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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Date
1887-06-09
Page
Seite 362 (sequence 10)
Language
German
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<562 Wiederholung gefunden. Einige Fabrikarbeiter ließen ihrer Laune die Zügel schießen und hauten einen jüdischen Sensal durch. Einige Fensterscheiben gingen in Trümmer, worauf die Ruhe durch einige sofort am Platze erschienene Wachleute hergestellt wurde. Es wurde eine Verhaftung vorgenommen. Um neun Uhr Abends kamen die ersten Meldungen, daß sich im Blumenthal, in der Pülffy-, Wallonen- und Blumenthalgasse größere Zusammenrottungen zeigen. Einige Gassenbuben schrieen Eljen, hißten ihre Sacktücher als Fahnen auf ihre Stöcke und verursachten so für einige Augenblicke Unordnung unter der angesammelten Menge. Stadthauptmann Kuzsehuba, sowie dessen Stellvertreter Kucsera und Bürgermeister Mergl waren sofort am Platze und stellten die Ordnung her. Um 9V2 Uhr wurde von der Polizei um militärische Assistenz nachgesucht, da die Zusammenrottungen immer größere Dimensionen anzunehmen drohten. Glücklicherweise gelang es jedoch dem taktvollen Einschreiten der Polizei, die Ruhe ohne Militär herzustellen. (Seitdem haben die Krawalle aufgehört.) Preßburg, 31. Mai. Preßburg ist die altberüchtigte Stätte der Judenkrawalle, und will sich dieses Schandmal immer von Neuem aufdrücken! Ist es hier doch nicht allein der Pöbel, sondern auch ein Theil der Bürgerschaft, welcher das Gros dazu liefert. Die Stadt hat schon mannigfachen Schaden dadurch erlitten; sie hat Schadenersatz leisten müssen; nach den letzten Krawallen sind bedeutende jüdische Industrielle weggezogen; andere werden jetzt folgen; Preßburg sinkt immer mehr herab — aber was fragt der Pöbel hiernach — es wird immer wieder krawallt! Desfallsige Depeschen lauten: Vom 27. Mai: In Preßburg hat gestern Nachts ein antisemitischer Krawall stattgefunden. Der Pöbel rottete sich vor der Wohnung des jüdischen Kaufmanns Jellinek zusammen und demolirte Fenster und Thüren unter der tumultuarischen Forderung, man möge eine angeblich abgeschlachtete christliche Dienstmagd herausgeben. Der Krawall wurde durch die lügenhaften Aussagen einer bei Jellinek Bediensteten Magd hervorgerufen. Das Mädchen lebt und befindet sich ganz wohl. Die Polizei mußte Militär requiriren, um die Ruhe herzustellen. Ein Wachinspector erhielt einen Stich in den Oberschenkel. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Vom 28. Mai: Die antisemitischen Krawalle in Preßburg haben sich heute Nacht wiederholt. Die Ansammlungen dauerten bis Mitternacht. Das Militär war in den Kasernen eonsignirt, das Einschreiten derselben wurde aber vermieden, da es der Polizei gelungen war, die Ruhe herzustellen. Für heute Abend wird eine Wiederholung befürchtet. Nußland. Warschau, im Mai. Wie der „Kreuzz." telegraphirt wird, ist eine weitere Beschränkung der Geschäfte der Ausländer angeordnet worden. Die Regierung dehnt nämlich das Gesetz, welches auswärtigen Juden Geschäfte im Kaiserreich Rußland verbietet, auch auf das Königreich Polen aus. In Folge dessen ist in Warschau bereits einer Anzahl von Kaufleuten, trotzdem sie Gildenscheine hatten, verboten worden, weiter Geschäfte zu treiben. Turek, 25. Mai. (Privatmitth.) Die unter dem Präsidium des Grafen von Pahlen tagende „Commission" zur Revision der auf die Juden Rußlands bezüglichen Gesetze wurde soeben nach einer Mittheilung des Petersburger „Hajom" auf einige Zeit vertagt. Es ist wunderbar, daß nach vierjähriger Thätigkeit noch keine Spur von deren Lösung der „Judensrage" vorhanden ist, vielmehr während ihrer Sitzungen die Lage der Juden durch die inhumanen Gesetzesdeuteleien unserer Beamten, weil das bezügliche Gesetz noch nicht officiell regulirt sei, sich noch verschlimmert hat. — Bor Kurzem wurde in der „Commission" über die „Chedarim und Jeshiboth" verhandelt, worauf sie 6 jüdische Notablen zur Aeußerung ihrer Ansichten über die Frage, ob und welche Veränderungen mit denselben vorzunehmen wären, heranzog. Bei der betr. Sitzung der „Commission" und der Notablen in dieser Angelegenheit hielten die Notablen sich in pädagogischen Fragen meist für incompetent, und haben sie sich in der anberaumten Sitzung bloß in der „Chederfrage" indirect und nicht entschieden geäußert, dagegen für die „Jeschibothfrage" die Hinzuziehung rabbinischer Autoritäten erbeten, was ihnen eben Allerhöchst bewilligt worden. Auf erfolgte Einladung erschienen bald die namhaftesten frommen sowie gebildeten Rabbiner Rußlands, 9 an der Zahl. Wie mir von befreundeter Seite aus Petersburg mitgetheilt wurde, hielten die Notablen und Rabbinen specielle Vorsitzungen ab, und darauf kehrten die Letzteren nach Hause zurück. Auch dieser Gegenstand ist demzufolge unerledigt geblieben. — Ueber die Ausweisung russischer Staatsangehöriger aus Preußen theilte der Berliner Correspondent der „Nowoje Wremja" neulich folgende Details mit, die, wie es scheint, wahrheitsgemäß sein müssen, da auch die „Voss. Ztg." das nämliche enthalten hatte. Diese so verbürgte Nachricht dürfte auch hier von Interesse sein. Es ist nämlich zwischen Rußland und Preußen eine neue Convention abgeschlossen worden, laut welcher russische Unterthanen, die nicht polnischer Nationalität und nicht jüdischer Confession sind, der factischen Ausweisung in Preußen nicht unterliegen sollen. Also für russische Unterthanen aber nichtrussischer Nationalität ist das preußische Gebiet verschlossen. Bemerkenswerth ist aber, daß die russ. Regierung nun denkt, in ihrem Lande in der Behandlung

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