Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- Seite 361 (sequence 9)
- Language
- German
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2kl gegangen und ist an Geschenken ebenfalls weniger zugeflossen. Die regelmäßigen Eingänge weisen demgemäß etwa 400 M. weniger als im Vorjahre auf. Ebenso haben wir für Kaddisch-Stiftungen um 2100 M. weniger eingenommen und für immerwährende Mitgliedschaft in diesem Jahre gar nichts zu verzeichnen. Die Beiträge der Schüler und aus Stipendien sind ebenfalls wesentlich zurückgegangen. Dagegen ist die Einnahme an Zinsen aus belegten Capitalien und Stiftungen eine erhöhte. Die Einnahme stellt sich insgesammt um etwa 3,200 M. niedriger als im vorigen Rechnungsjahre. Die Ausgabe hat sich jedoch um etwa 800 M. erhöht. Es bedarf gewiß nicht einer näheren Ausführung, daß dieses Mißverhältniß einen Rückschritt bezeichnet, und daß es einer kräftigen allseitigen Förderung unseres Vereins bedarf, um denselben nicht zu einem constanten werden zu lassen, welcher dem Bestände unseres Vereins verhängnißvoll werden müßte. Im vergangenen Jahre waren von uns 23 Schüler in dem erweiterten Internat verpflegt worden und 9 Schüler anderweitig in Pensionen untergebracht. Hierfür sowie für sonstige Beihülfen, wurden unter Leistungen von Zuschüssen seitens der Angehörigen der Betreffenden, 11,461 M. 33 Pf. verausgabt. Der Verein zählt 223 hiesige und 254 auswärtige Mitglieder, von welchen im Ganzen 5,313 M. 95 Pf. an Beiträgen und Geschenken eingingen." Einnahme und Ausgabe balanciren einschließlich des Deficits mit M. 14,787. Das Vermögen besteht in M. 14.710, wozu vier „Stiftungen" im Betrage von zusammen M. 8,4t3 kommen. — Die obigen Daten fordern wohl genügend zu einer regeren Betheiligung beredt auf: gilt es doch, dem Judenthume tüchtige Lehrer zu verschaffen, und zugleich strebsamen Jünglingen die Existenz zu sichern und ihren Bildungsgang zu fördern! Warum giebt es doch so Viele, die das sehr schön finden, aber — nichts thun! Oesterreich - Ungarn. Preßburg, 29. Mai. Ueber die Straßenexcesse, deren Schauplatz in den letzten Tagen Preßburg gewesen, berichtet die „Preßb. Ztg.:" „Der erste Exceß nahm am 26. d., etwa um 8 Uhr Abends, seinen Anfang. Einige junge, kaum der Schule entwachsene Bursche provocirten auf der Straße einen Lärm. Nach und nach kamen größere Menschenmassen, so daß binnen kurzer Zeit die Passage in der Pülffy» und Wallonergasse vollständig gehemmt war. In ruhiger Weise forderte Stadthauptmann-Stellvertreter Kucsera das Publikum auf, sich zu zerstreuen. Die Antwort auf diese Aufforderung war, daß faustgroße Steine gegen die Gewölbthür und Fenster der Jellinek'schen Wohnung flogen. Da zu befürchten stand, daß die Menge sich zu größeren Ausschreitungen herbeilassen könnte, verstärkte Herr Kucsera die Polizeimannschaft, war jedoch, als alles dies ohne Erfolg blieb, genöthigt, Militär zu requiriren. Polizei und Militär säuberten die Straßen, verfügten die Sperrung sämmtlicher Wirthshäuser, worauf nach und nach wieder Ordnung geschaffen wurde. — Ueber das Entstehen des Krawalles cursiren verschiedene Versionen. Eine lautet dahin: Das bei Jellinek bedienstete hübsche Dienstmädchen Antonie Bukits sei eines Tages in den Keller gegangen die Gänse zu schoppen, als ihr Jellinek nachschlich und Anträge machen wollte, auf welche jedoch das Mädchen kreischend davoneilte. Die Fama hatte sich dieses Gerüchtes allsogleich bemächtigt, man erzählte sich, daß es nicht nur Jellinek gewesen sei, welcher dem Mädchen nachgeschlichen, sondern noch drei bärtige, mit Messern bewaffnete Juden, welche einen rituellen Mord beabsichtigten rc. Eine andere Version schildert die Ursache des Excesses folgendermaßen: Am 26. Mai Abends kamen angeblich mehrere Soldaten in das Geschäftslokal Jellinek's, begehrten Schnaps und als sie sich endlich in trunkenem Zustande befanden, weigerten sie sich, das consumirte Getränk zu bezahlen, worauf Jellinek »nt den Soldaten in Streit geriet!), in Folge dessen diese auf die Gasse eilten und gegen Jellinek und die Juden zu schimpfen begannen. Rasch hatte sich nun um die Soldaten eine große Menge, durch die früher erwähnten Gerüchte ohnehin aufgeregter Personen, Arbeiter rc. versammelt, welche die Partei der Soldaten ergriffen und dadurch den Tumult natürlich noch vergrößerten. — Auf Grundlage der bei der Polizei einvernommenen Personen ist glaubwürdig Folgendes konstatirt: Antonia Bukits, das Mädchen, welches die Veranlassung zu den Excessen gewesen, erschien in Begleitung des Kaustnannes Holly im Rathhause und erstattete die Anzeige, daß Jellinek ihr unsittliche Anträge gestellt habe. Bevor jedoch noch eine Untersuchung eingeleitet werden konnte, entstanden schon die traurigen Excesse, die allen behördlichen Anordnungen Vorgriffen. — Die größte Verwirrung während des Excesses verursachte ein betrunkener Trainsoldat, der mit seinem Faschinmesser die Gewölbthür Jellinek's bearbeitete und auch gegen Stadthauptmann Kozsehuba zu einem wuchtigen Hiebe ausholte, der diesen gewiß lebensgefährlich verletzt hätte, wenn nicht im entscheidenden Momente einige Wachleute den rabiaten Soldaten entwaffnet hätten. Der Soldat wurde mit großer Mühe verhaftet, da das aufgeregte Publikum die Freilassung desselben energisch forderte, welchem Begehren natürlich nicht stattgegeben wurde. Am nächft-en Tage haben die Straßenexcesse um 12 Uhr Mittags ihre 23