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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-02 · Heft 22 (2.6.1887) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 22 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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348 verbleiben. Die Beisetzungsfeier fand im Rathhause am 22. d. in sehr feierlicher Weise statt. — Von Berlin berichtet man ferner: In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch verstarb im Alter von 67 Jahren ein während der politischen Bewegung von 1848 viel genannter und besonders im Potsdamer Viertel bekannter Arzt, vr. Moritz Lövinson. Um die Entwickelung der Potsdamer Vorstadt, sowie Schönebergs erwarb er sich mancherlei Verdienste. In den letzten Jahren lebte er in Folge eines schweren Leidens völlig zurückgezogen in seinem Hause Potsdamer Straße 112a. Ec wurde am 20. d. Vormittag auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet. Vorher fanden sich um den in: Trauerhause, Potsdamer Straße 112, aufgebahrten Sarg zahlreiche Berufsgenossen und Freunde des Verewigten ein. Von bekannten Aerzten sah man die Geheimen Sanitätsräthe Abarbanell, Levin, Sanitätsrath Marcuse und viele Mitglieder des Aerztevereins im Westen Berlins. Der Potsdamer Thorbezirksverein legte einen Lobeerkranz mit Widmungsschleife am Sarge nieder. Nach beendeter Trauerfeier erfolgte die Ueberführung der sterblichen Hülle auf einem einfachen, schwarz verhangenen Leichenwagen zum Friedhof. — Man schreibt ferner aus Fürth vom 22. Mai. Im großen Rathhaussaale fand heute Mittag 11 Uhr unter zahlreicher Betheiligung der städtischen Colltgien, der israel. ( Cultusgemeinde, des Armenpflegschaftsrathes, der Distrikts-! Vorsteher, des Gewerbvereins, Kunstvereins, Jugendhortes,! Westlichen Vorstadtvereins u. s. w. eine erhebende Trauerfeierlichkeit für den verstorbenen Ehrenbürger Hrn. vr. Königs- Wärter statt. Der Saal war der Feier entsprechend ausgeschmückt, und die Urne mit der aus Gotha hierher transportirten Asche des Verlebten hatte in demselben Aufstellung gefunden, umgeben von den Seitens der verschiedenen Corporationen niedergelegten Kränzen. Nach einem Gesangsvortrag des Lehrergesangvereins richtete ein Neffe des Verstorbenen einige einleitende Worte an Herrn Bürgermeister Langhans, worauf dieser in einer vortrefflichen Rede den Verlebten als großen Wohlthäter feierte, der dem Grundsätze gehuldigt habe: jeder Tag, an dem er nicht eine gute That vollführt, sei ein verlorener Tag. Nachdem der Redner den Dank der Stadt zum Ausdruck gebracht, ergriff Herr Rector Brunotte das Wort, um Namens des Gewerbvereins für die Simonspreisstiftung Worte des Dankes zu sprechen. Außerdem sprach noch Herr Rechtsanwalt vr. Schmidt Namens des Jugendhortes und Herr Fabrikbesitzer Engelhardt im Aufträge des Kunstvereins. Nach einem Schlußgesang des Lehrergesangvereins wurde von Preisträgern der Simousstiftung die Urne sammt den Kränzen in Empfang genommen und in einer Equipage unter Begleitung der Trauerversammlung in das Leichenhaus des israelitischen Friedhofes überführt. Dortselbst wurde die Urne durch 2 Vorstandsmitglieder der israelitischen Cultusgemeinde in einem eigens zu diesem Zweck angeschafften verschließbaren Schränkchen eingeschloffen und Herrn Bürgernieister Langhans die Schlüssel zu demselben eingehändigt. Die Asche bleibt dort bis nach Fertigstellung eines zur Aufnahme der Urne bestimmten, von der Stadt in Gemeinschaft mit der Cultusgemeinde zu beschaffenden Grabmonumentes ausbewvhrt. (Unsere Leser bemerken wohl, daß in obigem Bericht von der Mitwirkung des Rabbiners nirgends die Rede ist. Wir haben schon früher wiederholt dargelegt, daß die Feuerbestattung der jüdischen Sitte seit dem Beginn der biblischen Zeit bis heute entschieden widerspricht — was allerdings die Toleranz in der Bestattung auf dem jüdischen Friedhofe nicht widerspricht. Red. d. A. Ztg. d. I.) — Aus Wien wird geschrieben: Das im vorigen Herbste in Döbling verstorbene Fräulein Mina Gomperz hat einen ansehnlichen Theil ihres Vermögens wohlthätigen Zwecken gewidmet, u. a. 16000 Gulden dem hiesigen israel. Taubstummen-Jnstitut und je 6000 Gulden dem israel. Mädchenwaisenhaus und dem zu gründenden Knabenwaisenhaus. — In Klattau (Böhmen) wurde vr. M. L. Wolf, bisher in Mißlitz (Mähren), zum Rabbiner gewählt. — Riga, im Mai. (Nekrolog.) Die Hand des unerbittlichen Todes hat unserer Gemeinde einen noch rüstigen Mann entrissen, dessen Heimgang allgemeinen Schmerz und tiefe Trauer hervorgerufen. Der als hebräischer Literat und Dichter bekannte!Lehrer Wulf Kaplan wurde am 6./18. d. M. nach kurzen schweren Leiden im Alter von 63 Jahren in ein besseres Leben abgerufen. Der Verblichene — ein begabter Schüler M. A. Ginzbergs und B. Lebensohns — war ein Mann von klarem Geist und edlem Herzen, der um das Wohl der hiesigen Gemeinde sich unsterbliche Verdienste erworben hat. Auch die Zeitung des Judenthums brachte Artikel aus seiner Feder, die ebenso die russische Sprache beherrschte. 35 Jahre lang wirkte er in liebevoller Hingebung und voller Kraft an der hiesigen Gemeindeschule und war im vollsten, edelsten Sinne des Wortes ein Freund der Jugend, die er nicht nur geistig, sondern auch materiell zu unterstützen und zu fördern suchte. Auch die jüdische Studentenschaft der hiesigen technischen Hochschule fanden in ihm einen wahren Freund und Berather, denn sei» edler Charakter, sein reiches Wissen und sein echt jüdischer Patriotismus wirkte befruchtend in den weitesten Kreisen. Vor allem widmete er seine Zeit und Kraft den Angelegenheiten der Gemeinde: er wirkte als Beamter zu besonderen Aufträgen für jüdische Sachen bei den früheren Generalgouverneuren der Ostseeprovinzen, ferner als ältestes Vorstandsmitglied der großen Synagoge, als Vertreter der Gemeinde bei besonderen Anlässen, wie bei der Reorganisation und Leitung der Wohlthätigkeitsvereine. In Folge dieser seiner Verdienste wurde ihm vor 10 Jahren von Sr. Majestät dem hochseligen Kaiser die Würde eines Ehrenbür-

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