem Wurzelwörterbuch sechs volle Jahre ununterbrochen gearbeitet. Pest, 25. Mai. (Literarische Notizen.) Bei den Planirungsarbeiten auf dem Platze zwischen der Mathiaskirche in Ofen und dem Palais des Finanzministeriums fand man in der südlichen Grundmauer des demolirten alten Jesuitcnklosters einen wohl erhaltenen, schön gemeißelten jüdischen Grabstein. Nach der gut leserlichen Inschrift — dieselbe wird in Magyar Jsido Szemb abgedruckt werden — war der Leichenstein gesetzt einer anfangs Elul 5432 — Ende August 1672 verstorbenen frommen und wohlthätigen Frau Freidel, deren Vater aus (?) din eingewandert war. Es ist dies ein Ueberbleibsel aus dem alten jüdischen Friedhofe in der Festung zu Ofen, der sich zwischen der Nandorgasse, der Staatsdruckerei und dem Wiener Thor erstreckte. Als dann nach der Wiedereinnahme der Festung die Israeliten in die Wasserstadt gedrängt wurden, sind die Grabsteine wie in vielen Städten Deutschlands und Italiens zu Bauzwecken verwendet worden, und so kam dieser Leichenstein in die Mauer des Jesuitenklosters. Kg. Ieuil Aus einer Pariser Reise im Jahre 1854. n. Ich ging nun ernsthaft an's Werk. Zunächst machte ich allen Mitgliedern des Centralconsistoriums und anderen ausgezeichneten Männern unsrer Religion meine Aufwartung. Ueberall fand ich die freundlichste Aufnahme, ein williges Gehör und nach meinen Auseinandersetzungen eine warme Zustimmung. Ich hatte bereits vorher ein desfalsiges Memoire an das Consistorium gerichtet, so daß die Herren mit der Idee bereits bekannt waren und sie erwogen haben konnten. Besonders waren es der Großrabbiner Ullmann, S. Munk (Secretair des Consistoriums) und Prof. A. Frank, die sich enthusiastisch über den Plan der Erziehung jüdischer Jünglinge aus dem Orient im Occident äußerten und ihm auch stets treu geblieben. Man versicherte mir allseits, daß die Schwierigkeiten zu überwinden wären und die Geldmittel nicht fehlen würden. Diejenigen größeren Gemeinden Deutschlands, die sich bereits der Sache geneigt erklärt hatten, waren der Meinung, daß die Angelegenheit eine Centralinstanz und zwar in einer jüdischen Behörde haben müsse, und diese i e t o n. | glaubte ich am ehesten in dem französischen Centralconsistol rium zu finden. Nach den Aeußerungen der Herren konnte ich der Ueberzeugung leben, dieses Ziel erreicht zu haben, um so mehr, als das belgische Consistorium mir nach Paris eine zustimmende Antwort und den Ausdruck seiner Bereitwilligkeit, an der Ausführung des Werkes Theil zu nehmen, gesandt hatte. — Um so mehr verfolgte ich nun den, momentan noch wichtigeren Zweck meiner Reise, über die zukünftige Stellung der Juden im türkischen Reiche eine beruhigende Zusicherung zu erhalten. Es kostete viele Mühe, mir eine Audienz beim damaligen türkischen Gesandten in Paris, Vely-Pascha, zu verschaffen. Endlich wurde mir auch diese zu Theil. Vely-Pascha war ein untersetzter, kugelrunder Mann mit einem echt türkischem Gesicht, auf welchem eine menschenfreundliche Gesinnung nebst vieler Intelligenz ausgeprägt war. War seine Gestalt nicht imponirend, so wußte er doch durch seine Haltung jene Würde und Vornehmheitwelche den Orientalen eigen ist, zum Ausdruck zu bringen. Nicht jene spanische Grandezza, die Ansprüche ausdrückt, auf welche kein Recht vorhanden, sondern die orientalische, die aus der Macht und dem Ansehen ihrer Würde zieht, Er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.