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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-02 · Heft 22 (2.6.1887) · p. Seite 343

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 22 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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343 fanatischer Menschen gegen die Juden in Rußland verloren. Das Grundstück wird erworben, um schon jetzt die leergewordenen Plätze durch Waisen der hiesigen jüdischen Gemeinde zu belegen, und dies endlich einzig und allein für diesen Zweck zu benutzen. Eine der wohlthätigsten Frauen Berlins, Frau Fanny Goldberger, Mitinhaberin des Bankhauses I. T. Goldberger, Dame des Luisen-Ordens, ist Sonnabend Vormittags im 61. Lebensjahre Hierselbst verstorben. Die Beerdigung derselben findet Dienstag Nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause, Oranienburgerstraße 27, aus statt. Die Entschlafene liebte es im Stillen Gutes zu thun, und so gab es wohl kein der Wohlthätigkeit Berlins entsprungenes Unternehmen, dem die Dahingegangene nicht ihre Hilfe leistete. Liebevoll war sie gegen verschämte Arme und richtete dieselben wieder auf. Ihr stilles Wirken entging dem Scharfblick unserer Kaiserin nicht, und so wurde dieselbe erst wenige Wochen vor ihrem Dahinscheiden durch die Verleihung des Luisen- Ordens von dem Kaiser ausgezeichnet. Die Kinder der Verstorbenen , die Inhaber des gedachten Bankhauses, erfreuen sich desselben Rufes der Herzensgüte für Nothleidende und Unterdrückte, wie schon der der Gattin vor wenigen Jahren voraufgegangene Gatte sein Haus zu einem Hause des stillen Wohlthuns stempelte. W. Berlin, 26. Mai. (Stipendien für jüdische Studirende.) Aus der Alexander von Humboldt- Stiftung ist ein Stipendium von 375 Mark an einen Studirenden als Beihilfe zum Doctordiplom zum 1. Juli 1887 durch den Vorstand des Hilfsvereins für jüdische Studirende zu Berlin, zu vergeben. Das Stipendium ist nicht auf eine bestimmte Facultät beschränkt, doch muß die Promotion an der Berliner Universität erfolgen. Bewerber müssen ihre Gesuche unter Beifügung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Juni d. Jahres beim Schriftführer Herrn Geh. San.-Rath vr. Abraham, Bendlerstraße 31. einreichen. — Das von dem Hierselbst verstorbenen Rentier Simson Simon gestiftete Stipendium von jährlich 1200 Mark soll vom 1. April d. I. ab von Neuem verliehen werden. Nach den testamentarischen Bestimmungen muß der Bewerber in Preußen geboren und jüdischen Glaubens sein, mit einem unbedingt gutem Zeugniß der Reife von einem Berliner Gymnasium abgegangen sein; auf der Berliner Universität als Studirender der Medicin immatriculirt sein, sowie ein Zeugniß seiner Bedürftigkeit vorlegen. Außerdem muß derselbe wie bei allen Stipendien vom Beginn des zweiten Semesters seines Studiums ab jedes Semester die Zeugnisse des Decans der medicinischen Facultät über seinen Fleiß, sowie ein Sittenzeugniß bei Erhebung des Stipendiums überreichen, welches in vierteljährlichen Raten praenumerando an den Beliehenen gezahlt wird. Bewerber müssen sich bis zum 1. Juni d. Jahres schriftlich an das k. Universitäts-Kuratorium der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin wenden. Düsseldorf, 22. Mai. Generalversammlung des Vereins zur Verbreitung und Förderung des Handwerkes unter den Juden. (Düsseldorf, 19. Mai.) Die im Hotel Heck abgehaltene von etwa 40 Mitgliedern besuchte General-Versammlung war die erste nach der beschlossenen Erweiterung der Vereinsthätigkeit. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner vr. Wedell, wies auf die besondere Wichtigkeit derselben hin, und resumirte, wie bereits drei Jahre nach der Constituirung des bisherigen auf den Synagogenbezirk Düsseldorf beschränkten Vereins sich herausgestellt habe, daß dessen Grenzen zu enge gesteckt waren. Damals wurde ein Aufruf erlassen, welcher Knaben aus beiden Provinzen zu Meldungen zur Erlernung eines Handwerkes aufforderte. Die Anmeldungen erfolgten so zahlreich, daß hinwiederum die Mittel des Vereins nicht ausreichten und er sich nach weiterer Unterstützung umsehen mußte. Diese wurde bereitwillig von allen Seiten gewährt und bildete auch den Impuls zur allgemeinen Erweiterung des Vereins. Mit besonderem Nachdrucke betonte der Vorsitzende die so zahlreich eingelaufenen Meldungen jüdischer Knaben zur Erlernung eines Handwerkes, als eine Thatsache, welche geeignet sei, die bisher noch bestehende irrige Anschauung, als ob unter den jüdischen Glaubensgenossen Abneigung gegen das Handwerk herrsche, zu widerlegen. Die Erinnerung an die traurigen Erfahrungen der letzten Jahre sei zwar ruhiger geworden, aber die Trauer zittere in den Herzen noch nach und es gelte gerade jetzt, alle Kräfte einzusetzen, um die Hebung der socialen Stellung der Israeliten und deren völlige Gleichberechtigung mit den Angehörigen der übrigen Confessionen zu erreichen. Dazu aber seien die Ziele des Vereins im höchsten Grade geeignet. Anschließend daran machte Herr vr. Wedell noch die Mittheilung, daß seit dem 1. April d. I. wieder 12 neue Lehrlinge angenommen und 150 neue Mitglieder beigetreten seien. Aus dem gedruckt vorliegenden Verwaltungsberichte geht hervor, daß der Beschluß, die Thätigkeit des Vereins über den Synagogenbezirk Düsseldorf auf beide Provinzen und die anstoßenden Districte auszudehnen, am 13. April v. I. gefaßt worden ist. Innerhalb des letzten Jahres ist die Gesammtzahl der Mitglieder von 236 auf 700 gestiegen und die Zahl der vertretenen Städte von 40 auf 105. Die Principien der Vereinsthätigkeit wurden von den maßgebenden israelitischen Organen auf das wärmste ausgenommen. Der Verein ließ es sich angelegen sein, nicht allein solche Knaben, welche sich freiwillig meldeten, sondern auch Kinder widerstrebender Eltern dem Handwerke zuzuführen und zwar vielfach mit gutem Erfolge. Im Ganzen hatte der Verein im abgelaufenen Jahre 50 Lehrlinge, 34 aus Rheinland, 10 aus Westfalen, 4 aus Hessen-Nassau und je einen aus Ost-

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