Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
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347 Gehilfe an der pathologisch-anatomischen Anstalt. Bon Friedlaender's literarischen Arbeiten ist am bekanntesten seine „Mikroskopische Technik", die zu den beliebtesten Handbüchern dieses Lehrgebietes zählt. Von seinen übrigen Arbeiten sind zu nennen: die Untersuchungen über locale Tuberkulose (1873), über den Lupus (1874), über Epithelwucherung und Krebs (1877), über Herzhypertrophie (1881). In der heutigen Heilkunde spielen bekanntlich die Mikroorganismen eine große Rolle. Friedlaender hat auch dieses Gebiet bereichert. Im Jahre 1883 entdeckte er einen Mikrococcus, der nach seinen Untersuchungen für eine bestimmte Krankheit, die Pucumonie, eigenthümlich ist. Dieses kleine Lebewesen figurirt jetzt als Friedlaender's Coccus in dem Namensverzeichnisse der Bakteriologen. Der neueren Forschung über den Antheil der mikroskopischen Lebewesen an Leben uud Krankheit hatte Friedlaender überhaupt sein besonderes Augenmerk zugewandt; zunächst schon in seiner „Mikroskopischen Technik", sodann später in der Halbmonatsschrift „die Fortschritte der Medicin", welche er hier bei der Fischer'schen Buchhandlung herausgab. Die „Fortschritte" zählen zu den vornehmsten deutschen Journalen für Heilkunde. Friedlaender war seit 1869 Arzt. Er stammte aus Brieg in Schlesien. (Friedlaender stand in allen medicinischen Kreisen in hohem Ansehen, und überall bedauerte man, daß man von Staatssciten ihn trotz seiner bedeutenden Leistungen in verhältnißmäßig untergeordneter Stellung ließ. Des Mannes selbst, und man kann sich hierüber nicht wundern, hatte sich deshalb eine bittere Stimmung bemächtigt. Redact. der A. Ztg. d. I.) — Aus Fürth vom 17. Mai schreibt man: Den vielen Verehrern des am 15. d. in Meran gestorbenen Ehrenbürgers hiesiger Stadt, Herrn vr. Wilhelm Königswarter, mögen nachstehende Notizen von Interesse sein. vr. K. wurde. am 4. März 1809 hier geboren. Die Fainilie stammt aus Königswart in Böhmen und wurde hier durch die Verehelichung des Jonas K., Großvater von W. K., mit Charlotte Oppenheim von hier begründet. Von dem regen Sinn K.'s für humane und gemeinnützige Institutionen zeugen viele und namhafte Stiftungen und Schenkungen. Am 25. Juli 1855 begründete K. zu Ehren seines Vaters Simon mit 3000 fl. die sog. Simonstiftung, die den Zweck verfolgt, an fleißige Gesellen uud Lehrlinge Geldpreise zu vertheilen. Die erste Vertheilung fand am 4. Januar 1857 an 2 Gesellen und 2 Lehrlinge statt. Am 26. April 1866 vermehrte er den Fond um 500 fl. und im Jahre 1880 zur Feier des 25jährigen Bestehens der Stiftung um 1000 Mk. Zur Anschaffung von Büchern für die Stadtbibliothek stiftete er 1870 1000 fl; 1876 stiftete K. 1000 fl., deren Zinsen an Waisenkinder alle Jahre an dem Tage vertheilt werden sollen, an welchem die Straßenbenennung — der hiesige Magistrat benannte eine Straße Königswarterstraße — nach seinem Namen erfolgte. Für einen Kunstbrunnen stiftete K. 6000 Mk., für den hiesigen Jugendhort 3 oder 6000 Mk., für einen Vorortssteg 3000 Mk. u. s. w. Es giebt kaum eine wohlthätige oder gemeinnützige Veranstaltung in hiesiger Stadt, an welcher sich K. nicht in thatkräftiger und hervorragender Weise betheiligte; zahlreiche Acte privater Wohlthätigkeit bewahren ihm in den Herzen der Einwohner ein dauerndes Andenken. Die Stadt ernannte K. am 21. Oct. 1867 zum Ehrenbürger, das Diplom überreichte ihm eine Deputation des hiesigen Magistrats in München. Die Verdienste K.'s fanden an allerhöchster Stelle durch Verleihung des Ritterkreuzes vom hl. Michael I. Cl. ihre Würdigung. Es steht zu erwarten, daß K. bei seinem unbegrenzten Humanitätssinn der hiesigen Stadt, in deren Annalen er sich einen ehrenvollen Platz gesichert, noch manche Anwendung gemacht hat. Der Magistrat wird heute über die Betheiligung an der Leichenseierlichkeit Beschluß fassen. Möge das Beispiel K.'s fortwirken, der Menschheit zum Gewinn, der Stadt zur Ehre! Friede seiner Asche! Ehre seinem Andenken! — Auch für Israeliten gründete er mehrere wohlthätige Stiftungen. So z. B. 1856 stiftete vr. Königswarter 2000 fl. zur Begründung einer Unterstützungscasse für Israeliten unter dem Namen: „Elisabeth Königswarter'sche Stiftung", mit der Bestimmung, daß die jährlichen Zinsen einer unterstützungsbedürftigen Familie zufließen sollen. — Aus der öffentlichen Sitzung des Fürther Stadtmagistrats berichtet man vom 20. Mai: Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff Herr Bürgermeister Langhaus das Wort, um, sichtlich bewegt, sich wie folgt zu äußern: „Der erste Tag dieser Woche hat Fürth in schwere Trauer versetzt; ist doch Sonntag Mittag 11| Uhr der langjährige Wohlthäter hiesiger Stadt, Herr vr. Wilhelm Königswarter, aus dem Leben geschieden. Der Verlebte warein edler Mann in des Wortes vollster Bedeutung, dessen Sinnen und Trachten einzig darauf gerichtet war, die de» Armen auferlegte Bürde zu erleichtern, für gute Erziehung und wahrhafte Bildung zu wirken, das Schöne und Gute unablässig zu fördern. Den Ausfluß dieses idealen Strebens hat in hervorragender Weise Fürth genossen, aber auch in anderen Städten, die der Entschlafene mit Stiftungen bedachte, wird der Name Königswarter mit hoher Belehrung genannt. Besonderer Beschlußfassung bleibe vorenthalten, in welcher Weise die Stadt ihren tiefgefühlten Dank zum Ausdruck bringen will, Sie aber, meine Herren, bitte ick, zum Zeichen Ihrer gerechten Trauer und wahren Verehrung sich von den Sitzen erheben zu wollen." Nachdem Magistrat diesem Ersuchen Folge geleistet, theilte Herr Bürgermeister Langhaus im Anschlüsse noch mit, daß die Beisetzung der Asche nächsten Sonntag Vormittag 11 Uhr im Rathhaussaale stattfindet, von wo aus selbe nach dem israelitischen Friedhof überführt wird, um dortselbst im Leichenhause bis zur Vollendung des Grabmonumentes zu 22*