Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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364 statirt, daß dieser Hut weder in Nisch, noch in den umliegenden Städten gekauft wurde. Was den Fall weiter räthselhaft macht, ist der Umstand, daß viele Anzeichen dagegen sprechen, als hätte man es hier mit einem einfachen versuchten Raubanfall zu thun. Andererseits fehlen auch genügende Anhaltspunkte, um den Mord als einen Racheact hinzustellen. Abgesehen von den gesellschaftlichen Connexionen der betroffenen unglücklichen Familie, ist es der räthselhafte Character der ganzen Begebenheit, welcher eine tiefgehende Beunruhigung in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Nischs verursachte. Man ist nicht abgeneigt, den Mord als eine Folge des auch hier schon Schule machenden Antisemitismus anzusehen und die schauderhafte That als gegen die Juden überhaupt gerichtet zu betrachten. Die aufgeschreckte Gemeinde der Spaniolen hat diesen Befürchtungen auch in einer Eingabe an die Präfectur Ausdruck gegeben. Die bedauernswerthe junge Frau — eine bekannte Schönheit — wurde am 24. d. unter großer Theilnahme der gesammten Bevölkerung zur Ruhe bestattet. Die übrigen Personen sind wohl schwer verletzt, doch ist begründete Hoffnung vorhanden, daß sie von ihren Wunden genesen werden. Spanien. Madrid, im Mai. Die von dem Senator Lapuya ausgegangene Anregung für die Einwanderung von Juden in Spanien hat trotz aller bisher erflossenen Warnungen Wirkung gemacht. Vor Kurzem kamen 13 Juden, wovon 7 Frauen und 2 Kinder, aus Brody geschickt, ohne Geld und ohne Bagage an und wandten sich an Herrn Lapuya, der ohne Fond in der Kasse die armen, an Allem entblößten Leute unterbringen mußte. Er mußte dazu seine eigenen Mittel verwenden. Eben war er dahin gekommen, mit Unterstützung einiger Israeliten jene Leute nach Lissabon abzufertigen , als ein neuer Zug von Juden an seine Thüre klopfte. Diesmal waren es prächtige Marokkaner, im Costüme ihrer Heimat, ohne Mittel, aber vielleicht von einer berühmten israelitisch-spanischen Familie abstammend, welche 1492 verbannt ward. Es waren ihrer auch 13. Diese, drei marokkanische Familien bildend, machten Aufsehen in Madrid, und die Bevölkerung zeigte sich freundlich gegen sie gesinnt. Sie machten Glück bei den Bewohnern von Madrid und erhielten von allen Seiten reiche Almosen. Sie wurden in einem Hause von der Umgegend von Madrid einlogirt. Wenn Herr Lapuya aus Europa Unterstützung erhielte, will er versuchen, aus diesem Anfang eine jüdische Gemeinde zu entwickeln. Bonn, 5. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Oberdorf (Würlt.) 22. Mai: Das hiesige Rabbinat wurde nach mehrjähriger Bacatur von der israel. Oberkirchenbehörde dem Rabbinen vr. Grün in Hohenems übertragen, welcher gestern vom Kirchenrath vr. Wassermann in feierlichem Gottesdienste in sein Amt eingesetzt wurde. Nachmittags nach 3 Uhr sammelte sich die israel. Gemeinde mit zahlreichen Gästen zu einem Bankett im „deutschen Hofe," wobei es an den üblichen Toasten nicht fehlte. — Auch an dieser Stelle sei zu ehrendem Andenken der Tod des Prof. vr. Otto Stobbe erwähnt, der am 19. Mai im 55. Lebensjahre zu Leipzig verschied. Er war Verfasser der sehr verdienstvollen Schrift: „Die Juden in Deutschland während des Mittelalters in politischer, socialer und rechtlicher Beziehung" (1866.) — Wie uns aus Riga geschrieben wird, verweilte daselbst einige Tage zum Begräbniß seines Freundes Caplan der neuhebräische Dichter und Redacteur des Ha-Melitz, Leon Gordon aus Petersburg. Die Verehrer des verdienstvollen Mannes überreichten ihm durch eine Deputation einen silbernen Lorbeerkranz. — Zu London verstarb kürzlich ein Herr Moses Lea, der Legate im Betrage von 12,500 L. St. (250,000 M.) hauptsächlich jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten vermachte. — Bonn, 17. Mai. (Literarische Notizen.) Wir hatten eben die Schrift des vr. Poznanski über „die religionsphilosophischen Ansichten des Flavius Josephus" besprochen, so erhalten wir eine Concurrenzschrift: „Beiträge zur Kenntniß der religions-philosophischen Ansichten des Flavius Josephus." Bon A. Lewinsky, (Breslau, Preuß und Jünger 1887). Die beiden Schriften, wenn sie im eigentlichen Stoffe auch übereinstimmen, ergänzen doch einander. Der Verfasser der vorliegenden Schrift geht mehr auf das speciell Sachliche ein und benutzt die einschlägige Literatur in größerem Umfange, während Poznanski mehr die allgemeinen Gesichtspunkte verfolgt. Nach einer größeren Einleitung über Josephus und seine Schriften behandelt der Vers, in vier Capiteln „die Lehre von Gott, seinem Wesen, seinen Eigenschaften und seinem Verhältniß zur Welt," kürzer die „Engel- und Dämonenlehre," die „Lehre von der Welt" und „die Lehre vom Menschen." Nach der Besprechung der ersteren Schrift brauchen wir heute nicht näher darauf einzugehen. — ■dv.J' 03 PN21, idid nu^n PN21 N013P rmpn zweiter Theil (Odessa Schultze 1887.) Es werden in diesem Theile Schreiben und Gutachten namhafter Rabbiner von Nr. 20 bis 43 mitgetheilt, und wird ein dritter und vierter Theil folgen. Nach einigen einleitenden Worten des Rabb. vr. Schwabacher folgt eine ausführliche, orientirende Vorrede des Herausgebers. Das Werk ist über die noch actuellen Fragen eine Bereicherung der halachischen Literatur. — Oberkantor B. Singer in Jung-Bunzlau versendet als Prospect altjüdischer Melodien in Böhmen einen Kaddisch zu Schabuoth, für Vorbeter und Basso I und II. Die eigen-