Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Preußen und dem Fürstenthum Birkeufeld. Die Lehrlinge vertheilteu sich auf 17 Handwerke. Das größte Contingent 12, resp. 6 Lehrlinge entfielen auf das Schneider- resp. Schusterhandwerk. Danach hatte die Decoratiousmalerei re. den größten Zuspruch. Herr Bankier T. Fleck erstattete den Kassenbericht. Den Einnahmen von 6427 M. 44 Pf. standen Ausgaben von 6348 M. 17 Pf. gegenüber. Mit Bestand und den Einnahmen seit 1. April beträgt heute das Vermögen 5310 M. 52 Pf. Einstimmig wurde die Rechnung dechargirt. Die Vorstandswahl und die Wahl der Rechnungsrevisoren wurde vertagt. Daran schloß sich eine längere Debatte, ob die heutige Generalversammlung befugt sei, die zur Erweiterung der Vereinsorganisation nothwendigen Statutausdehnungen und Veränderungen vorzunehmen, oder ob die heutigen Debatten als solche des bisherigen Vereins lediglich zu gelten hätten. Es wurde eine Verständigung dahin erzielt, daß heute die Berathung wohl stattfinden könne, weil die binnen 14 Tagen einzuberufende Generalversammlung ohne Zweifel die in dieser Versammlung gefaßten Resultate anerkennen werde. Dann trat die eingehende Berathung des vorliegenden Entwurfs für die neuen Statuten ein. Betreffs des Namens des Vereins wurde lebhaft debattirt. Schließlich wurde der Name: „Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" angenommen. Der Sitz des Vereins bleibt in Düsseldorf. Die Ziele des Vereins sind in den folgenden Paragraphen ausgedrückt: „Der Verein stellt sich die Aufgabe, für Ausbildung jüdischer Knaben zu Handwerkern zu wirken, deren Eltern resp. Vormünder zu diesem Zweck mit Rath und Geldmitteln zu unterstützen, für die Knaben tüchtige unbescholtene Lehrmeister und Unterkunft in passenden jüdischen Familien zu suchen, über die Ausbildung, das sittliche Betragen, die körperliche Pflege der Lehrlinge zu wachen, Unbemittelten die zu ihrem Unterhalt und zu ihrer Fortbildung nöthigen Mittel zu gewähren, auch nach Beendigung der Lehrzeit denjenigen, welche die Verbindung mit dem Verein in entsprechender Weise aufrecht erhalten haben, mit Rath und That zur Seite zu stehen. Diese Unterstützung kann auch solchen jüdischen Handwerkern zu Theil werden, welche ihre Lehrzeit nicht unter Aussicht des Vereins beendet haben." „Den Lehrlingen wird der Besuch einer Fortbildungs¬ und Handwerkerschule so weit möglich zur Pflicht gemacht.- Die übrigen, die äußere Organisation betreffenden Bestimmungen wurden nach sehr ausgiebiger Debatte festgestellt. Die Berathungen dauerten von Mittags bis spät in den Abend hinein und wurden nur durch das Mittagsmahl unterbrochen, an dem alle Anwesenden Theil nahmen. Während des Diners brachte Herr Rabbiner Dr. Wedell ein Hoch auf unseren Kaiser aus, den er nicht nur als tapferen Kriegshelden, auch als Vater des Vaterlandes und Beschützer seines Volkes und des Handwerks feierte; die Gäste stimniten dann voller Begeisterung die Nationalhymne an; ferner wurde der Verdienste des Vorstandes, des Vereins selbst und der beiden anwesenden Herren Dr. med. Levison von Siegburg und I)r. med. Anerbach von Köln, welche dem Verein große Dienste geleistet haben, in warmen Worten gedacht. Unser Düsseldorfer Correspondeut fügt hinzu: Ein Antrag auf Auflösung des Vereins und Gründung eines neuen war eingegangen, welcher aber großen Widerspruch hervorrief und daher zurückgewiesen wurde. Außerdem ist mit Freude zu constatiren, daß außer Herrn Dr. Wedell hier, welcher sich bedeutende Verdienste um die Sache erworben hat, die auswärtigen anwesenden Rabbinen DDr. Janlus, Aachen und Auerbach, Elberfeld die Bestrebungen des Vereins zu fördern suchten und an den Berathungen regen Antheil nahmen. Selbst der Vorschlag bei Aendernng der Statuten die Mitgliedschaft aus Gründen zu versagen, ist ebenfalls abgelehnt worden. Oesterreich -Ungarn. Wien, 17. Mai. Der antisemitische Abg. Dr. Pattai hatte vor einigen Tagen in einem Kaffeehause antisemitische Schmähungen dem Einjahrig-Freiwilligen Corpora! Richard, Ritter von Wolf, gegenüber gethan. Eine Forderung auf Säbel erfolgte, und das Duell fand gestern statt. Dr. Pattai trug, eine Verletzung des linken Armes davon. Wien, 23. Mai. Wir haben berichtet, daß der „Deutsche Club" die antisemitischen Mitglieder, 16 an der Zahl, ausgeschieden hat. Sie haben nun einen eigenen Club unter dem Namen „Deutsch-nationale Bereinigung" gebildet, und suchen eine gewisse Fühlung mit dem „Deutschen Club" zu gewinnen. Sie haben deßhalb ein Programm aufgestellt, tu welchem es u. A. heißt: Der Antisemitismus bilde keine Forderung ihres Programmes, sondern sie überlassen es jedem Mitgliede nach freiem Ermessen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es ist dies freilich nur eine Maske, um einen öffentlichen Anstoß zu vermeiden. Denn da die Mitglieder dieser Vereinigung um ihrer antisemitischen Gesinnung willen aus dem „Deutschen Club" entfernt worden sind, heißt es doch in nicht sehr tapferer Ärise sich selbst verleugnen, wenn sie jetzt programmmäßig ihren Antisemitismus verleugnen. Pest, 18. Mai. (Prioatmitth.) Die diesmalige Wahlbewegung läßt sich für die Antisemiten sehr schlecht an itttb haben dieselben trotz allen Wühlereien wenig Aussicht auf Erfolg. Einer ihrer Hauptfanatiker, Ignatz Zimandy, will mit Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit kein Mandat mehr annehmen. Gegen Jstoczy ist in Ruma von der Regierungspartei ein Candidat aufgestellt. Andor Badnoy wurde in Tapolcza, seinem bisherigen Wahlbezirke, äußerst